Liebesschlösser in Hagen-City

(07.02.2014) Blau oder pink, gelb oder lila, grün oder gar vergoldet – geht man heute über eine Brücke, findet man sicher irgendwo eines dieser modernen Liebesschlösser. Während in meiner Jugend noch Herzen in Bänke und Bäume geritzt wurden, gibt man heute einfach eine Bestellung bei den einschlägigen Shops wie Liebesschloss.de, www.das-liebesschloss.de , oder www.liebes-schloesser-shop.de auf. Für zehn Euro oder mehr trudelt wenige Tage später das kleine Vorhängeschloss in der Lieblingsfarbe mit der individuellen Gravur ein und kann an der nächsten Brücke befestigt werden.

In Hagen findet man an den Volme-Gittern überall Liebesschlösser, ich sehe sie so oft, dass sie mir nicht mehr auffallen. Als ich kürzlich über die Brücke am Hengstey-See ging, fiel mir auf, dass es  Schlösser in unterschiedlichen Farben und mit professioneller Gravur gab, manche waren sogar mit einem Schmuckmotiv versehen. Das hat mich neugierig gemacht. Verblüfft sah ich im Internet, dass es mehrere Shops gibt, die solche Schlösser anbieten. Unter www.liebesschloss.info habe ich sogar einen Blog habe ich gefunden, in dem man besondere Liebesschlösser und manche Geschichte hinter einem Liebesschloss nachlesen kann. Selbst auf die Bühne haben die Liebesschlösser es inzwischen geschafft – seit November 2013 steht im Kölner „Theater der Keller“ die Revue „Liebesschlösser“ auf dem Spielplan.

Keiner weiß, woher dieser Brauch kommt. Meist wird er italienischen Soldaten zugeschrieben, sie hätten, so heißt es, am Ende ihrer Ausbildungs- oder Dienstzeit das Schloss ihres Spindes an ein Geländer geschlossen und den Schlüssel weggeworfen. Auch die Schlüssel der Liebesschlösser verschwinden für immer in dem Gewässer, nachdem das Schloss angebracht wurde. Bekannt wurde diese symbolische Handlung, als sie 2006 in dem Roman „Ich steh auf Dich“ von „Federico Moccia Einzug hielt. An der Hohenzollernbrücke in Köln tauchten die ersten Schlösser 2008 auf. Inzwischen gibt es kam noch Geländer ohne Schlösser.

Da wurde noch selbst ein Herz geritzt.

In Köln hat jemand die Liebesschlösser gezählt: 40.000 hängen danach an der Hohenzollernbrücke. Wie viele es in Paris, der Stadt der Liebe sind, ist nicht bekannt. An der Brücke, die zum Louvre führt, sind es jedoch so viele, dass sich die Verantwortlichen Sorgen über das Gewicht machen. Ein einzelnes Schloss wiegt zwar nur 250 Gramm, aber 10.000 schon 2,5 t, das sind etwa zwei Kleinwagen. Da kann manche Brücke schon ins Wanken geraten. In Rom ist 2007 eine Laterne unter der Last der Schlösser umgeknickt. Kein Wunder, dass einige Städte das Anbringen von Liebesschlössern inzwischen verboten und mit einem Bußgeld belegt haben. In Berlin droht zum Beispiel ein Verwarnungsgeld von 35 Euro, in Venedig kann es allerdings schon 3.000 Euro kosten, ein Liebesschloss an der Rialto-Brücke anzubringen. Das wird eine teure Reise.

So sieht das aus, wenn die Liebe vergangen ist.

Und was, wenn die Liebe zerbricht? Dann mag es tröstlich sein, wenn das Schloss in Paris oder Venedig hängt, wo kein Bekannter vorbeikommt. Aber was, wenn es an der Brücke nebenan hängt und Freunde einen mit Häme darauf hinweisen? Der Schlüssel liegt ja im Fluss oder ist im Bauch eines Fisches durch die Meere gewandert. Da bleibt nur aufsägen oder professionalle knacken lassen (eine Künstlerin hat unter dem Titel „Lovepicking“ einige Schlösser in einem Projekt geknackt und aneinder gefügt) oder – wie ich es an der Hengstey-Brücke entdeckt habe – die Namen unkenntlich machen. Dazu muss man dann aber doch wieder ritzen – wie früher, als es noch keine Liebesschlösser gab und man mit Taschenmesser oder Haustürschlüssel, Nagelfeile oder Zirkel ein Herz mit zwei Namen oder Initialen ritzte, um die ewige Liebe zu dokumentieren. Die Zeiten ändern sich – nur ein bisschen.

Mein Link-Archiv zu dem Thema – man weiß ja nie, wann sich ein Liebesschloss in eine Geschichte schleicht:   Liebesschloss-Blog
Liebesschlösser in Paris
FAZ-Artikel über Liebesschlösser
Foto-Sammler von Liebesschlössern
Artikel über Liebesschlösser bei Wikipedia
Revue „Liebesschlösser“ im „Theater im Keller“

© Birgit Ebbert