(05.06.2014) Gestern erhielt ich eine E-Mail, die mich auf besondere Weise an meine Lesung in Münster erinnert hat. Die Lesung aus „Brandbücher“ dort war eine von den Lesungen rund um den 10. Mai. Einer der Gründe, warum ich Schriftstellerin werden wollte, waren die Lesungen – ich lese für mein Leben gerne vor und am liebsten aus eigenen Büchern. Dieser Moment, wo zig Menschen schweigen und man eine Stecknadel fallen hören kann, bloß weil man aus seinem Buch vorliest – ein Traum! Dass alle  Veranstalter sich schon haben vormerken lassen für eine Lesung aus meinem nächsten Roman, sehe ich als Zeichen dafür, dass die Lesungen nicht nur mir, sondern auch den Veranstaltern und den Besuchern Spaß gemacht haben.

Bedeutsam war für mich die Lesung am 13. Mai in Münster – dem Schauplatz der Bücherverbrennung, die ich in dem Roman beschreibe. Da war ich doch ein nervös, obwohl ich intensiv recherchiert habe. Gerade im letzten Jahr gab es so viele neue Enthüllungen über Bücherverbrennungen, dass ich nicht sicher war, ob ich eine Entwicklung in Münster übersehen hatte. Und als ich vorlas, wo der Schandpfahl angebracht worden war, zuckte ich innerlich sogar kurz zusammen, ob ich mich da mit dem Ort vertan hatte.

Nach der Lesung musste ich noch einen Bären begrüßen, der seit Tagen darauf wartete, dass er abgeholt wurde.

Aber – fast – alles war gut bei der Lesung in der Buchhandlung Lesezeit, von der die Fotos stammen. Lediglich eine Besucherin wies mich darauf hin, dass das Adjektiv zu Münster „Münstersch“ heißt und nur die Menschen in Münster „Münsteraner“ sind, folglich meine Formulierung „Münsteraner Arztfamilie“ falsch ist. Damit kann ich leben, das ist bisher niemandem aufgefallen und einige kleine Tests bei Münsteranern haben gezeigt, dass das vor allem eingefleischte Münsteraner wissen. Aber dennoch gebe ich es an den Verlag weiter, damit es in einer nächsten Auflage korrigiert werden kann und habe bei der nächsten Lesung „Münstersche Arztfamilie“ gelesen. Nicht weiter gebe ich allerdings einen wissentlich eingebauten Grammatikfehler. Das war wirklich lustig. Während ich aus dem Drohbrief „… wegen dem Haus“ vorlas, flüsterte ein Besucher in der ersten Reihe: „wegen des Hauses“. Ich weiß natürlich, dass es korrekt „des Hauses“ heißen muss und der Lektor weiß es auch. In der abschließenden Fragerunde habe ich dezent darauf hingewiesen. Ganz ehrlich, in dem Kontext passt ein korrekter Genitiv einfach nicht, oder?

Aber das waren nur winzige Wermutstropfen in der ansonsten wunderbaren Lesung, die für mich dadurch gekrönt wurde, dass eine der Besucherinnen sich als Historikerin outete und erklärte, sie hätte das Buch verschlungen und wäre begeistert von der Mischung aus Spannung und historische Authentizität und fände, das Buch sei der beste Roman, den sie als Historikerin (!) über die Zeit gelesen hätte. Am liebsten hätte ich das auf Band aufgenommen, um mir das immer dann vorzuspielen, wenn jemand eine 1-Sterne-Rezension bei Amazon schreibt.

Auch, dass sich eine Geschichtslehrerin meine Karte geben ließ, um mich zu einer Lesung einzuladen, hat mich motiviert auf meinem Schreibweg zu bleiben, obwohl ich sehe, wie Kolleginnen mit unterhaltsamen Frauenromanen und Chicklit auf der Überholspur unterwegs sind. Vielleicht kommt ja doch wieder eine Zeit, in der Romane mit Info-Tüpfelchen gefragt sind – auch für Kinder und Jugendliche. Solche Geschichten schreibe ich nun einmal am liebsten, weil ich sie am liebsten lese – von anderen Autoren und bei Lesungen.

Und damit ich im Herbst noch öfter dieses herrliche Gefühl haben kann wie in den letzten Tagen, habe ich schon einmal die Termine, die für Lesungen im Herbst in Frage kommen herausgesucht. In diesem Beitrag nach der Buchpremiere habe ich beschrieben, wie die Lesung zu „Brandbücher“ im optimalen Fall abläuft – für ein großes Publikum und im passenden Ambiente. Ich passe die Präsentation jeweils auf die Leseumgebung an, das einzige, was immer bleibt, sind die zwei Leseplätze, damit die Zuhörer die Zeitstränge schnell unterscheiden können. Falls also jemand eine Lesung organisieren möchte, freue ich mich über eine E-Mail an autorin@birgit-ebbert.de. Diese Termine habe ich jetzt freigehalten, alle weiteren Termine auch für 2015, auch für den Krimi, der im Frühjahr 2015 erscheinen wird, auf Anfrage:

9., 11., 19. und 30. September
28. Oktober
4., 11., 13., 20., 25. und 27. November

Fast hätte ich es vergessen: Eine der Münsteranerinnen ist nach der Lesung extra nach Hause gelaufen, um mir die Dokumentation zu der Ausstellung „Between war and peace Denk’mal in Münster“ von Jan Große Nobis zu holen, die ich leider verpasst habe und in der auch die Gedenktafel für die Münstersche Bücherverbrennung abgebildet war. Damit werde ich mich in einem Blogbeitrag extra beschäftigen, auch wenn die Austellung bereits abgeschlossen ist, die Idee des Künstlers finde ich nachahmenswert. © Birgit Ebbert