(17.11.2013) „Schreiben Sie: eine Sternstunde für Albstadt“, sprach mich eine Zuhörerin im Foyer des Thalia-Theaters in Tailfingen nach dem Konzert der „Stadtkapelle Tailfingen“ an. Ob es eine Sternstunde für Albstadt war, weiß ich nicht, auf jeden Fall ein Highlight in meiner Zeit hier in Albstadt. Das zweite an diesem Tag. Damit habe ich nicht gerechnet, ich gebe es zu. Unter dem Konzert einer „Stadtkapelle“ hatte ich mir zunächst einmal Marschmusik vorgestellt. Was ich dann zu hören bekam, war fantastisch, um eine Bemerkung des Oberbürgermeisters aufzugreifen, der spontan auf die Bühne ging und sich im Namen des Publikums bedankte, das zudem lang, anhaltend und tosend applaudierte.

Musikdirektor Christian Wolf

Die Stadtkapelle Tailfingen ist bei weitem keine Blaskapelle, vielmehr ein sinfonisches Blasorchester, das unter der Leitung von Musikdirektor Christian Wolf ein Meisterstück ablieferte. Schon die Jugendkapelle brillierte mit drei Filmmusiken, die die Zuhörer in den Urwald (Tarzan Soundtrack von Phil Collins), in den wilden Westen (Dakota von Jacob de Haan) und in die Karibik (Pirates of the Caribbean von Klaus Badelt) versetzte. Danach reihte sich ein Höhepunkt an den nächsten. Nach Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ wurde es richtig literarisch.

Sprecher Philipp Fahrenbach

Das Orchester wurde quasi erweitert um einen Sprachsolisten, der sich mit seinen Texten sowohl bei „Hobbits“ (Sinfonie Nr. 1 „Der Herr der Ringe“ von Johan de Meij) als auch bei „Les Miserables“ (von Claude-Michel Schonberg und Alain Boublil) so harmonisch in die Musik einfügte, dass Rezitation und Musik eine organische Einheit bildeten. Selbst das in Berner Deutsch vorgetragene Gedicht „S’isch äbe-n-e Mönsch uf Ärde (Thomas Rüedi), das ich kaum abschreiben, geschweige sprechen kann, schaffte Sprecher Philipp Fahrenbruch scheinbar spielend. Den Namen werde ich mir in jedem Fall ebenso wie den des Musikdirektors merken. Ich bin sicher, von beidem wird man noch hören.

Ob die Albstädter noch einmal eine solche Sternstunde mit ihrem Orchester erleben werden, werde ich aus der Ferne beobachten und in jedem Fall diesen Abend wie auch den Vormittag in besonderer Erinnerung behalten.

Nebenbei habe ich übrigens noch eine kleine Lehrstunde in Orchesterkunde erhalten und erfahren, dass Amateur-Orchester in Schwierigkeitsstufen eingeteilt werden. Ach, das vergaß ich, die Tailfinger Stadtkapelle besteht nicht aus Profi-Musikern, sondern alle 50 Beteiligten musizieren ausschließlich in ihrer Freizeit, von der sicher nicht viel übrig bleibt für anderes. Das Tailfinger Orchester ist ein Höchststufen-Orchester, von denen es insgesamt drei Orchester in Albstadt gibt. Was – so habe ich mir sagen lassen – für eine Stadt in der Größe Albstadts einmalig ist.

Die Stadtkapelle Tailfingen hat im letzten Jahr ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert, da verstehe ich, dass sie sich nicht umbenennt. Obwohl ihr Name eine völlig falsche Erwartung weckt, aber vielleicht auch nur bei mir, weil mir bei Musik einer Stadtkapelle immer gleich ein Rosenmontagsumzug oder ein Schützenumzug einfällt. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen über das Orchester gibt es unter www.stadtkapelle-tailfingen.de