(18.10.2014) Gestern habe ich zufällig die Blogparade „Mein Kultur-Tipp für Euch“ von Tanja Praske entdeckt, in der schon jetzt interessante kulturelle Anregungen zu finden sind. Allerdings fehlt noch ein Kultur-Tipp aus und für Hagen, dabei kommt man hier mit einem Kultur-Tipp eigentlich nicht aus.

Vorweg muss ich sagen, dass ich Hagen nicht zuallererst mit Kultur in Verbindung gebracht habe, ehe ich nach Stationen in Stuttgart und Bochum hierherzog, Fernuni – ja, Freilichtmuseum – ja, aber Kultur! Es hat mich verblüfft, als ich hörte, dass die Stadt vor 100 Jahren neben Berlin zu den Kulturmetropolen zählte. Inzwischen ahne ich, wie es dazu kam. Vor allem, aber nicht nur, wenn ich mich in meinem „Kultur-Tipp für euch“ aufhalte, dem Kunstquartier in Hagen, das sich jetzt gerade etwa 200 Meter hinter meinem Rücken befindet. Von Tür zu Tür brauche ich 370 Schritte und manchmal kommt es mir vor, als spürte ich den Geist der Künstler, deren Werke dort zu sehen und teilweise eingelagert sind.

Der frühere Eingang ins Osthausmuseum

Offiziell besteht das Kunstquartier aus dem Osthausmuseum mit seiner Fassade im Neo-Renaissance-Stil und dem Emil Schumacher Museum, die Eingang, Kasse und  Museumsshop gemeinsam haben, sowie dem spätklassizistischen „Alten Landgericht“, in dem das Kulturbüro ansässig ist, und der neugotischen Kirche St. Marien. Für mich gehört auch das Kunst- und Atelierhaus im ehemaligen Hotel Danne direkt gegenüber des Museen zu dem Quartier, deshalb lautet mein Kultur-Tipp konkret: Besucht das Hagener Kunstquartier am ersten Sonntag im Monat und ich garantiere euch, dass wirklich jeder auf seine Kosten kommt – egal, welchen Kunstgeschmack er hat und wie alt er ist.

Den Schwerpunkt des Emil Schumacher Museums bildet, das lässt der Name vermuten, das Werk des Hagener Künstlers Emil Schumacher. Allerdings gibt es hier immer wieder Sonderausstellungen wie derzeit die einzigartige Ausstellung der grafischen Werke von Henri Toulouse-Lautrec, für die allein sich schon der Besuch des Kunstquartiers lohnt.
Direkt neben dem Emil-Schumacher-Museum liegt das Osthausmuseum, dessen Ausstellungsfläche sich in einem neuen und einem neuen Gebäudeteil befindet. Der alte Teil ist über 100 Jahre alt und stammt noch aus der Zeit, als alle Künstler von Rang und Namen sich in Hagen einfanden. Das Gebäude, dessen Souterrain noch heute im Originalstil Henry van de Veldes erhalten ist, war die Wiege des Folkwang-Museums, das nämlich seinen Ursprung in Hagen hat und nach dem Tod des Gründers Karl Ernst Osthaus an die Stadt Essen verkauft wurde. In diesem Haus lebte bis zu seinem Tod ein anderer bedeutender Hagener Künstler: Christian Rohlfs, an den mit einem besonderen Raum erinnert wird.

Der Christian-Rohlfs-Raum ist ein Beispiel dafür, dass das Osthausmuseum mehr ist als ein Museum. Es gibt mehrere solcher kleinen Spezialausstellungen. Im Hagener Fenster werden beispielsweise immer wieder Werke Hagener Künstler ausgestellt und die „Architektur der Erinnerung“ von Sigrid Sigurdsson versetzt die Besucher mithilfe von Erinnerungsstücken, Bildern, Büchern, Exponaten und Geschichten in andere Zeiten und Länder. Für viele Hagener der Lieblingsraum in dem Museum und ein Geheimtipp, gerade für kreative Menschen, weil man so viel entdecken kann.

Diese kleinen Museen oder Ausstellungen, zu denen auch ein Raum mit Werken der klassischen Moderne zählt, ranken sich um den Kern, das Osthausmuseum mit seinen wechselnden Ausstellungen. Bis zum 2. November sind dort „Künstlerpostkarten der Expressionisten“ Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff und Pechstein zu sehen, sowie „Buildings“ von Susan Hefuna und „Poesie und Realismus“ von Bernd Schwarzer.

Die „Zickzackspinnenraupe“ von Paul Drücke im Jungen Museum

Im Souterrain des Altbaus, das durch seine originalgetreue Rekonstruktion der Entwürfe von Henry van de Velde besticht, kommen – nicht nur – junge Besucher auf ihre Kosten. Dort befindet sich das Junge Museum, in dem derzeit „Tierische Besucher“ darauf warten, dass sie betrachtet, betastet und nachgeknetet werden. Hier finden sich Skulpturen und Bilder von Tieren aus dem Bestand des Museums, u. a. Eulen von Pablo Picasso und Max Ernst.
Wer Kunst nicht nur betrachten möchte, sondern gerne auch mit Künstlern ins Gespräch kommt, dem sei wirklich ein Besuch im Kunstquartier am ersten Sonntag im Monat empfohlen. Dann öffnen sich die Ateliers im Kunst- und Atelierhaus gegenüber der Museen. Die Künstler arbeiten unter den Augen der Besucher und stehen gerne Rede und Antwort.

Natürlich ist auch in Hagen für das leibliche Wohl der Kunstinteressierten gesorgt, mit ein bisschen Glück kann man im Sommer im Innenhof unter der Kastanie tafeln oder einen Kaffee trinken, aber auch das Interieur der Museumsgastronomie kann sich sehen lassen. Vor allem aber enthält die Speisekarte für jeden Hunger etwas.

Kunst- und Atelierhaus

Soweit mein Kulturtipp aus Hagen und wer für den Abend noch Programm möchte, der findet sicher im TheaterHagen, im Theater an der Volme, im Hasper Hammer oder in der Stadthalle etwas für seinen Geschmack. Auf einen schönen Kulturtag in Hagen! © Birgit Ebbert

Die aktuellen Ausstellungen im Überblick
Kirchner, Schmidt-Rottluff, Heckel und Pechstein lassen grüßen. Künstlerpostkarten der Expressionisten (bis 2. November 2014)
Susan Hefuna „Buildings“ (bis 2. November 2014)
Bernd Schwarzer „Poesie und Realismus“ (bis 2. November 2014)
Birgitta Weimer (bis 11. Januar 2014)
Toulouse-Lautrec „Der Meister der Linie in Hagen“ (bis 25. Januar 2015)
Emil Schumacher „Aus der Sammlung“ (bis 25. Januar 2015)
Tierischer Besuch im Jungen Museum (bis 1. März 2015)

Weitere Informationen über die Museen: www.kunstquartier.de

Weitere Informationen zum Kunst- und Atelierhaus: www.kah-hagen.de