(22.10.2015) Was wären Tarik (auf dem Foto links), Celina, Antonia und Finn, die „Die Bloggerbande“ bilden, deren Geschichten ab heute bei Aldi-Süd erhältlich sind, ohne die Illustratorin Lorna Egan, die aus meinen Beschreibungen lebendig wirkende Kinder geschaffen hat. Auf der Buchmesse waren sie in Lebensgröße als Pappfiguren zu sehen, ich habe leider nur gerade einen Blick auf Tarik erhaschen können, aber ich hoffe, dass ich bei meinem nächsten Besuch im Verlag auch ein Foto mit ihnen bekomme 🙂 Ich kann ja nun leider überhaupt nicht zeichnen, allenfalls im Kopf, aber weder auf Papier noch auf Leinwand, Tafel oder sonstwie. Deshalb habe ich Lorna Egan eine lange Fragen-Liste geschickt, die sie geduldig beantwortet hat. Vielen Dank, Lorna.

Was sollte man über dich wissen? Wo lebst du? Wie bist du aufgewachsen? Was machst du, wenn du nicht zeichnest?
Ich lebe und arbeite in Köln, hab in Düsseldorf studiert, bin in Mannheim aufgewachsen und in Irland geboren. Dort hab ich gelebt bis ich 6 Jahre alt war. Was man sonst über mich wissen sollte: Mein zweiter Vorname lautet Erna, in der Grundschule hab ich mal den 3. Platz beim Lesewettbewerb gemacht und als 11-Jährige bin ich mal in einen Sumpf gefallen. Das Zeichnen ist leider mein einziges Talent; ich mache aber regelmäßig Yoga, frische einmal im Jahr mein mageres Griechisch auf und lese morgens zum Kaffee gern die hochinteressanten Blogposts des Ökonomen Heiner Flassbeck.

Wie bist du zum Zeichnen gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder konntest du schon immer zeichnen?
Ich habe immer schon, quasi seit ich einen Stift halten kann, gern gezeichnet. Später mit Vorliebe im Matheunterricht, weil ich den so langweilig fand. Ich würde sogar behaupten, dass der Matheunterricht für meine Zeichner-Skills wichtiger war als der Kunstunterricht.

Was war auf der ersten Zeichnung, die veröffentlicht wurde?
Eine Tiefseeölbohrinsel!

Wie kamst du dazu, als freischaffende Illustratorin zu arbeiten? Gibt es überhaupt nicht freischaffende Illustratorinnen?
Illustratoren im Angestelltenverhältnis sind in der Tat sehr selten. Ich kenne eine Hand voll, die im Trickfilmbereich fest angestellt sind. Wer sich für den Beruf des Illustratoren entscheidet, kommt aber in der Regel um die Selbstständigkeit nicht herum.

Auf deiner Seite sind ja einige Kinderbücher, aber ich bin auch entzückt von den Ergebnissen des Literaturmarathons und den Stadteindrücken im SkizzenBlog. Hast du einen Schwerpunkt, was du am liebsten zeichnest?
Vielen Dank für die Blumen! Ich zeichne generell lieber Organisches als Technisches. Menschen, Character, Gesichter, Gestik, Mimik ist das Spannendste für mich.

Nun aber zur Bloggerbande, für die du ja den von mir ausgedachten Figuren Gesicht, Körper und Seele gegeben hast. Wie gehst du bei einem solchen Projekt vor? Was brauchst du, um Figuren zu entwickeln und auf welche Weise nimmst du noch selbst Einfluss auf den Charakter der Figuren?
Bei manchen Jobs sind die Vorgaben so offen, dass ich selbst überlegen muss, was für äußerliche Merkmale eine Figur haben soll, was zu ihr passt, und was sie für Kleidung tragen sollte. Das mache ich auch gern.
Bei der Bloggerbande war der Rahmen in vielen Punkten schon abgesteckt. Zum Beispiel waren Statur, Haarfarbe, Frisur und Kleidung weitgehend vorgegeben. Innerhalb dieses Rahmens kann man aber auch noch viel ausprobieren: spitzes oder rundes Kinn, große Augen, schmale Augen, etc. Bei der Bloggerbande war mir wichtig, dass sie alle sehr unterschiedlich sind und jeder charakteristische Merkmale hat, die ihn vom anderen unterscheiden. Celina hat ein helleres Blond als Finn und ein runderes Gesicht als Antonia. Tarik hat einen kräftigeren Hals als die anderen und markante Augenbrauen. Antonia hat kleine Lidstriche und Finn hat Sommersprossen.
Ich habe bei Vorgaben hier und da auch Einspruch erhoben: So war bei Celina mal eine Zahnspange angedacht. (Anmerkung von mir: Nicht meine Idee!) An sich eine gute Idee für eine weiteres unterscheidendes Merkmal. In dem verwendeten Zeichenstil ist das aber leider sehr schwer zeichnerisch darstellbar und kann schnell so aussehen, als hätte ich Celina schlecht gepflegte Zähne gezeichnet.

Die Bloggerbande gibt es für die Cover als Zeichnungen und im Innenteil als Cartoons? Bedenkst du so etwas schon vom ersten Denkstrich an oder kommt das erst später?
Das war tatsächlich von Anfang an vom Lektorat des Lingen Verlags so vorgegeben. Die Character-Entwicklung in der figürlichen Darstellung stand zwar zuerst im Vordergrund. Ich habe aber gleich die ersten Comic-Entwürfe dazugescribbelt, weil ich selbst so gespannt war, wie die Figuren in ihrer stilisierten Variante aussehen könnten.
Die Entscheidung, die Comic-Illustrationen unter dem Pseudonym „Marla Maloney“ (nach meiner Großmutter) zu veröffentlichen, fiel aber erst im Laufe des Projekts. Ich wollte die beiden sehr unterschiedlichen Stile nicht unter einen Namen zusammenführen.

Welche der vier Figuren der Bloggerbande magst du am liebsten? Und warum?
Antonia. Vermutlich weil sie mir am ähnlichsten ist. Nicht nur äußerlich – sie zeichnet auch gern.

Welche Stelle in den ersten vier Geschichten hat dir am besten gefallen?
Ich fand die Szene im Comic-Steampunk-Garten in Band 4 am besten. Das war so schräg und spektakulär und skurril. Außerdem finde ich es immer witzig, wenn Tarik seinen Charme spielen lässt oder wenn Finn einfach so rotzfrech durch den Friseursalon skatet. Da sind die Charaktere in ihrem Element und das gefällt mir.

Gibt es eigentlich auch Szenen – ob in der Bloggerbande oder anderswo, die du nicht zeichnen kannst oder magst?
Manchmal habe ich gestalterische Einwände. Wenn ich merke, dass eine Szene so beschrieben ist, wie sie räumlich schlicht nicht darstellbar ist. Zum Beispiel eine detaillierte Szene im Hintergrund, die man aber von dem Punkt aus an dem der Betrachter steht, gar nicht sehen könnte. Oder wenn die Vorgaben darauf hinauslaufen, dass man den Wald vor Bäumen nicht mehr sehen kann und die Protagonisten mit ihrer Handlung unterzugehen drohen. Solche Sachen. Die gab es aber so nicht bei der Bloggerbande.

Wenn du an deine Kindheit denkst, als du so alt warst wie die Bloggerbande, was war damals anders? Und was hast du Lustiges erlebt, das die Kinder im Buch ruhig auch mitmachen sollten?
Ui! Da war vieles anders. Anfang der 90er gab es kaum Leute, die überhaupt schon mal mit einem Handy in Kontakt gekommen waren, oder wie jenes Gerät hieß, das damals am ehesten einem Handy entsprach. Auch „das Internet“ war mir und vielen anderen noch kein Begriff, geschweige denn der des Blogs. Das Äquivalent zum Blog war wohl am ehesten ein kleines Büchlein mit einem kleinen Schlösslein und einem winzigen Schlüsselchen dran, in das man (fast) täglich hineinschrieb. Alles darin war aber top secret und nie und nimmer für die Öffentlichkeit bestimmt. Also wohl doch kein Äquivalent.
Etwas Lustiges, das ich mal im Internet erlebt habe, war ein Gewinnspiel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die unter dem Motto „Don’t Drink and Drive“ einen Reisegutschein im Wert von 2000 DM verloste. Man musste ein Gedicht einschicken. Ich dichtete kurz und knapp: „Einer geht noch, einer geht noch rein. Und dann laufen, laufen wir halt heim“- und gewann! 🙂

Mehr über Lorna Egan gibt es – wie gesagt – unter www.lornaegan.de