(03.01.2019) Erwähnt habe ich es schon hier und da, aber so ganz realisiert habe ich es noch nicht: Ich bin Stadtschreiberin von Gotha 2019. Nachdem wir im Sommer 2018 das Lerncenter in Hagen geschlossen haben, dachte ich mir: Jetzt kannst du dich auch mal um ein Aufenthaltsstipendium für einen längeren Zeitraum bewerben. Ich erinnere mich gerne an die zwei Wochen als Albschreiberin in Albstadt vor gut fünf Jahren. So etwas konnte ich mir gut noch einmal vorstellen.

Bewerbung als Stadtschreiberin

Irgendwo im Thüringer Wald

Gesagt, getan, ich habe die ausgeschriebenen Stipendien durchgesehen und mich für das Kurd-Laßwitz-Stipendium in Gotha entschieden. Meine Wahl ist auf den Ort gefallen, weil ich gerne eine ganz neue Region kennen lernen und erleben möchte und weil schon in der Ausschreibung klar war, dass der Aufenthalt nicht an einen bestimmten Termin gebunden ist. Da ich für 2019 bereits einige Workshops, Lesungen und andere Projekte zugesagt habe, wäre ein fester Termin nur mit viel Wehmut zu realisieren. Dann habe ich ein Motivationsschreiben verfasst und sorgfältig ausgewählt, welche Leseprobe ich abschicke, am Ende fiel die Entscheidung für ein nicht veröffentlichtes Lieblingsprojekt, „Der Nachtwanderer“. Was soll ich sagen, ich schlenderte gerade über die Buchmesse, als ich per E-Mail die Nachricht bekam, dass ich ausgewählt worden war. Meine Freundin behauptet ja, ich hätte ihr so fest auf die Schulter geklopft vor Aufregung, dass sie tagelang nicht gerade laufen konnte. Ganz so war es nicht, aber ich habe mir doch von ihr die E-Mail vorlesen lassen 🙂 Man weiß ja in Zeiten von Spam und Phishing nie, womit man geleimt werden soll. Und nun ist 2019 gekommen und es dauert nicht mehr lange, bis ich nach Gotha fahre, um mein dortiges Domizil kennenzulernen. Es liegt mitten in der Stadt, soviel weiß ich schon, und ich habe einen Blick auf den Rathausturm, da brauche ich mich also nicht umzustellen 🙂

Erste Recherche über Gotha

Das Schloss meiner Kindheit 🙂 Als ich vier war, hat mein Vater mich mit hineingenommen, als er dort arbeitete.

Kaum war ich von der Buchmesse zurück, habe ich natürlich gleich im Internet und in Büchern gestöbert, was ich dort über Gotha finde. Ja, auch in Büchern, denn in der Zeit arbeitete ich gerade an einem Spiel für Senioren rund um deutsche Regionen, Traditionen & Co. Und in meinem Elternhaus hatte ich beim Ausräumen einige Deutschland-Reisebücher gefunden, u. a. eines aus der Zeit vor der Wende. Was ich dort las, hat für einen Gänsehaut-Moment gesorgt: 5800 Gotha. Den Gänsehautfaktor kann nur jemand verstehen, der aus Hagen kommt oder sich mit alten Postleitzahlen auskennt. Ist das nicht verrückt? Hagen und Gotha hatten im geteilten Deutschland die gleiche Postleitzahl 5800. Na gut, so etwas elektrisiert vielleicht nur jemanden, der fasziniert von Zufällen und überraschenden Gemeinsamkeiten ist. Begeistert hat mich aber vor allem, dass es in Gotha ein Schloss gibt, ich gebe ja zu, ich liebe Schlösser, vielleicht, weil die Spaziergänge meiner Kindheit rund um Wasserschlösser führten. Ob meine Unistädte Münster und Bonn oder meine Herzensstadt Stuttgart, überall waren schöne Schlösser präsent. Auf Schloss Friedenstein in Gotha freue ich mich wirklich am allermeisten. Wenn ich dem Internet glauben darf, hat es viel zu bieten, das barocke Ekhof-Theater, ein Museum und einen Landschaftspark mit Wasserkunst. Da wird meine Kamera viel zu tun bekommen. Gut, dass ich mein Fotoarchiv im Dezember aufgeräumt habe und meine Festplatte wieder Platz hat 🙂 Für diejenigen, die nicht wissen, wo Gotha liegt und wie groß die Stadt ist, noch ein paar Infos. Gotha liegt in Thüringen, etwa in einem Dreieck zwischen Eisenach, Erfurt und Weimar, ich werde also endlich auf den Spuren von Goethe und Schiller wandeln können. Gotha hat ca. 46.500 Einwohner, also etwas mehr als meine Heimatstadt Borken, und eine Fläche von 69,58 km², das ist die Hälfte der Fläche von Borken, dann sind die Wege schon mal nicht ganz soweit 🙂

Das Leben in Gotha

Ich lasse mich überraschen, was es in Gotha sonst noch zu sehen gibt. Dass dort einiges los ist, habe ich schon mitbekommen. Ich habe mich in den Presseverteiler der Stadt aufnehmen lassen und werde so alle paar Tage auf meine Teilzeitheimat 2019 eingestimmt. Und auf der Webseite der Stadt, die übrigens den Slogan Gotha adelt für sich beansprucht, finden sich so viele Informationen, dass ich am liebsten sofort losfahren würde. Aber noch gibt es hier einiges zu tun, damit die geplanten Bücher rechtzeitig erscheinen können. Also beschränke ich mich darauf, die Termine, die mir wichtig erscheinen und die mich interessieren, in sämtliche Kalender einzutragen 🙂 Wie die Chor- und Orchestertage Ende März, die allerdings noch mit einem VHS-Workshop kollidieren. Fest eingetragen habe ich die Eröffnung der Ausstellung über Oskar Schlemmer, dessen Triadisches Ballett ich in der Staatsgalerie in Stuttgart zigmal bestaunt habe. Das Barockfest im August steht natürlich in meinem Kalender und „Gotha glüht“ im September. Das Gotthardus-Fest habe ich notiert, muss nur noch sehen, wie ich das mit einem Kunstmarkt im Münsterland unter einen Hut bringe, der Ostereiermarkt natürlich und das Ekhof-Festival, das 28. Juni bis zum 24. August geht – für diejenigen, die mich besuchen möchten 🙂 Selbst der Termin für die Museumsnacht im Oktober ist vermerkt. Heute habe ich gelesen, dass Peter Weck am 13. April aus seiner Biografie liest, mal sehen, vielleicht bin ich dann in Gotha. Ja, sagt es ruhig, es fehlen noch ein paar sportliche Aktivitäten, da schaue ich mal, was sich vor Ort ergibt. Aber seien wir ehrlich, in Hagen findet man mich auch eher dort, wo es Kultur und etwas zu feiern gibt, oder? Ich werde jedenfalls berichten. © Birgit Ebbert