(28.01.2020) Die Premiere des neuen Stücks von Stefan Schroeder im Theater an der Volme war schon am letzten Freitag, aber es gibt ja weitere Aufführungen, deshalb kleckere ich jetzt meine Eindrücke nach 🙂

Die Geschichte um Kommissar Goldberg

Johann Caspar Goldberg ist ein pensionierter Kommissar aus Hagen, der für einen besonderen Fall vom Polizeipräsidenten in den aktiven Dienst zurückgeholt wird. Die anderen Beamten arbeiten nämlich fieberhaft an der Aufklärung eines Goldraubs, bei dem Gold im Wert von drei Millionen Mark verschwunden ist. In D-Mark, jawohl, die Geschichte spielt nämlich in den 1950er-Jahren, der Kommissar muss also ohne Smartphone und Webrecherche ermitteln, da ist Köpfchen gefragt. Zum Glück wird er von Kriminalhauptmeisterin Gertrud Kaisberg unterstützt, die motiviert und flink Informationen beschafft und potenziellen Verdächtigen selbstbewusst wichtige Hinweise entlockt. Gemeinsam finden die beiden Ermittler nicht nur heraus, wer der geheimnisvolle Tote in der Volme ist und wer ihn getötet hat, sondern auch, was es mit dem Goldraub auf sich hat.

Die Inszenierung im Theater an der Volme

Wer die Personenübersicht für das Stück „Kommissar Goldberg ermittelt. Die Geister von der Volme“ sieht, rechnet im ersten Moment damit, dass es auf der Bühne von Darstellern wimmeln wird. Weit gefehlt, gerade mal vier Darsteller schaffen es mit unterschiedlichen Kostümen, Mimik und Gestik insgesamt 16 Personen zu verkörpern. Was für eine Herausforderung, immer wieder in neue Rollen zu schlüpfen und zwischendurch noch die Kulissen zu wechseln. Chapeau an Jan Philip Keller, Karolin Kersting, Carola Schmidt, Dario Weberg – in der Reihenfolge der häufigsten Personenwechsel 🙂 Alle Darsteller haben ihren jeweiligen Rollen ein unverwechselbares Gesicht gegeben und so dafür gesorgt, dass wir Zuschauer gespannt und gebannt auf die nächste Szene warteten. Ich erinnere mich nicht, dass ich es so viel Applaus zwischen den Szenen in einem Theaterstück gab, bei Musikeinspielungen kommt das öfter vor, aber in einer erzählten Geschichte. Das zeigt, wie gut die Story aufgebaut und umgesetzt war, inkl. der Details wie Namen mit Bezug zu Hagen und Requisiten aus den 1950er-Jahren. Was soll ich über die Schauspieler sagen? Dario Weberg hat souverän als Johann Caspar Goldberg ermittelt und Carola Schmidt war überzeugend eine aufgeregte junge Kriminalhauptmeisterin, die sich der Ehre bewusst ist, an der Seite des pensionierten Kommissars zu ermitteln, ihr gerecht werden will. Jan Philipp Keller gab jeder seiner Figuren ein eigenes Gesicht, vom genervten Gerichtsmediziner bis zum Unternehmer und Darsteller von Karl Moor in der Schiller-Szene im Stück. Gäbe es im Theater einen „Matchwinner“ wäre das für mich Karolin Kersting, ihre Wandlungsfähigkeit bei der Darstellung ihrer fünf Figuren war beeindruckend, die schrille Hundebesitzerin, die überhebliche Geschäftsführerin, Schillers Amalia als Tochter von Kommissar Goldberg …

Ich weiß, ich schreibe oft, dass sich ein Besuch lohnt und meine das dann auch so – unter uns, es gibt auch Inszenierungen, über die ich nicht gebloggt habe 🙂 Es gilt für „Kommissar Goldberg ermittelt“ im Besonderen, vermutlich weil es ein echtes Kriminalstück, das zwar amüsante Elemente enthält, aber anders als Komödien nicht Pointen, sondern Verbrecher jagt. Viel Spaß beim Mitjagen 🙂 © Birgit Ebbert

Die nächsten Aufführungen: 01.02., 16.02., 13.03., 14.03., 19.04., 16.05., 25.07., 14.08., 10.10., 11.10., 08.11., 28.11., 18.12.

Karten & weitere Informationen auf www.theaterandervolme.de