(23.03.2014) In Bochum wohnte ich im Uni-Center, das sich am Rand von Querenburg gegenüber der Ruhr-Universität befand. Von dort aus waren es nur wenige Gehminuten bis zum Botanischen Garten hinter dem Schloss, über den ich gelegentlich auch noch schreiben werde – wenn es schöner wird und das Wetter hinaus in die Natur zieht, und zur Kunst- und Antikensammlung der Ruhruni. Ich lebte sicher schon zwei oder drei, wenn nicht gar vier Jahre in Bochum, ehe ich die Kunstschätze bei mir um die Ecke entdeckte. Eher zufällig, als ich durch das Uni-Geländer mit meiner Kamera zum Botanischen Garten ging.

Mein Blick fiel auf nebenstehendes Kunstwerk, „Sandmühle 1968“ von Günther Uecker, wie ich in zwischen weiß, und ich fragte mich, was das mitten in der Uni bedeuten sollte. (Hier gibt es einen Bericht über die Sandmühle 1970 aus dem Städelmuseum.) Ich erfuhr ich, dass direkt gegenüber dem Haupteingang zum Audi Max die Kunststammlung der Ruhr-Universität untergebracht ist. Daran habe ich mich erinnert, als ich für ein Buch, das 2015 erscheinen solle, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele in Bochum recherchierte.

An einem trüben Mittwoch habe ich mich dann auf den Weg gemacht, um die Sammlung wieder einmal zu besuchen. Schon im Eingangsbereich beeindruckte mich das Bild „Arpoador“ von Frank Stella, über das WDR-Westart vor einiger Zeit berichtet hat. Es empfing mich neben der Laokoon-Gruppe eine Wechselausstellung mit Fotos von Egbert Trogemann zum Thema „Audience“, die noch bis zum 27. April zu sehen ist. In der Sammlung moderner Kunstwerke fiel mir sofort eine Raumplastik von Norbert Kricke auf, von dem ich vor nicht allzu langer Zeit noch Werke im Emil Schumacher Museum in Hagen gesehen hatte. Die Ausstellung der Moderne ist entstanden, als der Kritiker und Sammler Albert Schulze-Vellinghausen der Uni 1967 Kunstwerke vermachte unter der Bedingung, dass sie den Grundstock für ein Museum bildeten. Eröffnet wurde das Museum dann am 15. Januar 1975, dank einer Stiftung des Verlegers Paul Dierichs konnte sie schon bald darauf erweitert werden. Bis heute bilden Schenkungen und Spenden die Basis für die hochwertige Ausstellung.

Im Antikenmuseum, der größten Sammlung klassischer antiker Kunst im Ruhrgebiet, das 1975 eröffnet wurde, staunte ich dann vor den Vitrinen. Da standen griechische Vasen, die mehrere 1000 Jahre alt waren und wirkten, als kämen sie gerade eben aus der Töpferwerkstatt von nebenan. Unglaublich, wie sehr sich unsere heutigen Muster und Formen denen vergangener Kulturen ähneln. Ich frage mich, wie man damals schon solche Kannen formen und brennen konnten – und dann noch so, dass sie nicht beim nächsten Unwetter zerbrachen. Und was es damals alles gab – manche Gegenstände wirkten wie Fußabtreter oder Türstopper. Kann das überhaupt sein?

Und warum weiß kaum einer, dass sich diese Vasen ebenso wie griechische und römische Büsten, antike Lampen, antike und mittelalterliche Gläser, Terrakotten und Bronzestatuetten mitten auf dem Uni-Gelände auf Betrachter warten? Als ich mittwochs dort war, waren wir die einzigen Besucher und ich erinnere mich daran, dass ich auch sonntags meist allein auf weiter Museumsflur war.

Die Sammlung muss auf jeden Fall in meine Liste der Ziele in Bochum, zumal man den Besuch prima mit einem Spaziergang im Botanischen Garten verbinden kann – ein Ausflug in Kultur und Natur und das völlig eintrittfrei!

Öffnungszeiten, genauer Lageplan, Termine von Führungen und weitere Informationen

Und diese Seite habe ich zufällig entdeckt – sie enthält Informationen über „Kunstin Bochum – umsonst und draußen“. Eine wunderbare Privatinitiative: www.artibeau.de/ © Birgit Ebbert