(13.03.2015) Nun ist also wieder Freitag, der 13. Andrea Behnke hat mit einer wunderbaren Miniatur in ihrem Projekt 53 am Montag schon daran erinnert und ich habe die Erinnerung an einen Freitag, den 13., hervorgekramt, die wie ein Film in meinem Kopf abläuft, wann immer sehe, dass die 13 beim Freitag im Kalender steht.
Am Freitag, den 13. November 1987, fuhr ich von Bonn nach Stuttgart zu einem Vorstellungsgespräch bei der Aktion Jugendschutz. Im Sommer 1987 hatte ich mein Studium abgeschlossen und bis dahin hatte ich einige Bewerbungsgespräche gehabt, aber die Jobs gefielen mir alle nicht. Ich hatte sogar zwei Stellenangebote abgesagt, zum Entsetzen meiner Verwandtschaft.

Die Ausschreibung der Stelle als Fachreferentin für Medien klang genau so, wie ich mir meinen ersten Job vorgestellt hatte: Schreiben, Vorträge, Netzwerken, alles genau mein Ding. Entsprechend aufgeregt war ich und natürlich viel zu früh in Stuttgart. Um die Zeit zu überbrücken, ging ich in ein Restaurant, das sich dadurch auszeichnete, dass es Pommes und Frikadellen anbot, und dadurch auffiel, dass die Bedienung plötzlich in den Gastraum rief: „Ich hole mir eine Pizza, soll ich jemandem eine mitbringen.“ Wohlgemerkt: Pizza stand nicht auf der Speisekarte. Andere Länder, andere Sitten, dachte ich mir. Ich hätte vor Aufregung ohnehin keinen Bissen heruntergebracht.

Als es mir an der Zeit schien, die „Stäffele“ hinaufzusteigen, suchte ich noch einmal die sanitäre Abteilung auf, wie man so schön sagt. Keine wirklich gute Idee, wie ich wenige Minuten später feststellen musste, denn das Schloss klemmte und ich saß hinter der Herztür ohne Herz fest. Die Bedienung war ja unterwegs zum Pizza holen, sodass ich nicht mit Hilfe von dieser Seite rechnen konnte. Was blieb mir anderes übrig, als mit aller Gewalt an dem Schlüssel zu rütteln. Endlich löste er sich und ich konnte ich auf den Weg zum Vorstellungsgespräch machen.

Durch dieses Manöver war mein Zeitfenster deutlich kleiner geworden und ich hastete die zig Treppen zur Stafflenbergstraße hinauf (Für Ortskundige: an der Dobelstraße). Japsend, aber rechtzeitig traf ich in den Räumen der ajs ein. Später hat man mir erzählt, dass ich der Sekretärin dadurch aufgefallen war, dass mein Mantel nach Pommes roch! Gut, dass ich das nicht wusste. Das hätte meine Nervosität nicht gerade gelindert.

Nach ein paar Warteminuten wurde ich in den Sitzungsraum geleitet. Um den großen Tisch scharten sich sechs Herren, der Geschäftsführer und der Vorstand, und eine Dame, die Betriebsobfrau. Sie alle befragten mich eine halbe Stunde lang, u. a. wurde ich gefragt, welche Zeitungen ich lesen würde. Ich weiß noch genau, dass ich antwortete: „Die Tageszeitung des Ortes, in dem ich lebe, und die ZEIT.“ Wie ich mich auch noch genau erinnere, dass derjenige, der die Frage gestellt hatte, daraufhin – während schon die nächste Frage gestellt wurde – ein Exemplar der ZEIT aus seiner Tasche holte und sie auf den Tisch legte. Ob das ein Zeichen für mich war oder für die anderen, habe ich nie erfahren.

Auf dem Weg zur Straßenbahn habe ich zum ersten Mal von der Stafflenbergstraße in die Stadt hinuntergeschaut – ein toller Ausblick, vor allem im Herbst, wenn man auf die Lichter schaut. Aber ich stellte mir gleich vor, wie es dort im Winter sein würde. Auf einmal wollte ich den Job nicht mehr, war aber gleichzeitig sicher, dass ich ihn bekommen würde. Warum, weiß ich bis heute nicht genau. Aber meine innere Stimme sagte mir, dass ich ausgewählt würde.
So war es dann auch. Immerhin war ich dann 10 Jahre bei dem Arbeitgeber, zunächst als Fachreferentin für Medien, Gewalt und später Psychokulte und dann als Geschäftsführerin. Aus dem anfänglich wie ein Unglückstag wirkender Freitag wurde dann doch ein Glückstag. © Birgit Ebbert