(26.02.2014) Vor gut einem Jahr ist mir Marlies Ferber zum ersten Mal begegnet, als sie den zweiten Krimi ihrer Reihe „Agent 0070“ im Theater an der Volme vorstellte. Ich erinnere mich daran, dass ich damals sehr beschwingt die Lesung verlassen habe. Das Buch hat mir gefallen, ich fand die Lesung mit Glückskeksen und Smirnoff klasse und war vor allem beeindruckt, dass ich eine Schriftstellerin kennengelernt hatte, deren Story aus dem Stapel der unaufgeforderten Manuskripte gezogen worden war. Etwas verblüfft hat mich seither, dass nur wenige Hagener das Buch kennen und wissen, dass „Agent 0070“ in Hagen, na gut, in Haspe zur Welt gekommen ist.

Ja, Marlies Ferber ist eine waschechte Hagenerin, auch wenn im Internet gelegentlich steht, dass sie in Wattenscheid geboren ist. In Hagen hat sie ihre ersten schriftstellerischen Versuche gemacht und mit elf Jahren auf der alten Schreibmaschine ihres Großvaters die ersten Geschichten geschrieben. Einen Hanni-und Nanni-Verschnitt mit Pferden. Willkommen im Klub, Marlies, ich habe mit elf Jahren die ersten Detektivgeschichten im Stil der „Fünf Freunde“ geschrieben.

Dass es bei Marlies Ferber Pferdegeschichten waren, hatte seinen Grund darin, dass sie sich für Pferde begeisterte – wie viele Mädchen in dem Alter, mich ausgenommen. Anders als die meisten Mädchen beschränkte sich ihre Begeisterung allerdings nicht darauf, Ponys zu bestaunen und Reitstunden zu nehmen. Durch sonntägliche Rennbahn-Besuche ihrer Familie in Köln bekam sie einen ganz besonderen Einblick in die Pferdewelt, sodass sie mit 14 den Berufswunsch wechselte: statt an den Schreibtisch wollte sie nun auf den Pferderücken und Rennjockey werden. Daraus wurde dann nichts. Warum eigentlich nicht?

Für uns Leser der 0070-Krimis ist das ein Glück, denn sonst wäre uns eine wunderbare Idee entgangen. Eine Idee, die übrigens beim Aufwachen plötzlich da war, besser gesagt, ein Titel, der die Geschichte vorgab: „0070 – Agent im Altenheim“. Eine typische Situation, in der Marlies Ferber Ideen anspringen: beim Aufwachen, in Gesprächen und wo immer sie unterwegs ist. „In der kreativen Phase bin ich permanent offen für Anregungen, schnappe Gedanken, Worte und Sätze auf, nehme bewusster Blicke, Bewegungen und Interaktionen wahr und stelle neue Verbindungen her“, erklärt sie das Phänomen, das viele Schriftsteller kennen. Bei den täglichen Spaziergängen mit ihrer Hündin sortieren sich die Ideen und oft finden sie anschließend direkt den Weg in die nächste Geschichte, wenn der Spaziergang morgens stattfand und die Schreibzeit bevorsteht.

Marlies Ferber arbeitet vor allem am Vormittag, da schreibt sie aber nicht nur ihre eigenen Bücher, sie übersetzt außerdem Bücher anderer Autoren aus dem Niederländischen und Englischen. Wer nun denkt, sie hätte die beiden Sprachen studiert, liegt nicht nur knapp, sondern richtig daneben. Studiert hat Marlies Ferber nämlich Sinologie, man könnte auch Chinawissenschaften sagen, es klingt genauso anstrengend. Wenn ich dann noch bedenke, dass sie zeitweise in den Niederlanden studiert hat und sich auch diese Sprache aneignen musste. Hut ab.

Apropos Hut. Trägt Agent 0070 eigentlich Hut? Vielleicht sollte ich mich in die Schauspielschar schmuggeln, die ab April das erste Abenteuer von „Agent 0070“ auf die Bühne bringt, um das herauszufinden. Im Theater an der Volme wird in diesem Sommer nämlich der erste Band von „Agent 0070“ mit Laienschauspielern einstudiert. Eine gute Gelegenheit für alle Hagenerinnen und Hagener, ihre Schauspielfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Soviel kann ich in Erinnerung an meine Buchpremiere im Theater an der Volme sagen: Es ist ein tolles Gefühl dort oben auf der Bühne zu stehen. Diese Chance und die Gelegenheit, an einem solchen Projekt teilzunehmen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Am 28. Mai wird Marlies Ferber wieder auf der Bühne im Theater an der Volme stehen oder sitzen, um ihr neues Buch vorzustellen. Nachdem es bei der Lesung aus Band 1 ein Bingo-Spiel gab und während der Lesung aus Band 2 Glückskekse verteilt wurden, bin ich nicht nur gespannt auf das Buch, sondern auch darauf, was Marlies Ferber sich als Überraschung für die Besucher ausgedacht hat. Sie hat mir in dem Interview viel verraten, aber das nicht. Dann lasse ich mich eben überraschen! © Birgit Ebbert

Marlies Ferber über Hagen
Hagen ist meine Heimatstadt, ich lebe sehr gern hier, wichtigster Grund für Heimatgefühl sind natürlich die Menschen, die auch hier leben. Außerdem: weil es so viel Grün gibt; weil die Innenstadt richtig schön geworden ist; weil es tausend Ecken mit schönen Erinnerungen gibt; weil es entspannt ist in Hagen, nicht snobby, sondern bodenständig und herzlich; weil Hagen kulturell viel zu bieten hat – das ja noch relativ junge Theater an der Volme ist bei allem Pessimismus, der sich da in letzter Zeit breit gemacht hat, ein toller Hoffnungsträger – und das Ruhrgebiet insgesamt eine Gegend mit vielfältigen Freizeitangeboten ist – und ich hoffe, dass das so bleibt. Die Hagener könnten sich ruhig eine Scheibe von den Kölnern abschneiden, was die Begeisterung für ihre Stadt angeht.

Marlies Ferber über die Theaterfassung von „Agent 0070 – Operation Eaglehurst“
Zu dem Projekt kam es durch meine erste Lesung im Theater an der Volme. Ich hatte vorher Indra Janorschke und Dario Weberg spontan gefragt, ob sie nicht Lust hätten, eine Szene aus „0070 – Agent an Bord“ vorzuspielen. Sie hatten nicht nur Lust dazu, sondern kamen sogar auf die Idee: Warum nicht gleich den ganzen „Null-Null-Siebzig“ auf unsere Bühne bringen? „0070 – Operation Eaglehurst“, der erste Band der Reihe, eignet sich besonders gut dazu. Mit Stefan Schröder, der ja für das Theater an der Volme schon viele erfolgreiche Stücke geschrieben hat, konnten sie einen hervorragenden Dramaturgen für die Theateradaption gewinnen. Er hat eine temporeiche, witzige und spannende Bühnenfassung geschrieben, die besonders an die Besonderheiten des Theaters an der Volme angepasst ist. Für das Projekt „0070 auf der Bühne“ bewerben kann sich jeder, der Spaß am Schauspielern hat und einmal hinter die Kulissen schauen möchte, auch ohne Vorerfahrung. Ende April ist Bewerbungsschluss für das offene Casting.

Weitere Informationen über das Theaterprojekt sind beim Theater an der Volme erhältlich.