Ich gebe zu, die japanische Legende über die 1.000 Papierkraniche, die Glück bringen sollen, fasziniert mich sehr. Deshalb habe ich schon im Dezember 2015 1.000 Kraniche gefaltet und mich intensiver mit den Hintergründen beschäftigt.

Sadako Sasaki und die 1.000 Kraniche

Die Legende der 1.000 Kraniche ist alt, bekannt geworden ist sie durch das Mädchen Sadako Sasaki. Sadako war 2 Jahre alt, als die Atombombe über Hiroshima gezündet wurde. Zehn Jahre später erkrankte Sadako als Spätfolge der Atomstrahlung an Leukämie. Eine Freundin oder ein Bruder brachte ihr Faltpapier ins Krankenhaus und erzählte ihr die Legende der 1.000 Kraniche. Sadako hat versucht, 1.000 Kraniche zu falten, sie starb jedoch vorher, am 25. Oktober 1955. Als Erinnerung an sie und als Zeichen dafür, dass nie wieder Krieg herrschen soll, haben ihre Freunde Geld für ein Friedensdenkmal gesammelt. Es steht im Hiroshima-Park und zeigt Sadako mit einem stilisierten Papierkranich. Um das Denkmal herum stehen Glasbehälter mit unzähligen Papierkranichen. Kinder und Erwachsene aus aller Welt schicken Kraniche nach Hiroshima, allein 2016 waren es über 14 Millionen! Sie landen alle ei Masanobu Murakami, dem Wächter des Denkmals, der sie zunächst in die Glaskästen tut. Zwischendurch werden immer wieder welche feierlich verbrannt, das verhilft laut japanischem Glauben dem Glück zusätzlich auf die Sprünge. Früher gab es die Verbrennungszeremonie einmal im Jahr, inzwischen findet sie monatlich statt.

Projekte um den Papierkranich

Mir sind in den letzten Jahren einige Faltaktionen von Schulen, Kirchengemeinden und Einzelpersonen begegnet, bei denen 1.000 und mehr Kraniche für den Frieden gesammelt wurden. Erst kürzlich gab es eine Installation im Rahmen der Duisburger Akzente, von der ich leider erst zu spät erfahren habe. Sogar das Kindermagazin der ZEIT rief im September 2017 auf, für den Frieden zu falten, fast 10.000 Kraniche landeten in der Redaktion. Als ich im Sommer 2017 die Ausstellung Literaturart in der Rathausgalerie hatte, fiel mir gleich auf, dass die Decke so beschaffen ist, dass man Kraniche aufhängen könnte. Und als ich mich im Frühjahr angesichts der Weltlage zunehmend um den Frieden in der Welt sorgte, erinnerte ich mich an den Raum und die Aktionen. Natürlich weiß ich, dass ein paar gefaltete Kraniche, auch 1.000 oder mehr, die Politik der Welt nicht verändern werden. Aber Frieden fängt im Kleinen an und bei den Kindern. Man kann sich ohnehin kaum vorstellen, wie aus weltoffenen und lebensfrohen Kindern Kriegstreiber, Selbstmordattentäter und Diktatoren werden. Je öfter man mit ihnen, aber auch in der Gesellschaft die schöne Seite des Friedens thematisiert, umso besser können sie ihn verinnerlichen. Übrigens hat Barack Obama sich 2016 bei seinem Besuch in Hiroshima in die Herzen der Menschen gefaltet, als er vier selbst gefaltete Papierkraniche mitbrachte, zwei schenkte er Schülern und zwei legte er ins Gästebuch.

Mein Papierkranich-Projekt „Falten für den Frieden“

Langer Rede kurzer Sinn, ich habe die Rathausgalerie Hagen von meiner Aktion überzeugen können. Vom 15. August bis zum 29. September wir im KunstSchaufenster der Rathausgalerie, gleich neben dem Weingummiladen, gefaltet. Jeder Besucher bekommt eine kleine Einweisung, wie der Kranich gefaltet wird, die Kraniche werden – wenn das so klappt, wie ich mir das vorstelle – von der Decke herunter gehängt, sodass am Ende der Raum voll ist mit Kranichen. Bis es soweit ist, wird es an den Wänden einige Bilder von mir geben – mit mehr oder weniger Kranichen, daran arbeite ich noch. Und ich werde in der Zeit die Quadrate meines 365Papersquares-Projektes in dem Ausstellungsraum ergänzen.

Ich bin gespannt, ob das Projekt so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich hoffe ganz fest auf die Unterstützung meiner Schreibkids und einiger Faltfans in meinem Bekanntenkreis, wenn ich es zeitlich schaffe, werde ich außerdem einige Ferien-Kindergruppen mit Faltpapier unter dem Arm besuchen.

Bis dahin falte ich allerlei neue Dinge aus und mit Kranichen, damit der eine oder die andere Lust kriegt vorbeizukommen.

Recherchelinks zu Hintergründen und Projekten

Die hier erwähnten Aktionen sind eine Auswahl – aus den ersten beiden Seiten der Suchergebnisse im deutschsprachigen Google gefischt – sie sollen die Bandbreite der Institutionen zeigen, die sich auf diese Weise dem Thema Frieden und Papierkraniche genähert haben, meine Vorbilder quasi und da ich ungerne etwas direkt nachmache, habe ich mir etwas Besonderes überlegt, doch dazu mehr demnächst 🙂