Selfie vor Wartehäuschen(3. Juni 2016) „Falls du heute Nachmittag Langeweile hast und was Nettes sehen möchtest, komm doch bitte etwa gegen halb drei zum Bahnhof, auf Gleis 7 im Wartehäuschen geht die Post ab …“ So lautete eine Facebook-Nachricht, die mich am Sonntagvormittag erreichte. Absender war der Hagener Künstler Nuri Irak, der mich noch köderte mit „mehr verrate ich nicht“ und vielen Gelächter-Smileys. Aber er hat meine Neugier geweckt, zumal ich weiß, dass er immer an interessanten Projekten arbeitet. Also habe ich mich auf den Weg zum Bahnhof gemacht.

Wanderung im WartehäuschenAls ich die Schalterhalle betrat, wurde ich aber doch skeptisch. Ich erinnerte mich an das ominöse Gleis im ersten Harry-Potter-Band und fing an, mir Gedanken zu machen, was mich erwarten könnte. Vielleicht ein Flashmob? Oder würde ich etwa plötzlich Teil einer Performance?

Die Wartehäuschen-KünstlerUm sicherzugehen, bin ich zunächst auf den Bahnsteig von Gleis 9, ohne am anderen Gleis etwas Außergewöhnliches auszumachen. Andererseits wirkten die Reisenden, die dort saßen, irgendwie doch so, als wollten sie gar nicht verreisen. Die Stimme des Ansagers schepperte und verkündete, dass auf Gleis 7 ein Zug aus Krefeld einfahren würde. Der würde mir die Sicht versperren, also habe ich noch einmal von Gleis 5 aus das Wartehäuschen beobachtet und sah nun Nuri, der wir ein Teufel aus der Kiste aus dem kleinen Gebäude kam.

Im Wartehäuschen auf Gleis 7

Auf Wolke 7 im WartehäuschenSchließlich bin ich doch mutig auf den Bahnsteig von Gleis 7 gegangen, wo mich außer Nuri auch Anika, Billy, Judith, Katrin und Nora mit Pinseln und Farbtöpfen erwarteten. Sie waren gerade dabei, letzte Hand an ihre Kunstwerke in dem Wartehäuschen anzulegen. Im Rahmen des Festivals „Schwarzweissbunt“ hatten sie die Gelegenheit mit Einverständnis der Bahndirektion das Wartehäuschen die Wände des Wartehäuschens nach ihren Vorstellungen zu bemalen.

Aus dem Warthäuschen in die WeltNun haben sie nicht einfach drauflos gemalt, sondern sich bereits zusammen mit Maikel und Caroline, die am Sonntag nicht anwesend waren, zwei Tage im Jungen Museum getroffen, um das Projekt zu planen. Als Thema hatte Nuri Irak – passend zum Umfeld – „Kommen und Gehen“ ausgewählt. Am ersten Tag hat sich die Gruppe auf das Thema eingestimmt und Ideen für Bilder gesammelt, zu denen sie am zweiten Tag erste Entwürfe erstellte, die am letzten Wochenende umgesetzt wurden. Wer also seit Sonntag auf Gleis 7 auf die Ankunft seines Zuges wartet, staunt nicht schlecht über das zauberhafte Ambiente, das ihn dort erwartet.

Am Sonntag waren Bänke und Abfalleimer noch nicht wieder installiert, aber man konnte schon an anderen Kleinigkeiten erkennen, wie geschickt und liebevoll die jungen Künstler den Raum in ihre Planungen einbezogen hatten. In jedem Fall lohnt es sich, beim nächsten Bahnhofsbesuch einen Abstecher auf Gleis 7 zu machen, sich auf die Bank zu setzen und von den Bildern verzaubern zu lassen. © Birgit Ebbert

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