(03.09.2015) Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber gelegentlich meldet sich mein schlechtes Gewissen, weil mein Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein schon sehr, sehr lange zurückliegt. Und nicht nur das, ich habe auch keinerlei Erinnerung daran, außer dass es heiß war und ich in Zeitnot war, weil ich direkt danach bei einer Hochzeit kellnern musste.

Deshalb habe ich vor einigen Monaten gleich aufgemerkt, als ich bei Facebook die Seite Laienreanimation kann jeder entdeckte. Nun hatte ich die Gelegenheit, an einem Vortrag des Initiators Jens Schilling teilzunehmen – das schlechte Gewissen ist zwar noch nicht verflogen. Aber ich habe nach dem Abend wenigstens das Gefühl, ich stünde im Ernstfall nicht so hilflos da wie die Menschen, die den Anästhesiepfleger und Rettungssanitäter dazu gebracht haben, sich für das Thema zu engagieren. Entscheidend war für mich, dass er darauf hingewiesen hat, dass erste Hilfe zuallererst eine Frage des gesunden Menschenverstands und der Selbstüberwindung ist. Das ist eigentlich so logisch, für denjenigen, der zusammenbricht, ist irgendeine Hilfe besser als gar keine. Häufig scheitert es aber eben genau daran.

c-birgit-ebbert-IMG_4221Die Zahlen, mit denen Jens Schilling seinen Vortrag über Laienreanimation begann, haben mich wirklich erschreckt. In Deutschland finden von 400 plötzlichen Herztoden am Tag rund 65 % im Beisein anderer statt. Dennoch gab es nur in rund 15 % der Fälle Hilfe, ehe der Rettungsdienst eintraf. Anders in den EU-Nachbarländern, wo die Rettungskräfte in 65 bis 70 % der Fälle auf Patienten stoßen, die bereits reaniminiert wurden bzw. wo Hilfsmaßnahmen in Gang sind. Dabei ist es vor allem für die Durchblutung des Gehirns wichtig, dass der Blutkreislauf schnell wieder in Gang gebracht wird. Während Arme und Beine einige Zeit ohne Blutzufuhr auskommen können und selbst das Herz bis zu 20 Minuten ohne Durchblutung durchhält, ohne dass dauerhafter Schaden entsteht, beginnen im Gehirn spätestens nach 5 Minuten ohne Sauerstoffzufuhr die ersten Zellen abzusterben – unwiederbringlich. Da gehen nicht nur Erinnerungen verloren, das wäre verschmerzbar, sondern die Steuerung von anderen Zellen, von Körper oder Sinneszellen, was sich in Lähmungen oder Wahrnemungsstörungen bemerkbar macht.

Man merkt sicher, dass der Vortrag zur Laienreanimation nachhaltig gewirkt hat, aber nicht nur die einleitenden Informationen, sondern vor allem die Hinweise, was zu tun ist, wenn man mitbekommt, dass jemand zusammenbricht. Bei diesem Teil des Vortrags habe ich mich dann übrigens doch an das eine oder andere erinnert, was ich im Erste-Hilfe-Kurs gelernt habe – zur stabilen Seitenlage und zur Beatmung. Allerdings habe ich auch erfahren, dass ich das getrost vergessen konnte, weil sich die Leitlinien für die Erste Hilfe etwa alle fünf Jahre ändern. Heute gilt als Faustformel für die Hilfe bei einer Bewusstlosigkeit: 1. Prüfen, 2. Rufen und 3. Drücken, wobei 1 und 2 schnell gehen müssen und im Zweifel lieber einmal öfter die 112 angerufen und die Herzdruckmassage durchgeführt werden wollte.

1. Prüfen

Wird man Zeuge, dass jemand umkippt, muss als erstes geprüft werden, ob er ansprechbar ist und sagen kann, was passiert ist und wenn er das nicht ist, ob er selbstständig atmet. Dazu ist es wichtig, seinen Kopf weit in den Nacken zu legen, um zu sehen, ob es eventuell nur die Zunge ist, die den Atemweg behindert.

2. Rufen

Sollte auch dann keine Atmung zu spüren sein, sollte man andere Menschen um Hilfe bitten und auffordern, die 112 zu rufen, um sich selbst um den Bewusstlosen zu kümmern oder eben auch selbst die 112 wählen. Dabei ist wichtig, eine genaue Beschreibung der Situation zu geben und den Standort möglichst exakt mitzuteilen, unter Umständen auch Besonderheiten bei der Zufahrt, damit der Rettungsdienst nicht unnötig Zeit verschwindet. Bei der Hilfe bei einem plötzlichen Herztod kommt es auf jede Minute an.

3. Drücken

Entscheidend ist dann schließlich die Herzdruckmassage, mit der der Herzschlag und der Blutkreislauf in Gang gebracht bzw. gehalten werden sollte. Wichtig ist, dass der Betroffene auf einer festen Unterlagen liegt, damit das Drücken seine Wirkung entfalten kann, außerdem sollte der Oberkörper frei gelegt werden. Dann sollte man keine Zeit mit dem Errechnen oder Ausmessen eines Druckpunktes verlieren, sondern in der Mitte der Brust drücken – mit übereinandergelegten Händen und gestreckten Armen, ohne Unterbrechung mindestens 100-mal in der Minute und 4,5 cm tief. Das ist anstrengend, aber was ist das bisschen Anstrengung im Vergleich dazu, dass man damit unter Umständen ein Leben rettet.

Laienreanimation kann jeder

Das ist jetzt natürlich nur grob zusammengefasst, was Jens Schilling vorgetragen hat. Aber er ist immer wieder in Hagen unterwegs und schult Mitglieder von Sportverbänden und Mitarbeiter in Unternehmen und jeden, der Interesse hat. Auf der Internetseite www.laienreanimationkannjeder.de finden sich die nächsten Termine, man erfährt sie aber auch über diese Facebookseite und kann Jens Schilling kontaktieren, um zu erfahren, wo es eine Möglichkeit gibt, sich über das wichtige Thema zu informieren. © Birgit Ebbert