(07.01.2015) Die Hagener Schmuckdesignerin Ariane Hartmann nennt die Kollektion, zu der mein Ring gehört, „Motto-Ring“. Und letztlich ist das, was ich „Literatur-Ring“ nenne, auch ein „Motto-Ring“ geworden. Der Satz „Geschichten spannen ein Netz über Menschen, Zeit und Ort“ ist schließlich so etwas wie eine Motto für mein Schreiben. Mich fasziniert, dass Geschichten dafür sorgen, dass Lebensereignisse bis in die Unendlichkeit aufbewahrt werden.

c-birgit-ebbert-c-UWens_Werkstattgalerie_01Doch hier soll es nicht um meine Geschichten, sondern um Arianes Ring gehen. Über 1.000 dieser Motto-Ringe, schätzt sie, hat sie bereits hergestellt. Ihre Idee ist, dass der Ring ein Motto für das Leben eines einzelnen oder auch eines Paares beinhaltet, das immer wiederholt wird und in immer tiefere Schichten der Gedanken und des Ringes vordringt, bis es unverrückbar ist und sich in doppeltem Sinne eingeprägt hat. Eine wunderbare Idee, die zeigt, dass auch hinter Schmuckdesign wie hinter Geschichten, Gedichten und Kunstwerken kreative und konzeptionelle Prozesse voraus, die im Verborgenen bleiben. Die Geheimnisse um die Entstehung meines Ringes allerdings habe ich ans Tageslicht gezerrt und der Entstehungsprozess fand unter der  Beobachtung von Ulrich Wens statt, der für seinen Blog www.moment-aufnahmen.info eine wunderbare Fotodokumentation erstellt hat.

c-UWens_Werkstattgalerie_02Die Idee für meinen eigenen Literatur-Ring hat sich in meinem Kopf festgesetzt, als ich im Frühjahr bei Facebook sah, dass Kerstin Würfel, die Frau unseres Oberbürgermeisters, einen Ring trug, in dem das Wahlkampf-Motto eingestempelt war. Schon klickerte es und ich malte mir aus, wie es wäre, einen eigenen Spruch in einem Ring bei sich zu tragen. Schnell war klar, dass ich einen solchen Ring unbedingt haben wollte. Weniger schnell fiel die Entscheidung für den Spruch, der darauf stehen sollte, weil er von mir sein und eine Art Programm formulieren sollte.

c-UWens_Werkstattgalerie_05Der nächste Teil des Projektes begann mit der Beratung und Auswahl: Da ich nur Silberschmuck trage, war die Materialfrage schnell geklärt, zumal mir immer klar war, dass ich einen eckigen Ring haben wollte. Lange diskutiert haben wir darüber, für welchen Finger der Ring sein soll. Ich weiß, es ist angesagt, einen Ring an einem anderen als dem Ringfinger zu tragen, aber ich habe immer ein Störgefühl, wenn ein Ring an anderer Stelle sitzt. Da meine Hände mein Werkzeug sind und ich da nicht ständig einen Störfaktor gebrauchen kann, wurde es dann doch ein Ring für den Ringfinger. Das war auch mein letzter Beitrag zu dem Ring. Ab da war Ariane Hartmann gefragt, die in mühseliger Kleinarbeit, für die ich nie die Geduld aufbringen würde, die Buchstaben in den Silberstreifen gestempelt, den Ring geformt und bearbeitet hat. So etwa muss man sich das vorstellen:

c-UWens_Werkstattgalerie_081. Vorbereiten der Materialien
Ehe es losgehen kann, werden die Buchstabenstempel samt Pünktchen für das „ü“ herausgesucht, der Silberstreifen wird von der Folie befreit und es wird wie früher im Poesiealbum eine Hilfslinie gezogen, damit die Buchstaben gerade auf dem Ring stehen.

c-UWens_Werkstattgalerie_142. Stempeln der Buchstaben
Nach der Textvorlage wird dann Buchstabe für Buchstabe in den Silberstreifen gestempelt. Wenn der Text einmal gestempelt ist, wird von neuem begonnen. Bei Meinem Ring passt das so genau, dass man den Spruch fast komplett in den zwei Zeilen lesen kann.

c-UWens_Werkstattgalerie_233. Walzen
Wenn alle Buchstaben gespempelt sind, wird der Silberstreifen gewalzt, um ihn wieder in Form zu bringen, weil sich das Silber beim Stempeln natürlich ausgedehnt hat. (Daher stammt übrigens der Name von Arianes Kollektion „Wort-Walzer“, mit Tanzen hat das nur zu tun, wenn der Ring beim Tango o. ä. getragen wird.)

c-UWens_Werkstattgalerie_254. Feilen & Schmiergeln der Kanten
Damit ich mich an dem Ring nicht schneide, werden nun die Ecken und Kanten rund und glatt gefeilt und geschmirgelt.

c-UWens_Werkstattgalerie_325. Erhitzen
Und dann geschah etwas Unglaubliches. Der Silberstreifen, der so schön aussah, wurde in eine Flamme gehalten, dessen Größe Ariane zu meiner Verwunderung beeinflusste, indem sie in einen Schlauch blies. Mit diesem Vorgang wurde das Silber entspannt, um es für den nächsten Schritt vorzubereiten

c-UWens_Werkstattgalerie_336. Wickeln
Jetzt entwickelte sich der Silberstreifen endlich zu einem Ring, in dem der Streifen um eine Form in der Wunschgröße gewickelt wurde.

c-UWens_Werkstattgalerie_387. Verlöten
Nachdem der Ring geformt war, wurden an den Stellen, die sich überlappten, winzige Lötkügelchen, Lotpaillen heißen die korrekt, angelegt, sodass ich mit dem Ring nicht hängenbleibe.

c-UWens_Werkstattgalerie_428. Reinigen & Polieren
Nach dem Löten wurde der Ring von seiner Oxidschicht befreit. Dazu wurde er in eine Beize getunkt und sah dann ganz weiß aus. Der gesiedete Ring wurde mit der Messingbürste gebürstet und die Feinsilberschicht wurde so verdichtet (Fachsprache, die kann ich nicht übersetzen) und wirkte wie poliert. Der Vorgang wurde so lange wiederholt, bis Ariane zufrieden war (ich hätte ihn auch vorher genommen) und ihn abgetrocknet hat.

Dann endlich konnte ich ihn anstecken und mag ihn seither nicht mehr ablegen. Menschen mit Buchstabensinn sprechen mich oft darauf an, sodass ich ganz nebenbei immer ein Smalltalk-Thema habe.

In Arianes Galerie habe ich bei der Vorbereitung einen Schmuck entdeckt, den ich unbedingt haben musste. Zum Glück brauchte meine Mutter noch ein Weihnachtsgeschenk, sodass ich nun neben dem Ring mit dem Spruch noch ein Armband mit einem eigenen Gedicht tragen kann. Dafür habe ich mir das Gedicht „Lebens Traum“ ausgesucht, das ich im letzten Jahr für die Lesung in der Kooperative K geschrieben habe. Ab sofort bin ich also jederzeit auf eine Spontanlesung vorbereitet. © Birgit Ebbert

 

Die Fotos in diesem Blog stammen bis auf das Armband von Ulrich Wens, www.moment-aufnahmen.info

Fotodokumentation über die Entstehung meines Ringes

Informationen über Ariane Hartmanns Werkstattgalerie für zeitgenössischen Schmuck & Design