(19.11.2019) Gerade komme ich zurück vom Termin in einer Schule, den ich mir gewünscht hatte und den die Stadtbibliothek vermittelt hat. Ich bin so begeistert, dass ich das loswerden muss.

Mein Kindheitstraum-Projekt

Um zu verstehen, warum ich mich so freue, muss ich weit ausholen. Seit etwa zehn Jahren beschäftige ich mich mit dem Projekt „Kindheitsträume“. Ich sammle Kindheitsträume, halte Vorträge darüber und habe einen Blog, der allerdings seit Jahren vor sich hindümpelt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Lebensträume, Visionen, Ziele, wie auch immer man es nennen will, uns vorantreiben – bewusst oder unbewusst. In meiner Arbeit als Lernbegleiterin habe ich es mehrfach geschafft, Kinder zu motivieren, indem ich mit ihnen zunächst erarbeitet habe, wie sie sich ihr Leben vorstellen. Als ich im Sommer an dem Buch über Herti Kirchner schrieb, ging mir plötzlich auf, dass es in ihrem Leben und in dem Roman um genau dieses Thema geht: Eine Vision vor Augen das Leben gestalten. Das hat Herti Kirchner getan und das habe ich meinem Protagonisten angedichtet.

Auf einmal war eine Idee wieder da, die ich schon vor Jahren hatte: Ich möchte gerne mit Kindern ihre Visionen suchen, um ihnen eine Motivationshilfe für die Schulzeit und ihr Leben zu geben. Und ich möchte wissen, was wünschen sich Kinder. Bei meinen Vorträgen behaupten die meisten Eltern, Kinder könnten keine echten Wünsche äußern. Aber es gibt viele Gegenbeispiele, von mir weiß ich, ich wollte schon mit fünf Jahren Kindergärtnerin werden, mit neun Jahren irgendetwas mit Büro machen und mit elf Jahren Schriftstellerin. Und? Was ist heute? Ich bin Diplom-Pädagogin, arbeite mit Kindern in verschiedenen Zusammenhängen, bin selbstständig und manage mein Leben in meinem eigenen Büro und ich schreibe Bücher. Am Samstag bei seinem Konzert erzählte der Opernsänger Björn Casapietra, dass er als Junge Elvis werden wollte. Heute ist er Sänger und singt seine persönlichen Lieblingsballaden von Elvis.

Kickoff eines neuen Projekts in Gotha

Nach den Aha-Erlebnissen in diesem Schreibsommer habe ich ein Konzept entwickelt, mit Kindern in zwei Schulstunden ihre Lebensträume zu erarbeiten. Meine Idee ist, dieses Projekt Grundschulen für die zweite Hälfte des vierten Schuljahres anzubieten. In der Zeit erlahmt oft die Motivation bei Schülern und Lehrkräften, weil die Empfehlungen für weiterführende Schulen ausgesprochen sind und alle wissen, dass die Kinder auf dem Absprung sind. Das heißt, dass der Druck des Unterrichtsstoffs nicht mehr so groß ist. Dann würde ich gerne in die Klasse kommen, meine Geschichte erzählen und mit den Kindern kleine Bücher entwickeln, in die sie ihre Wünsche schreiben. Das habe ich nun heute ausprobiert, weil ich wissen wollte, ob das überhaupt funktioniert. Und bin überwältigt. Von den Ideen der SchülerInnen, von den Ergebnissen und von dem Feedback. Die Motivation schlechthin. Leider verbietet der Datenschutz Fotos der Kinder, aber als alle 19 Kinder auf meine Frage, ob es ihnen gefallen hat, ihre beiden Daumen in die Höhe gestreckt haben, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Das wird eines der Bilder sein, die sich mir aus Gotha ewig in Erinnerung bleiben.

Wenn ich wieder in Hagen bin, werde ich mit der Akquise an Schulen beginnen, ganz ohne Honorar werde ich das nicht umsetzen können. Aber ich frage beim Regierungspräsidium nach, ob es die Möglichkeit der Umsatzsteuerbefreiung für das Projekt gibt, das Ziel ist ja auch, einen Schulabschluss zu erreichen, indem sich die SchülerInnen selbst motivieren. Wenn ihr LehrerInnen in eurem Bekanntenkreis habt, gebt den Beitrag gerne weiter, ich habe ihn extra als PDF abgespeichert. Und wenn ihr eine Idee habt, welche Stiftung so etwas finanzieren könnte oder welcher Fördertopf oder Sponsor dafür in Frage käme, freue ich mich auch über Hinweise. Vielen Dank an diese Klasse 4 der Peter Andreas Hansen Schule in Gotha und euch für Hinweise! © 11-2019 Birgit Ebbert www.birgit-ebbert.de