(06.06.2019) Bei meinen Spaziergängen durch Gotha bin ich schon ein paar Mal an der Augustinerkirche vorbeigekommen, aber es war immer zu früh oder zu spät oder zu Feiertag, um die Kirche oder das Café zu besuchen. Nun habe ich es geschafft und bin ganz glücklich darüber, dass ich im Kreuzgang des Augustinerklosters einen potenziellen Lese- und Schreibplatz gefunden habe. Da ist es schattig, ich kann den blauen Himmel sehen und das Ambiente strahlt Ruhe und Geist aus.

Das Augustinerkloster

Ein Augustinerkloster wird erstmals 1258 urkundlich erwähnt, vorher, so las ich in Unterlagen in der Kirche, weilten dort ab 1251 Zisterzienser-Nonnen. Ihnen war das Kloster von einer Adeligen, deren Namen ich nicht lesen kann :-), geschenkt worden. 1258 ging es an die Augustinermönche, deren Orden1256 gegründet worden waren. Durch die frühe Erwähnung ist das Kloster wohl älter als das gleichnamige Kloster in Erfurt, das durch Martin Luther ungleich berühmter wurde. Obwohl Luther auch im Gothaer Kloster der Augustiner nachweislich viermal zu Gast war, 1515, 1521 und 2 x 1529. In Gotha war Luther übrigens öfter, zu Besuch bei seinem Freund Myconius. Der Kreuzgang, in dem ich meinen PC aufklappen werde :-), der Kapitelsaal, in dem sich das Klostercafé befindet, und die Sakristei stammen aus dem 13./14. Jahrhundert. 🙂 Wer weiß, vielleicht fällt mir dort ein Gothaer „Name der Rose“ ein 🙂 Heutzutage finden im Kloster Veranstaltungen statt, in 17 Fremdenzimmern können Gäste ein ganz besonderes Übernachtungsflair genießen.

Die Augustinerkirche

Ich bin übrigens ins Kloster bzw. Café durch die Kirche gekommen. Ich traf kurz vor der Mittagsschließung in der Kirche ein und hatte ein wenig Sorge, dass ich dort eingesperrt werden würde. Aber nein, hieß es, durch den Kreuzgang käme ich zum Café und dort könnte ich das Gebäude verlassen. Muss ich sagen, dass ich Tolpatsch erst mal an der falschen Tür gerüttelt habe? Ich sah mich schon auf einer Kirchenbank ausharren, bis die Mittagspause vorbei war. Aber dann entdeckte ich das Schild, das groß und breit den Zugang zum Café und zur Galerie weist. Allerdings war die Kirche auch so interessant, dass ich schon durcheinander kommen konnte. Zumal es sehr gut vorbereitete Unterlagen gab, mit denen ich die Kirche entdecken konnte. Da war zum einen die riesige Orgel. Ich habe keine Ahnung von Orgeln, aber 3.500 Pfeifenerscheinen mir viel oder habe ich mich verlesen? Dann die Fürstenloge. Was für ein Prunk! Ehrlich, sage mir noch einer, katholische Kirchen wären so prunkvoll, da hatten wenigstens alle was von der Herrlichkeit. In der Augustinerkirche ist die Loge des Herzogs prunkvoll umrahmt und mitten in dem Schmuck hängt ein Elefant, das Symbol für den Elefantenorden, auf dessen Mitgliedschaft Herzog Friedrich I so stolz war. Auf jeden Fall Stoff für Geschichten auch in dieser Kirche, die 1989 übrigens Ausgangsort für die friedlichen Demonstrationen in Gotha war. Das reichen sich Historie und Zeitgeschichte die Hand.

Wundert es euch da, dass ich mich auf das Lesen, Schreiben und Denken in dem Gemäuer freue? Und die leckeren Waffeln, die ich gestern probiert habe 🙂 © Birgit Ebbert

Adresse und weitere Informationen über die Augustinerkirche: www.kirchenkreis-gotha.de

Informationen zum Kloster, Café & mehr: www. augustinerkloster-gotha.de