(31.10.2015) Lernen ist dann besonders erfolgreich, wenn das Interesse von innen heraus kommt und wenn die Entdeckung neuer Kenntnisse Spaß macht. Das sage und schreibe ich, seit ich mich mit Lernen beschäftige – aus Überzeugung und aus eigener Erfahrung. In dieser Woche habe ich gleich zwei Beispiele erlebt, wo dieses Grundprinzip ermöglicht wird – die Leonardo da Vinci-Ausstellung in Bochum und die Lernwerkstatt „Fliegen lernen“ in Hagen.

Am 30. Oktober durfte ich dabei sein, als die Lernwerkstatt in der Grundschule Im Kley in Hohenlimburg eröffnet wurde. Eine tolle Veranstaltung, die deutlich gemacht hat, dass bei diesem Projekt die Kinder im Mittelpunkt stehen. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache von Schulleiterin Anja Krüselmann (Foto links) bekamen die Schüler das Wort. Sie befragten die Ehrengäste nach ihrem Bezug zur Lernwerkstatt und zu den Naturwissenschaften und erhielten statt sonst üblicher Grußworte spannende Antworten von NRW-Staatsekretär für Innovation, Wissenschaft und Forschung Dr. Thomas Grünewald, Oberbürgermeister Erik O. Schulz, MdB René Röspel, Dr. Matthew Ganz, President Boeing Germany and Northern Europe und Ariane Rademacher als Vertreterin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Alle gingen sowohl in der Fragerunde als auch bei den Experimenten in der Lernwerkstatt wunderbar auf die Kinder ein, die wiederum selbstbewusst und kompetent die Möglichkeiten der Lernwerkstatt aufzeigten.

Ariane Rademacher, Dr. Matthew Ganz, René Röspel

Pfiffige Hagener ahnen jetzt schon, weshalb diese Lernwerkstatt „Fliegen lernen“ ausgerechnet in Hohenlimburg eröffnet wurde und überhaupt in Hagen, wo die anderen Lernwerkstätten eher in Städten wie Berlin und Frankfurt angesiedelt sind. Na?

Die Firma Boeing bzw. ihr Gründer haben  Hagener Wurzeln. Die Eltern des Firmengründers sind vor fast 150 Jahren in die USA ausgewandert – von Hohenlimburg aus, wo das Geburtshaus des Vaters noch heute steht. Wilhelm Böing hat in den USA ein Unternehmen im Holzhandel gegründet und seinen Sohn William Edward (Bill Boeing) immer unterstützt, als er vom Fliegen schwärmte.

Uta Lang, Anja Krüselmann, Erik O. Schulz

1915 begann Bill Boeing damit, sein erstes Flugzeug zu bauen, für das Unternehmen ist dies der Anlass, ein Jubiläumsjahr auszurufen, das bis zum 100. Jubiläum der Company 2016 reicht. Ein besonderer Geburtstag ist immer auch Anlass, auf die Geschichte zurückzublicken, so entstand die Idee, sich dort, wo die deutschen Wurzeln des Firmengründers liegen, zu engagieren. Da Boeing schon seit 2006 das Projekt Lernwerkstatt „Fliegen Lernen“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung unterstützt, lag es nahe, auch Hohenlimburger Kindern mit einer Lernwerkstatt die Möglichkeit zu verschaffen, die Welt im zu begreifen.

René Röspel beim Experimentieren

Ziel der Lernwerkstatt „Fliegen lernen“ ist, Kindern einen Raum im wahrsten Sinne des Wortes zu geben, in dem sie Antworten auf ihre Fragen selbst entdecken und neue Fragen entwickeln können. Dazu bedarf es neben eines entsprechend eingerichteten Raumes vor allem Menschen, die sich begeistern und von den Fragen der Kinder mitreißen lassen. Deshalb beschränkt sich die Förderung nicht auf die Anschaffung von Materialien, es gibt ein Coaching während der Konzeptionsphase und Fortbildungen, denn nicht jeder Lehrer und jede Lehrerin ist naturwissenschaftlich bewandert.

Erik O. Schulz, Dr. Matthew Ganz

Aber nun kann es losgehen mit dem Entdecken und Experimentieren in der Grundschule Im Kley. Ich bin gespannt, was die Schüler dort erleben und ob es zehn oder zwanzig Jahren Kinder gibt, die sich erinnern, dass sie in der Lernwerkstatt ihr Interesse für Naturwissenschaft entdeckt haben. Ich habe schon angekündigt, dass ich noch einmal wiederkomme, weil ich die Kinder um diese Form des Lernens beneide. Hätte es bei uns in der Schule eine solche Lernwerkstatt gegeben, wäre ich heute vielleicht Erfinderin, auf jeden Fall wären meine Noten in den Naturwissenschaften auf dem Gymnasium besser gewesen 🙂 © Birgit Ebbert