Es gibt Themen, die schleichen sich unmerklich in das Bewusstsein. Im Mai bin ich im Internet buchstäblich über die PostPoetry-Postkarten gestolpert und nun sind 350 Schritte entfernt diese wunderschönen Künstlerpostkarten ausgestellt. Nun bin ich ohnehin ein Fan von Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein, deren Postkarten-Werke einen großen Teil der Ausstellung ausmachen. Aber auch die anderen kleinen Kunstwerke laden zum Verweilen, Studieren, Nachdenken, Schmunzeln und Zurückkehren ein.

Durch meine aktuelle Recherche für ein Projekt bin ich zusätzlich sensibiliert für alte Briefe und Postkarten. Deshalb finde ich es besonders schön, dass auch die Rückseiten der Karten mit ausgestellt werden. Dort sieht man nicht nur, dass die Karten wirklich durch die Welt gereist sind, sondern auch, was die Künstler für wert befanden, es anderen mitzuteilen. Das sind die Momente, in denen einem klar wird, dass Künstler eben auch nur Menschen sind und unter Umständen nur schöne Grüße auf die Karte schreiben. Was sollen sie auch noch textlich kreativ sein, ihr Werk ist ja die Vorderseite der Karte.

50 Postkarten sind im unteren Bereich des Osthausmuseums zu sehen – das klingt wenig, fast jeder hat in seiner Kindheitssammlung mehr Postkarten. Aber jede Postkarte ist ein Kunstwerk, das ein Thema des Künstlers aufgreift und je nach Stil und aktuellen Gegebenheit als Tusche- oder Kohlezeichnung, Porträt oder Landschaft, Stilleben oder Alltagsszene daher kommt.

Ergänzend zu den Postkarten, die aus dem Brücke-Museum in Berlin stammen, zeigt das Osthausmuseum 28 Werke der Künstler, die sich im Besitz des Museums befinden. Es öffnet quasi wieder einmal die Schatzkiste und lässt die Besucher zweieinhalb Monate lang die Schönheiten des Hagener Kunstschatzes bestaunen.

Was soll ich zu der Ausstellung sagen, der Besuch ist ein Muss für alle, die die Werke der Brücke-Künstler mögen, die expressionistische Kunst lieben, die ein Faible für Postkarten haben, die wissen wollen, welche Kunstschätze das Osthausmuseum besitzt und die einfach gerne eine schöne Ausstellung besuchen möchten, die 100 Jahre zurück in die Zeit führt und gerade dadurch zeigt, warum die Künstler bis heute unvergessen sind.

Ach ja, der hervorragende Ausstellungskatalog ist übrigens ein wunderbares Geschenk – Weihnachten kommt bestimmt! © Birgit Ebbert

Die Ausstellung ist bis zum 2. November 2014 im Osthausmuseum zu sehen.

Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de