(02.04.2014) Gerade fällt mir auf, dass ich vor lauter Aufregung vor der Wohnzimmerlesung nahezu alle Aprilscherze verpasst habe – außer der Verjüngungskur von Christine Schindler. Dabei gab es keinen Grund vor einer Wohnzimmerlesung aufgeregter zu sein als vor einer anderen. Aber ich bin immer aufgeregt, das darf ich sein und das sollte ich sein, da habe ich den alten Büttenredner noch im Ohr, der mir, als ich 12 war, Mut zugesprochen hat. Und dann war die Lesung eine dreifache Premiere: Es war die erste Wohnzimmerlesung in Hagen, es war meine erste Wohnzimmerlesung und die Premierenlesung meines E-Books „Die 50 besten Morde oder Frauen rächen anders“. Schließlich hatte sich noch RadioHagen angekündigt.

In dem Sessel bin ich beim Lesen fast versunken – der Ordner ist meiner, er dokumentiert die Anfänge des Romans.

Zum Glück hatte ich meine Geheimtipps für Wohnzimmerlesungen beherzigt: Die Adresse herausgesucht und dank Navi gefunden. E-Reader und Tablet aufgeladen und mir von Businessfrauen-Kollegin Eileen Gründer einen Ausdruck des E-Books binden lassen. Bei meiner Ankunft habe ich als erstes geckeckt, ob Chips oder Kräcker auf dem Tisch standen. Das war nicht der Fall, ich musste als kein Knistern und Knuspern übertönen. Die verpackte Schokolade wurde während der Lesung zum Glück nicht gegessen. Jetzt bemerke ich gerade, dass ich nicht den Platz vor dem Fenster bekommen habe. So was! Aber der Sessel war auch bequem und ich weiß nicht, ob ich auf der Couch mit zwei Nebensitzerinnen genug Platz gehabt hätte, um mich lesend auszubreiten. Außerdem hätte die die Seufzer und Räusperer noch lauter gehört.

Ja, das war für mich einer der größten Unterschiede zu einer Bühnenlesung. Ich bekam alles um mich herum mit und als eine Zuhörerin stöhnte, fragte ich mich sofort, ob sich das Stöhnen auf mein Buch bezieht. Mit einer größeren Distanz zum Publikum kann ich das leichter abschütteln oder bekomme es gar nicht mit.

Für jemanden, der in der Fastenzeit auf Schokolade verzichtet eine echte Herausforderung – aber Schokolade knistert nicht.

Ehe aber die Lesung beginnen konnte, wünschte sich Dennis Burk von RadioHagen einige O-Töne über Wohnzimmerlesungen im Speziellen und das Besondere am Vorlesen im Allgemeinen sowie eine kurze Textprobe. Nachdem er auch die Gastgeberin interviewt hatte, konnte es losgehen. Es dauerte nicht lange, da war ich so im Lesefluss, dass ich fast vergessen hätte, dass ich nach 20 Minuten eine Unterbrechung versprochen hatte. Aber ich habe es nur fast vergessen und geschickt eine Pause eingebaut, in der Dennis Burk wie ein Wiesel mit seinem Mikro auf die Zuhörerinnen zustürmte und sie befragte, wie ihnen die Lesung gefiel und was das Besondere daran war. Es war für mich komisch, mitten in der Lesung schon die ersten Reaktionen zu hören, aber dann habe ich sie schnell vergessen – deshalb kann ich sie hier auch nicht wiedergeben, aber sie sind heute in RadioHagen zu hören – und weitergelesen.

Das war schon nach der Lesung,
deshalb sehe ich so erschöpft aus!

Außergewöhnlich für eine Lesung war ebenfalls die Essenspause zwischendrin. Alle stürzten sich auf die Pizza, zwischendrin wurden einige Fotos geschossen und dann ging es weiter mit ein paar Morden. Ich hatte mir eine Stelle ausgesucht, an der ich gut enden konnte und die Spannung dennoch erhalten blieb. Das fanden manche schade, andere gut. So ist das eben, man kann es nie allen recht machen.

Nach der Lesung hatten die Zuhörerinnen gefühlt 100 Fragen, vermutlich waren es nur zehn. Aber wie das so ist, ich gerate ins erzählen und flugs war fast soviel Zeit mit den Fragen und Antworten vergangen wie mit der Lesung. Noch ein Unterschied zu anderen Lesungen. Es gab viele Fragen, weil es einfach leichter ist, Fragen zu stellen, wenn man sich direkt gegenübersitzt. Ich hatte extra mein Diktiergerät mitgenommen, um die Fragen und Antworten aufzuzeichnen – aber dann habe ich es doch vergessen. Ich verlasse mich darauf, dass Gastgeberin Monika Schulte mitgeschrieben hat und alles in ihren Blog stellen wird, dem ich am Rande noch fix zu einer Navigationsleiste verholfen habe.

Und ein Geschenk gab es auch noch!
Ich sage auch: Danke!

Der allergrößte Unterschied zu meinen bisherigen Lesungen außerhalb von Wohnzimmern war aber, dass sich alle Zuhörerinnen mit Handschlag bei mir verabschiedeten und mich lobten, mein Buch toll fanden oder mir erklärten, dass ich ihnen sympathisch sei.

Ich bin jedenfalls begeistert und wenn ich Zeit habe, forsche ich, wo es Wohnzimmerlesungen gibt und erinnere vorsichtig daran, dass man mich gerne einladen darf. Immerhin habe ich etwas vorzuweisen: Einen im Selbstversuch evaluierten Mini-Knigge für Wohnzimmerlesungen! © Birgit Ebbert

Hier gibt es demnächst die 50 Morde als Leseprobe und weitere Informationen zum E-Book.