(05.11.2013) Welch eine schöne Idee: eine Blogparade zum Thema Meer, initiiert vom JazzBlog. Da muss ich mitmachen, auch wenn ich mich gerade gedanklich auf die schwäbische Alb einstelle. Wenn ich je darüber nachdenke, ob es frühere Leben gibt, dann steht für mich fest, dass ich am oder im Meer gelebt habe. Sobald ich mich dem Meer nähere, ganz gleich, ob es Baltrum umspült, auf Rügen auf den Sand läuft oder in der italienischen Sonne glitzert. Kaum sehe ich das Wasser, fühle ich  mich zu Hause. Geerdet ist wohl nicht das richtige Wort, aber gewässert passt erst recht nicht. Dieser weite Blick, das mal leise, mal laute Tosen der Wellen – erholsam, entspannend, inspirierend. Vielleicht ist es genau das. Vielleicht ist das Meer vor dem unendlich scheinenden Horizont die Leinwand, auf der sich meine Ideen präsentieren können. Ich weiß es nicht.

 

Ich weiß nur, dass ich schon als Kind die Tage auf Borkum genossen habe, dass ich in meiner Stuttgarter Zeit oft Urlaub in Hooksiel gemacht habe, um das Meer wieder zu sehen und noch jetzt manchmal einfach die A 31 herauffahre, um am Meer meine Gedanken auszuschütteln und mein Gehirn durchpusten zu lassen.

  

(04.11.2013) Mein Geheimtipp, um Meer zu erleben, ist inzwischen Baltrum, mit einer Fläche von ca. 6,5 Quadratkilometer die kleinste ostfriesische Insel, die nicht umsonst Dornröscheninsel genannt wird. Wann immer ich dort bin, fühle ich mich, als lebte ich hinter einer Dornenhecke in einer heilen Welt, in der die Türen nicht abgeschlossen werden, keine Autos fahren, kaum Radfahrer klingeln, keine Skater an mir vorbeirasen. Stattdessen spazieren die Fasane über die Straßen und betrachten einen die Kaninchen, als wäre man eine seltsame, ausgestorbene Art. Und wohin man auch schaut: das Meer.

   

Beim letzten Mal habe ich es sogar geschafft, den Strand am Ende der Welt, sorry der Insel, zu besuchen. Ich war dort so allein, dass ich kurz fürchtete, die Welt wäre untergegangen, während ich an der Wasserlinie entlang wanderte. War sie nicht, dieser Teil der Insel ist lediglich so weit von den beiden Dörfern entfernt, dass sich nur wenige bis dort wagen. Zum Glück, so hatte ich das Erlebnis unendlicher Weite ganz für mich, mit blauem Himmel, weißem Strand und Meer. Ein Bild, das sich mir eingeprägt hat, sodass ich es beim nächsten Zahnarztbesuch wieder hervorholen kann. Ja, selbst im Zahnarztstuhl tut das Meer seine Wirkung. Wie weit es auch weg sein mag. Ich stelle mir einfach das Meer vor und schon spüre ich weder Spritze noch das Werkeln des Zahnarztes in meinem Mund. Er hält mich für besonders tapfer und ahnt nicht, dass ich gar nicht anwesend bin, sondern am Meer stehe, den Wind um die Nase wehen lasse, die Arme ausbreite und mich solange um mich selbst drehe, bis ich umfalle. Ich glaube, es wird Zeit, das Hotelzimmer für die nächste Meer-Reise zu buchen! © Birgit Ebbert