(16.08.2018) In diesem Jahr durfte ich wieder mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Projektes „KulturRucksack NRW“ in der Stadtbücherei Hagen aktiv werden. Wir haben zusammen kurze, poetische Texte entwickelt, die ab heute mit einer Künstlerin und einem Künstler von Kunst vor Ort auf Aludibond-Platten gesprayt und anschließend in Hagen aufgehängt werden. Mit dem Projekt ist ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, weil ich schon lange davon geträumt habe, dass im öffentlichen Raum nicht nur Bilder zu sehen, sondern auch Texte zu lesen sind. Einige Beispiele habe ich bei der Vorbereitung gefunden und in diesem Beitrag vorgestellt.

Tag- und Nachtträume

Zusammen mit der Stadtbücherei und den Künstlern, die mit den Kids die visuelle Umsetzung erarbeiten, hatten wir uns vorher auf das Thema „Traum“ im Sinne von Visionen oder Szenarien für die Zukunft geeinigt. Zum Einstieg habe ich die TeilnehmerInnen am Montag gebeten, in den Büchern der Stadtbücherei Erklärungen und Übersetzungen des Begriffs Traum zu finden. Die erste Reaktion eines Mädchens: „So etwas müssen wir in der Schule als Strafarbeit machen.“ 🙂 Aber dann war auch sie gefesselt von den verschiedenen Übersetzungen und Schreibweisen des Wortes Traum und es entstand fast ein kleiner Wettkampf, wer die ausgefallensten Übersetzungen findet. Diese Sammlung diente vor allem dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen und Wörter zu finden, die am Ende beim Schreiben des EINEN Satzes oder kurzen Textes für die Gestaltung als Input dienen können. Deshalb gab es eine zweite Aufgabe, um Wörter zu sammeln. Jede und jeder sollte Wörter aus Büchern abschreiben. Basis waren Geburtstag und Geburtsmonat. Der Geburtstag gab an, von welcher Seite das Wort genommen werden sollte und der Geburtsmonat die Zeile. Gewünscht war jeweils das erste Wort. Das Prinzip lässt sich übrigens auch gut einsetzen, um einen Input für einen längeren Text zu finden, dann ist eben die ganze Zeile relevant und nicht nur ein Wort. Auf diese Weise kam eine schöne Sammlung von Begriffen zusammen, aus denen die Kids Sätze über Träume und Wünsch entwickeln sollen. Daran ließ sich gut deutlich machen, wie der Aufbau eines interessanten Satzes für eine Wand sein sollte, nicht in Ich-Perspektive, nicht zu komplex und möglichst allgemein, aber doch konkret. Soviel kann ich verraten, aus diesen teilweise skurrilen Texten haben sich am Ende tolle Aphorismen ergeben, die ich aber noch nicht poste, um der Präsentation der Werke nicht vorwegzugreifen.

Konkrete Poesie als LitArt-Form

Als kleines Zwischenspiel und als gedankliche Vorbereitung auf die künstlerische Gestaltung von Texten habe ich am ersten Tag bereits Beispiele für konkrete Poesie gezeigt und die Kids angeregt, selbst vergleichbare Bilder zu gestalten. Dabei sind ganz schöne Ergebnisse zustande gekommen, die den Blogbeitrag illustrieren. Diese Methode habe ich erstmals in einem Schreibworkshop eingesetzt, aber entschieden, dass die künftig immer dabei ist, weil das eine gute Möglichkeit ist, die „Kurz- bzw. Schnellschreiber“ zu beschäftigen, während die „Lang- oder Langsamschreiber“ noch arbeiten. Und ich habe selbst auch Lust bekommen, Texte so zu gestalten, mal sehen, was mir dazu einfällt.

(Alp-)Traumgeschichten

Aber eine Schreibwerkstatt mit mir wäre keine Schreibwerkstatt, wenn nicht auch längere Texte geschrieben worden wären. In der ersten Geschichte sollte es um Träume gehen, Tagträume oder Nachtträume, das habe ich den jungen AutorInnen überlassen. Entsprechend gab es gruselige Alpträume und spannende Visionen, Vermischungen zwischen Realität und Traum, die sich allesamt schön lasen und anhörten, denn eine „Dichterlesung“ gehört natürlich dazu.

Am zweiten Tag lösten wir uns von den fiktiven und persönlichen Träumen aus Tag und Nacht und wandten uns den Träumen und Visionen für die Welt zu. Da entstanden kurze und lange Texte, in denen sich widerspiegelte, wie junge Menschen sich die Zukunft vorstellen und was sie sich wünschen. So sahen manche Autos in der Zukunft nur noch in den Händen von Rettungsdiensten, Polizei o. ä. Privatpersonen ist das Autofahren verboten, aber dafür gibt es Radwege, die den heutigen Straßen entsprechen. Atomkraftwerke wurden ebenso aufgegriffen wir erneuerbare Energien, Tier- und Umweltschutz, aber auch Gleichberechtigung, Gleichheit der Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Status. Für mich hat sich damit bestätigt, dass 10- bis 14-Jährige sich sehr wohl Gedanken über die Welt machen und genau beobachten, was passiert bzw. nicht passiert. Aus diesen Gedanken wurden am zweiten Tag Entwürfe für die Wand-Texte verfasst, die am dritten Tag noch einmal bearbeitet wurden, ehe in einer Runde aus TeilnehmerInnen, den Künstlern, einer Vertreterin der Stadtbücherei die Entscheidung für die Texte getroffen wurde. Nach einer Einführung in die Typographie gestern werden jetzt gerade Gestaltungsideen entwickelt und die Platten fürs Sprayen vorbereitet. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt 🙂

Literatur an der Wand

Inzwischen hängen die Ergebnisse der Kids aus dem Schreibtreff in Hagen in der großen Durchgangshalle auf dem Elbersgelände und sehen super aus, sehr beeindruckend. Die Fotos können nur einen kleinen Eindruck vermitteln:

 

Und hier sind noch ein paar der „konkrete Poesie“-Bilder, die ich so klasse finde, dass ich keines unterschlagen möchte.