(29.01.2011) Ich gebe es zu, Lernförderung ist nicht immer kreativ, wenn auch oft sehr interessant. Gestern allerdings war meine Kreativität gefragt und ich habe mich köstlich amüsiert – der Schüler auch, nicht, dass ihr denkt, ich würde mich auf Kosten der Schüler amüsieren.

Es begann damit, dass mein Schüler in der Klassenarbeit „hartneckig“ geschrieben hatte. Er war stolz auf das „ck“ und konnte gar nicht verstehen, wieso ich mit dem „e“ nicht zufrieden war. Das kommt doch von „hart“ „necken“, erklärte er mir. Also habe ich versucht, ihm zu erklären, dass „hartnäckig“ davon kommt, dass man einen „harten“ „Nacken“ hat, sich also nicht beugt, sondern bei seiner Meinung bleibt. Vermutlich wird er nie wieder „hartnäckig“ falsch schreiben.

Nachdem wir uns darüber einig waren, erkundigte ich mich nach dem neuen Thema im Deutschunterricht. Er brummte etwas von „Gedichte“ und schließlich konnte ich ihm entlocken, dass sie in der Deutschstunde „Rautengedichte“ schreiben mussten. Ich hatte bis dahin von Elfchen und Haikus, Laternengedichten und anderen spannenden Gedichtformen gehört, aber „Rautengedicht“!? Das musste er mir erst einmal erklären.

Für diejenigen, die noch eine Übung für das Schreib-Zirkel-Training suchen: Das Rautengedicht besteht aus sieben Versen in folgender Konstellation: ein Wort, zwei Wörter, drei Wörter, vier Wörter, drei Wörter, zwei Wörter, ein Wort – und wenn das alles geschrieben ist, wird ein Rahmen darum gezeichnet. Gestatten: das Rautengedicht.

Nach anfänglichem Murren hat der Schüler doch eins über seinen Lieblings-Fußballverein geschrieben. Ach ja, der Junge ist Italiener. Ich habe mich eher an meine Elefanten gehalten.

Nach diesem kreativen Teil mussten wir uns dann doch – mal wieder – der wenig geliebten Vorsilbe „ver“ widmen. Da wartete die nächste Herausforderung auf mich, nämlich: Warum schreibt man „veräppeln“ mit „ä“? Aus dem Münsterland kommend bin ich einfach mal davon ausgegangen, es kommt von „Äppel“ für  „Äpfel“ und das hat dem Jungen auch eingeleuchtet, dem gleich „apple“ einfiel – alle waren zufrieden.

Mein Schüler wird es wohl noch immer sein und ich? Ich habe gerade den Fehler gemacht nachzuschauen, woher eigentlich das Wort „veräppeln“ kommt. Das erste, was ich bei Google finde: veräppeln komme vom jüdischen „eppel“ – jetzt mal ehrlich, wie soll man da einem Schüler merkwürdige Wörter erklären. Zum Glück hat Wikipedia meine Ehre gerettet, da gibt es drei Herkunftserklärungen und eine davon ist das niederdeutsche Wort für Apfel und hieß, jemandem mit Äpfeln bewerfen, was früher durchaus üblich war.

Kein Wunder, dass ich erst einmal ein freies Wochenende benötige, um mich zu erholen. Auch euch allen ein schönes Wochenende – die Sonne ruft einen ja förmlich aus dem Haus.