(22.10.2019) „Lists of Note“ ist ein Buch, ein Buch mit 123 Listen, um genau zu sein. Geschrieben bzw. zusammengestellt hat es der britische Autor Shaun Usher. Bei der Recherche zu seinem ersten Buch „Letters of note“ sind ihm so viele Listen begegnet, dass daraus ein Buch wurde. Die deutschsprachige Ausgabe ist bereits 2015 erschienen, mir bisher aber nicht begegnet. Da bin ich mir sicher, denn ich liebe Listen und hätte es schon damals sofort gekauft. Jetzt ist es mir bei der Suche nach einer deutschen Übersetzung der Wunschliste von Robert Boyle in die Suchmaschine gelaufen 🙂 Das war an einem Sonntag, ehe ich nach Gotha fuhr, also habe ich erst Boyles Liste übersetzt, um den Blogbeitrag zu schreiben und nach meiner Ankunft in Gotha das Buch bestellt. Hätte ich nicht Besuch bekommen, hätte ich es sicher noch am gleichen Tag zu Ende gelesen, so bin ich eine Woche in den Genuss der Listen gekommen 🙂

Listen, die die Welt bedeuten

123 Listen enthält das Buch, die meisten stammen von bekannten Persönlichkeiten aus dem anglo-amerikanischen Raum, das ist mein einziger Kritikpunkt an dem tollen Buch. Ein Kritikpunkt, der mich aber auch wieder anregt, nach Listen aus deutschsprachigen Ländern Ausschau zu halten, wenn ich in Hagen bin, werde ich meine Bibliothek danach durchforsten 🙂 Von Erich Kästner gibt es eine Liste, das weiß ich, doch jetzt erst einmal zu den Listen in Ushers Buch. Ich kann und will nicht alle 123 aufzählen, das würde die Spannung nehmen, der Cowboy-Kodex ist ebenso nachzulesen wie Heinleins Prognosen aus dem Jahr 1949, die potenziellen Namen für die sieben Zwerge von Disney oder Die zehn Gebote für Hochstapler 🙂 Wer übrigens glaubt, Sketchnotes seien eine Erfindung unserer Zeit, wird hier eines Besseren belehrt, Woody Guthrie hat bereits 1941 seine „Regeln fürs neue Jahr“ mit kleinen Zeichnungen erklärt und auf „Michelangelos Einkaufsliste“ aus dem Jahr 1518 (!) war bereits die Schrift durch Icons ergänzt, ein Kreis für ein Brot, eine kleine Kanne für einen Viertel und eine große Kanne für einen ganzen Krug wein. Besonders interessant fand ich die Listen, die mit Sprache, Schreiben oder Geschichten zu tun hatten wie das „Wörterbuch eines Trinkers“, das Benjamin Franklin am 13. Januar 137 geschrieben hat und das von A wie abgefüllt bis bis Z wie zerbröselt Wörter enthält, mit denen man Trunkenheit beschrieben kann. Dass dieses Wörterbuch nicht als Faksimile abgedruckt wurde, ist übrigens die Ausnahme.

Viele Listen sind in Schrift und Sprache des Verfassers nachzulesen, leider dieses Wörterbuch nicht, dabei hätte mich interessiert, wie die regional anmutenden Begriffe wohl auf Englisch klingen 🙂 Raymond Chandler zum Beispiel sammelte Metaphern und Vergleiche, die er irgendwann in einen Text einbauen könnte, von Ernest Hemingway gibt es eine Liste der „Bücher, die Sie lesen sollten“, von denen ich immerhin schon „Anna Karenina“, „Krieg und Frieden“ und „Buddenbrooks“ abhaken kann 🙂 Die Liste entstand 1935, da war Edith Wharton früher, sie schrieb 1909 eine Liste ihrer Lieblingsbücher, die von Goethes Faust angeführt wird! Auch sie hält „Anna Karenina“ für lesenswert, da ist sie mit Hemingway einer Meinung wie auch bei „Rot und Schwarz“ bzw. „Le rouge et la noir“ von Stendal. Amüsiert habe ich mich über die Einführung zu der Liste der „Traummänner“ von Marilyn Monroe. Da würde mich sehr interessieren, ob der Autor oder die Übersetzer der Meinung waren, dass Marilyn nur „Schauspieler mit denen sie unter solchen Umständen ins Bett gehen würden“ aufschrieb. Aber vielleicht habe ich auch etwas verpasst und Elia Kazan, Ernest Hemingway, Arthur Miller und Albert Einstein haben sich als Darsteller verdingt 🙂 Ihr seht, das Spektrum der Listen ist sehr weit, es ist wirklich für jeden etwas dabei, über das er sich amüsieren oder nachdenken kann.

Wozu das Buch mit inspiriert hat

Eines habe ich schon verraten, ab sofort sammle ich Listen aus dem deutschsprachigen Raum, falls ihr also eine besondere Liste habt, schickt sie mir oder auch einen Link zu einem Blogbeitrag o. ä. Die kommen dann hierhin:

(Vorläufiger Platz für meine gesammelten Listen)

Wörter oder Redewendungen habe ich schon immer gesammelt, meine Notizbücher und meine Ideenkladde ist voll davon, aber in einer Wartezeit würde ich mir einen Bereich auswählen und ein ABC erstellen, kein „Wörterbuch eines Trinkers“, vielleicht das „Wörterbuch einer Papierfalterin“, eine Liste stammt von dem amerikanischen Künstler Richard Serra, der „Tätigkeiten, die in Beziehung zu mir stehen“ aufgelistet hat, da tauchte auch „falten“ auf, so kam ich auf die Idee 🙂

Am stärksten inspiriert hat mich aber „Harry S. Trumans Liebesliste“, in der er zum 38. Hochzeitstag aufschrieb, was in den 38 Ehejahren passiert ist. Das hat mich auf die Idee gebracht, für meine Lebensjahre von 1962 bis heute in einem Satz zu beschreiben, was das Jahr ausmacht. Eine interessante Reise in mein Leben, die mich gerade selbst überrascht. Das kann ich euch nur empfehlen wie die Lektüre des Buches. Viele amüsante und nachdenkliche Momente damit. Für mich steht das Buch ganz oben auf der Liste der Bücher, die ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde! © Birgit Ebbert