Am Freitag startet ein Festival der besonderen Art in Hagen. Unter dem Titel „Hagen – Popstar – Glück“ geht es in vielen Veranstaltung drei Wochen lang um die Musik der 70er- und 80er-Jahre und alles, was damit zu tun hat. Den Kern der Aktion bildet die Ausstellung „Komm nach Hagen … nach dein Glück“, die im zentralen Raum im Osthausmuseum zu sehen sein wird. Kuratorin Heike Wahnbaeck hat dafür unzählige Fotos gesichtet und zu Collagen zusammengestellt, sie hat Zeitzeugen und Museen Exponate abgeschwatzt und es erreicht, dass der 2015 beim Muschelsalat-Finale gezeigte Animationsfilm als Dauerschleife zu sehen ist. Es lohnt sich ja immer, das Kunstquartier zu besuchen, aber in den nächsten drei Wochen kommen auch diejenigen auf ihre Kosten, die um Kunst eher einen großen Bogen machen. Für HagenerInnen ist der Besuch ja ohnehin ein Muss, allerdings sollte man Zeit mitbringen, weil sich vor den Fotos automatisch ein wechselseitiges „Weißt du noch?“ ergibt und man schnell gemeinsam in Erinnerungen schwelgt. Bei der Ausstellungseröffnung am Freitag wird das übrigens stilecht bei Currywurst und Bier auf dem Museumsvorplatz möglich sein 🙂

Der musikalische Hagener Impuls

Die Idee, Hagens Musikzeit der 70er und 80er in einem Atemzug mit dem Hagener Impuls zu nennen, könnte von mir sein :-), aber gesagt wurde das von Dr. Belgin bei der Pressekonferenz zur Ausstellung. Aber genau das ist es, worum es in der Ausstellung geht, um den Impuls der vor 40 Jahren von Hagen in die Musikbranche ausging. Natürlich gab es zeitgleich in den Metropolen ähnliche Strömungen, aber dass ausgerechnet das kleine Hagen zwischen Zechensiedlung und sauerländischen Weihnachtsbaumplantagen „das deutsche Liverpool“ genannt wurde, war etwas Besonderes. Umso wichtiger für die Identität der Stadt ist es, dass an diese Zeit erinnert wird und die Ausstellung den Blick öffnet auf das aktuelle Geschehen.

Die Ausstellung im Osthausmuseum

Wer weiß, was in 40 Jahren in Hagen im Rückblick als bahnbrechend oder wegweisend angesehen wird. Besonders an der Ausstellung ist, dass Kuratorin Heike Wahnbaeck die Entwicklung vor 40 Jahren hautnah miterlebt und schon damals zugleich reflektiert hat. Als Ehefrau des Bassisten Wolfgang Jäger aka Hunter war sie dabei, als er bei Nenas erster Band Stripes spielte und zu Extrabreit wechselte. Als Redakteurin der Musikzeitschriften MusikExpressSounds und MusikSzene beobachtete sie die Musiker und das Geschehen von außen. Deshalb konnte sie die Ausstellung auch auf der Basis selbst gesammelter Erfahrungen und Erkenntnisse konzipieren. Dabei hat sie die Form eines Lehrpfads gewählt. Auf 18 Thementafeln wird jeweils kurz der Kern der Fotos und Quellenabbildungen erläutert. Und dann kann jeder selbst einsteigen, Bekannte wiedererkennen, den getuschelten Erinnerungen des Nachbarn lauschen und Aha-Erlebnisse sammeln. Und davon gibt es viele, für mich als „Reigschmeckte“ natürlich mehr als für die Ur-Hagener. Aber ich bezweifle, dass jeder wirklich drauf hat, welcher Hagener von hier aus eine Karriere im Musikbusiness gestartet hat. Ein paar davon wird man übrigens im Festival-Programm treffen können. Neben den Infotafeln finden sich in der Ausstellung viele Exponate, die so noch nie gezeigt wurden und die sonst eher im Keller oder auf dem Dachboden der Musiker stehen oder sogar in Museen. Das wird ein außergewöhnlicher Museumsbesuch, das verspreche ich euch. Einige Fotoeindrücke finden sich schon in meinem Fotoblog, aber das wahre Erlebnis gibt es ab Freitag 18.30 Uhr, wenn die Ausstellung eröffnet wird. Wir sehen uns, oder? © Birgit Ebbert

Weitere Informationen gibt es auf der Seite www.hagen.de/festival