c-ulrich-wens-p1330395(31.10.2016) Nun ist es also in der Welt, mein neues Projekt Literaturart. Ich bin immer noch geflasht von den Rückmeldungen bei der Eröffnung der Ausstellung am 19. Oktober im Theater an der Volme. Am meisten hängen geblieben ist die Aussage eines Besuchers, den ich bis dahin nicht kannte: „Da haben Sie etwas Einzigartiges geschaffen.“ Und immer noch treffe ich Freunde und Bekannte, die mich auf die Ausstellung ansprechen. Im Traum habe ich nicht mit dieser Reaktion gerechnet. Aber ich fange am besten vorne an.

Viele Teile ergeben ein Bild

LiteraturartWitzig, die Überschrift ist zweideutig mit Blick auf meine Bilder, die tatsächlich aus vielen Teilen bestehen. Dabei wollte ich mit der Überschrift nur sagen, dass es nicht ein einzelnes Ereignis war, das mich zu dem Projekt gebracht hat. Auslöser war sicher die Erkenntnis im Sommer 2015, dass Autoren in manchen (!) Verlagen eher wie austauschbare Lieferanten behandelt werden als wie Kooperationspartner. Ich habe mich gefragt, ob es auch andere Formen als Bücher gibt, Literatur darzustellen. Ich habe begonnen, nach solchen Möglichkeiten zu suchen. Der Literaturring von Ariane Hartmann kam mir in den Sinn und auf der Buchmesse 2015 habe ich einige Ideen gesammelt. Aber erst im Dezember sortierte sich schließlich alles.

Fotos mit Geschichte

birgit-ebbert-tod-im-schlosshofAls begeisterte Fotografin kam mir schon früh in den Sinn, Fotos mit Texten zu kombinieren. Ich weiß, das ist nicht neu, deshalb habe ich mit Krimi-Miniaturen begonnen und diese auf Streichholzschachteln geklebt. Aber viel Text passt nicht auf eine Streichholzschachtel und das konnte nicht alles sein. Immerhin habe ich einige Foto-Leinwände mit Texten drucken lassen, die bei der Eröffnung allerdings ziemlich untergegangen sind. Dennoch ist das Thema Foto und Text noch nicht für alle Zeit abgehakt, allerdings hat mich für die Ausstellung dann etwas anderes fasziniert. Ich habe das Medium Papier als Papier wieder entdeckt.

Auf dem Weg zur Papierfalterin

birgit-ebbert-schwarzfahrenAuch das Papierfalten schlich sich auf verschiedenen Wegen wieder bei mir ein, zuerst bei der Ausstellung Urban Heroes in der Kooperative K, wo Happy Guy mit sein Konzept der Glücksvögel erklärte. Dann wollte eine Romanfigur unbedingt einen Delfin falten, ich brauchte eine pfiffige Verpackung für ein Geldgeschenk und schließlich stolperte ich über und in einen Origami-Workshop in der Buchhandlung am Rathaus. Spätestens da hatte mich das Papierbastel-Fieber wieder gepackt – ich war sofort wieder im Material, kein Wunder, bis in meine ersten Berufsjahre hinein habe ich immer viel gebastelt und gefaltet. Ja, seither falte ich. Zunächst 1.000 Kraniche, weil das Glück bringen soll, und dann habe ich die alten Schönheitsformen von Fröbel für mich entdeckt und interpretiert. Ich habe tatsächlich alte Originalschriften über das Papierfalten durchgearbeitet und mir im Frühjahr im Fröbel-Museum die Ursprungsmodelle angeschaut.

Texte in und auf Papier

birgit-ebbert_tannenduftLiteraturart umfasst mehr als die Texte in und auf Papier, aber die Verbindung von Texten und Papierfaltereien bilden – derzeit – schon einen Mittelpunkt. Ich habe bereits wieder neue Ideen, aber zunächst bleibe ich dabei und versuche die Idee in die Welt zu tragen, ehe sie mir jemand wegnimmt. Die Texte, die ich verwende sind größtenteils meine Subsets, jene Untermengengedichte, die ich vor zweieinhalb Jahren für eine Lesung in der Kooperative K erfunden habe. Plötzlich habe ich das Gefühl, dass sie ein Zuhause haben – in den Papierrahmen vor allem, aber auch auf Fotos zu den Texten. Alles scheint sich auf einmal zu einem fertigen Bild zu fügen.

Meine erste Literaturart-Ausstellung

flyer-literaturart-klein-768x512Bis Ende des Jahres sind meine Literaturart-Werke noch im Theater an der Volme zu sehen. Ich freue mich sehr, dass ich dort neben meiner Buchpremiere auch die Ausstellungspremiere hatte. Und das, obwohl ich Anfang des Jahres, als wir den Termin vereinbart haben, noch nicht wusste, was ich ausstellen würde. Die Bilder sind dort vor und nach den Aufführungen sowie in den Pausen zu sehen und ich werde an einigen Tagen (11.11. / 13.11. / 25.11. / 4.12. /11.12.) dort sein und für Fragen zur Verfügung stehen und einige kleine Produkte wie Notizbücher, Postkarten, Geschichten auf und in der Schachtel präsentieren und verkaufen, die beim Entwickeln meiner Idee entstanden sind.

Über den Begriff LiteraturArt

Schon im letzten Jahr habe ich nach einem Begriff gesucht, der meine Ideen am besten bezeichnet. Nach vielen Sprachspielerein ist Literaturart übrig geblieben. Dass die Internetadresse noch frei war, hat mich darin bestärkt, diesen Begriff mit dem zu füllen, was ich mir vorgenommen habe.

Im Prinzip ist Literatur immer „art“, also Kunst. Mir geht es aber darum, Literatur auf andere Art zu präsentieren als im gedruckten oder elektronischen Buch.Der Gedanke hat mich schon lange beschäftigt, seit ich Geschichten nach Maß schreibe und verkaufe. Jedesmal stellte sich wieder die Frage, wie die individuellen Geschichten präsentiert werden könnten.

Im letzten Jahr habe ich dann gespürt, dass es Zeit wird, mich gelegentlich vom Computer und von Texten zu lösen und wie früher mit den Händen zu arbeiten. Zuerst waren es nur die 1000 Kraniche, die ich zur Entspannung gefaltet habe. Dabei erinnerte ich mich plötzlich daran, dass ich bis vor wenigen Jahren immer meine Weihnachtskarten selbst erstellt habe – Formen ausgeschnitten, gefaltet, Collagen erstellt, eine Karte habe ich sogar mit Farbe in Spritztechnik erstellt und mit Marienkäfern aus Wachs versehen. Bald war mir klar, dass für mich nur das Material Papier und allenfalls das Medium Fotografie in Frage kommen. Also habe ich experimentiert – manche Experimente sind noch in einem Stadium, das ich nicht präsentieren möchte Aber manche haben sich so entwickelt, dass ich zu Hause das eine oder andere Bild von der Wand genommen und meine Literaturart stattdessen aufgehängt habe.

Recherche zu Literaturart

Wenn sich ein Begriff einmal in meinem Kopf festgesetzt hat, werde ich ihn nicht mehr los. Ich fand ihn so passend, dass ich ihn ungern abgeben oder mit anderen teilen wollte. Ich habe stundenlang mehrere Suchmaschinen durchforstet, ob jemand denn Begriff bereits verwendet. Sogar in den Markenbanken habe ich nachgeforscht. Fazit: Nach heutigem Stand (22. September 2016) gibt es das Wort noch nicht. Es ist meins. Schade, dass man kein Urheberrecht auf ein Wort anmelden kann. © Birgit Ebbert

Foto 1 und 3: Ulrich Wens www.moment-aufnahmen.info