(23.11.2013) Nachdem vor einer Woche mit der Tailfinger Stadtkapelle eines der drei Höchststufenorchester aus Albstadt die Literaturtage mit besonderen Literatur-Interpretationen beehrte, war heute das Städtische Orchester Albstadt dran, zu zeigen, was es drauf hat.

„Waren Sie beim Konzert in Tailfingen?“, wurde ich vor dem Beginn gefragt. „Wir machen uns echt Sorgen, weil das nicht zu toppen ist.“ Muss es doch auch gar nicht, wichtig ist doch, dass wir einen schönen Abend haben, dachte ich und wunderte mich ein wenig über das verschmitzte Lächeln meines Gesprächspartners. Hätte ich das Programmheft der Literaturtage und des Abends ordentlich studiert, hätte ich mir das Lächeln erklären können. Hatte ich aber nicht. Sonst hätte ich gewusst, dass mich die Uraufführung einer Umsetzung des Hauffschen Märchens „Das kalte Herz“ erwartete. Mal ehrlich, wer kann schon fix mal zu den Literaturtagen mit einer Uraufführung aufwarten. Wirklich schön zu sehen, dass jedes der Orchester es auf seine Weise geschafft hat, Literatur und Musik zu vereinen – ganz unterschiedlich, aber eben deshalb auch immer wieder einzigartig.

Nun habe ich wieder vorgegriffen. Ehe wir in den besonderen Genuss der Uraufführung gelangten, gab es doch für die „Minis“ eine Premiere. Sie spielten zum ersten Mal vor einem Publikum und das, obwohl sie erst im April begonnen haben, als Ensemble zu spielen. Das wussten viele, glaube ich, gar nicht und haben es auch nicht gemerkt. Die jungen Musiker haben es geschafft, ihre drei Stücke plus Zugabe schön zu spielen. Ich hätte das nach einem halben Jahr nicht geschafft, schon gar nicht die versetzten Einsätze. Super!

Danach ging es märchenhaft weiter. Zunächst wurde die Geschichte vom „Magnetberg“ aus 1001 Nacht in Auszügen vorgetragen, ehe das Orchester das gleichnamige Stück dazu darbrachte.

Zur Einstimmung vor der Uraufführung quasi. Diese begann mit einer Einführung in „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff und der Rezitation des Anfangs und des Schlusses durch Uwe Kohls, den Komponisten des Stückes. Gemeinsam mit dem Orchester machte er uns mit dem Glasmännlein und dem Holländer Michel, mit dem menschlichen Herz und dem kalten Herz und anderen Elementen seines Werkes bekannt. Ein ganz besonderer und besonders schöner Einstieg, der bei den Zuhörern für die richtigen Bilder zur anschließend vorgetragenen Komposition hervorrief. Uwe Kohls hatte das Werk zum 60sten Bestehen Baden-Württembergs komponiert, weil Hauff aus Baden-Württemberg stammt und das Märchen im Schwarzwald spielt. Es gelangte nie zur Aufführung, bis durch Netzwerk und Zufall der Kontakt zum Städtischen Orchester Albstadt entstand. Mal ganz ehrlich – was könnte ein besseres Umfeld für eine solche Uraufführung sein als Literaturtage. Da können Jubiläumsfeierlichkeiten nicht mithalten.

birgit-ebbert_albstadtorchesterIMG_0877Es blieb nicht bei diesem einen Märchen, nach der Pause erwarteten die Zuschauer Märchen von Andersen, Fußballmärchen, Alice im Wunderland … – Gut drei Stunden wurden wir auf hohem Niveau unterhalten und sowohl das Jugendorchester, das sich Alice im Wunderland und anderen modernen Märchen zuwandte, als auch das Blechtett konnten mit dem Qualitätsniveaus des großen Orchesters mithalten. Zwischendurch gab es – ganz im Sinne der Literaturtage – immer wieder Märchenrezitationen, sodass der Abend in jeder Hinsicht märchenhaft war.

Weitere Informationen über das Städtische Orchester Albstadts, das auf eine über 200-jährige Geschichte blicken kann, findet sich unter www.staedtisches-orchester-albstadt.de