(10.07.2018) In diesen Sommerferien wartet ein ganz besonderes Projekt auf mich, das ich schon seit Jahren in meinem Kopf habe. Im Rahmen des Kulturrucksacks in der Stadtbücherei werde ich mit Kindern und Jugendliche kurze Texte entwickeln und diese werden mit einem Künstler von Kunst vor Ort so aufbereitet, dass sie im öffentlichen Raum angebracht werden können. Natürlich weiß ich schon, wo die Werke zu sehen sein werden, aber alles will ich noch nicht verraten 🙂 Soviel kann ich sagen, der Workshop findet vom 13. bis 17. August statt, Anmeldungen sind in der Stadtbücherei möglich, am besten den Flyer hier herunterladen und gleich anrufen.

Zwischen Wandtattoo und Mauergedicht

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum ersten Mal die Idee hatte, mich mit Literatur auf der Wand zu beschäftigen. Vermutlich vor Jahren, als ich die ersten schönen Streetart-Kunstwerke sah.

Als ich begann zum Thema „Literatur an der Wand“ zu rechercherieren, fand ich anfangs nur Postkarten und Plakate mit Sprüchen für die Zimmerwand. Ich musste schon sehr tief graben und mit Begriffen experimentieren, bis ich die Informationen bekam, die ich haben wollte. Natürlich häte es mir auch gefallen, wenn ich die erste mit dieser Idee gewesen wäre. Aber das war schon sehr unwahrscheinlich, irgendwo in den Tiefen des Netzes mussten Informationen sein. Von der „Literatur an der Wand“ habe ich mich über „Schrift im öffentlichen Raum“ und „Fassadenlyrik“ vorgearbeitet und plötzlich sprudelten die Projekte und Ergebnisse. Falls ihr also suchen möchtet, fangt gleich mit „Wandtattoo“ an oder „Mauergedichte“, „Poesie in der Stad“, wie die Literaturhäuser ihr Projekt nennen, oder schaut mal bei „Optische Poesie“. Literatur an der Wand ist übrigens kein neues Phänomen, darüber habe ich mich gewundert. Schon der französische Schriftsteller Nicolas Edme Restif de la Bretonne schrieb 1779 bis 1789 Texte an die Wand, indem er sie mit einem Schlüssel einritzte. In dem Buch „Mes Inscriptions“ hat er diese Texte gesammelt. Da war er auf jeden Fall weiter als Lord Byron, der nur seinen Namen an Gebäuden hinterließ, unter anderem 1816 im Schloss Chillon.

Literatur an der Wand

Als ich nach Vorbildern recherchierte, war ich überrascht, dass es gar nicht viele Texte und Textkünstler gibt, aber dafür einige Projekte und Einzelbeispiele, bei denen es Literatur auf die Fassade geschafft hat. Mein großes Vorbild ist natürlich die Stadt Leiden, wo an über 100 Häusern sogenannte „muurengedichte“ zu sehen sind. Ich stelle mir den Gang durch die Stadt vor wie ein Spaziergang durch eine Gedichtsammlung und will unbedingt noch dorthin. Ich hoffe, ich schaffe es vor dem Workshop und kann Fotos mitbringen 🙂 Ansonsten schaut unter www.gedichtenobmuren.nl – der Link führt direkt auf die Fotoseite, das würde mir in Hagen auch gefallen 🙂

Ein ähnliches Projekt gibt es in Sögel, im Rahmen der Kulturförderung wurde die Initiative „Mauergedichte“ gestartet, inzwischen gibt es mindestens sieben Gedichte in der Stadt verteilt – die Zahl würde ich gerne mit den Kids aus dem Workshop toppen und vielleicht finden wir danach ja Unterstützer, damit wir uns an die Zahl von Leiden heranmachen können 🙂 Vielleicht können wir uns ja in der Umsetzung auch an einem Projekt orientieren, das mehrere Literaturhäuser u. a. 2009 zur Frankfurter Buchmesse initiiert haben. Damals waren in mehreren Städten auf Großflächen-Plakaten und Citylight-Postern Gedichte aus China, dem damaligen Gastland der Buchmesse, zu sehen bzw. zu lesen, denn natürlich wurden sie zweisprachig plakatiert. In den Jahren zuvor gab es ähnliche Projekte, unter anderem 2007 mit Texten von Jugendlichen, die an einem Schreibwettbewerb teilgenommen hatten.

Eine pfiffige Idee, Literatur in den öffentlichen Raum zu bringen, findet sich auch in Klagenfurt, dort hat man 2010 „Bachmann-Liegestühle“ aufgestellt und Transparente mimt Textzitaten aufgehängt. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt – ich wäre dabei, falls jemand solche in Projekt realisieren möchte und überlege gerade, ob ich mir einen Liegestuhl mit einem meiner Subsets bedrucken lassen, um mich im Sommer auf den Friedrich-Ebert-Platz zu setzen 🙂 Vielleicht könnte ich sie auch auf Plakate drucken und wie in einem Projekt der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. 2011 auf Litfaßsäulen kleben. Ich bleibe dran, erst einmal freue ich mich jetzt auf den Workshop in der Stadtbücherei 🙂

Und hier noch ein paar Rechercheergebnisse:

Mauergedichte in Leiden

Projekt der Literaturhäuser

2003

2004

2005

2007

2009

Dainas in Riga

Zitat von Ringelnatz an einer Hausfassade in Wurzen

Projekt Mauergedichte in Sögel

Fassadenlyrik in Kassel

Erstes Mauergedicht in Sögel

Konzept Mauergedichte Sögel

Poetische Mauer der Niederländischen Botschaft in Berlin  – YouTube-Video von der Installation

Corporate Design Preis Stadt Wurzen

Fassadenkunst

Chinesische Lyrik im öffentlichen Raum

Klagenfurt ist Literatur … im öffentlichen Raum

Stop! Lyrik! Literatur im öffentlichen Raum