(28.12.2012) Das ultimative Buch (nicht nur) zum Jahreswechsel, so lautet mein Fazit nach der Lektüre des Buches „Lob der Faulheit“ von Thomas Hohensee. Ich habe selten ein Buch mit soviel Neugier bis zum Ende gelesen und lange nicht so viele Rufzeichen an den Rand geschrieben wie bei diesem Buch. Dabei ist es weder ein Roman noch ein Sachbuch, sondern eher ein Essay über das Leben und die Entwicklung unserer Gesellschaft.
„Aber da hat Faulheit ja nun gar nichts zu suchen“, höre ich schon die Stimmen all derer, die ihr Leben mit Arbeit und Pflichten zukleistern und sich am Lebensende wundern, was sie alles verpasst haben.

Thomas Hohensee wirbt dafür, das Leben bewusster anzugehen und nicht einfach alles zu tun, weil es immer so gemacht wurde und weil „man“ das halt macht. Sein Lobgesang auf die Faulheit ist kein Appell, nichts mehr zu tun und die anderen für sich schaffen zu lassen. Es ist der Aufruf, wieder mehr darüber nachzudenken, warum man etwas tut. Ob nicht vielfach nur der Irrglaube an Disziplin und blindwütigen Arbeitseifer der Grund ist, warum man Zeit mit überflüssigen Dingen vergeudet.
Der Autor ermuntert uns, weniger von äußeren Vorgaben und mehr von inneren Zielen aus zu denken. Dabei beschränkt er sich nicht auf jeden Einzelnen, sondern zeigt uns auch, dass genau jene „Un-Tugenden“ wie Disziplin und Arbeitswut, die beim Menschen zum Burnout führen, die Gesellschaft an den Rand eines ebensolchen Zusammenbruchs führen.
Mit vielen Beispielen erläutert Thomas Hohensee, wie ein Leben in „Faulheit“ aussehen könnte, wenn wir unser Leben bewusst leben, gelassen bleiben und uns nicht von der ziellosen Hektik anstecken lassen. Mit Spaß und Ziel kommt man genauso gut voran und genauso weit, nur führt das zu einem Leben, in dem alle zufrieden sind. Das Buch steckt so voller Ideen und Hinweise, dass sie gar nicht in eine Rezension passen. Da hilft nur, selbst zum Buch zu greifen und es zu lesen. Der Jahreswechsel ist die optimale Jahreszeit dafür. Am Ende des Buches finden die Leser nämlich praktische Kernelemente für ein Leben in „Faulheit“, die leicht umzusetzen und doch so effektiv sind. Da ich neugierig war, ob und wie der Autor seine Ideen umgesetzt hat, habe ich auch ihm drei Fragen zum Buch gestellt. Vielen Dank für die Antwort, Herr Hohensee.

1. Wie sind Sie auf die Idee für dieses Buch gekommen?
Ich habe früh die Erfahrung gemacht, dass man mit wenig Aufwand viel erreichen kann. Man braucht weder Disziplin noch Willenskraft. Viel wichtiger sind beispielsweise Motivation, Kreativität, Sinn und Freude.
Als in den letzten Jahren immer mehr Bücher erschienen, die Disziplin und Willenskraft lobten, widersprach das allem, was ich erlebt habe. Deshalb habe ich mich hingesetzt und die Gegenthese aufgeschrieben.

2. Wo sehen Sie die größten Chancen, dass sich die Gesellschaft Ihrer Vision entsprechend verändert?
Das kann überall passieren. Wir stecken mitten in einem Lernprozess. Die alte Leistungsideologie hat abgewirtschaftet. Was hat sie uns gebracht? Kriege, Umweltzerstörung, den Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften und dergleichen mehr. Eine verheerende Klimakatastrophe zeichnet sich ab. Disziplin und Willenskraft treiben die negative Entwicklung an. Freude und Lebenslust dagegen schließen destruktives Handeln aus.
Immer mehr Menschen erkennen das und suchen Wege aus der Dauerkrise, und zwar auf allen Gebieten: in der Wirtschaft, Politik, Pädagogik und Medizin. Das Bewusstsein wandelt sich. Langsam, aber es wandelt sich. Jeder Einzelne kann sich dem anschließen und mehr Gelassenheit und Lebensqualität für sich finden.

3. Wie haben Sie es geschafft, fauler zu werden?
Ich hatte im Studium ein Schlüsselerlebnis. Ich strengte mich enorm an und erreichte doch wenig. Deshalb begann ich, mich zu fragen, worauf es eigentlich ankommt. Als ich das wusste, habe ich mich nur noch darauf konzentriert – und es geschah ein Wunder. Ich bekam sehr gute Noten und hatte gleichzeitig viel mehr Freizeit, im Gegensatz zu den meisten anderen.
Dieses Prinzip habe ich alle Bereiche meines Lebens übertragen. Schließlich habe ich sogar einen neuen Beruf daraus gemacht. Seit zehn Jahren schreibe ich Bücher und biete Coaching an. Jeder kann bei mir lernen, dasselbe zu tun, nämlich auf gelassenere Art alles zu erreichen, was wichtig ist, und den ganzen übrigen Kram, der nur Zeit, Kraft und Nerven kostet, einfach zu lassen.

 

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