Stuttgart(03.05.2017) Ab Donnerstag sind meine LiteraturArt-Bilder für vier Wochen, vom 4. bis 31. Mai, in Stuttgart zu sehen. Ich freue mich ganz besonders, dass die erste Ausstellung außerhalb Hagens in Stuttgart ist, weil nach den zehn Jahren, die ich im Ländle verbracht habe, doch ein Stückchen meines Herzens dort geblieben ist. Ein schöner Anlass für einen kleinen Rückblick.

Erinnerungen an meinen Start in Stuttgart

Oh, der Start in Stuttgart war sehr durchwachsen – ich bin am Freitag, den 13. November 1987, von Bonn mit dem Zug nach Stuttgart gefahren und habe mich vor dem Vorstellungsgespräch einem Imbiss aufgewärmt. Etwas irritiert hat mich da doch, dass – in dem Imbiss – plötzlich die Bedienung rief: „Wer möchte eine Pizza, ich bestelle Pizza!“ Viel schien sie von ihren eigenen Speisen nicht zu halten. Ziemlich nervös von dem Gespräch für meine Traumstelle bin ich noch auf die Toilette gegangen – und war dort eingesperrt. Die Tür ließ sich nicht mehr öffnen. Ein tolles Omen! Schließlich habe ich es irgendwie geschafft, mich zu befreien. Es wurde auch Zeit, den letzten Teil der Wegstrecke, die „Staffeln“, wie die Stuttgarter ihre Treppen nennen, zu bezwingen. Nachdem ich schnaufend die Stafflenbergstraße, an der die Geschäftsstelle der Aktion Jugendschutz lag, erreicht hatte, blickte ich ins Tal und ein Film lief in meinem Kopf ab: Schnee, Eis und ich mitten drin. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich würde das Vorstellungsgepräch hinter mich bringen und dann schnell wieder ins beschauliche, flache Bonn! Vermutlich konnte ich gerade deshalb sehr entspannt in das Gespräch mit sechs Herren und der Betriebsobfrau gehen. Schon auf der Heimfahrt nach Borken war ich mir sicher, die Stelle zu bekommen, obwohl niemand etwas gesagt hatte. Als ich am Montag in Bonn ins Studentenwohnheim kam, lag dort bereits das Telegramm des Geschäftsführers vom Samstag, dass ich eingestellt würde.

Zehn Jahre im Ländle

Wie gesagt, das Vorstellungsgespräch war am 13.11., am 4. Januar mein erster Arbeitstag. Alleine die Geschichten über die ersten Arbeitsmonate würden sich für Blogbeiträge eignen unter dem Titel „Ich mag Maultaschen, auch wenn ich nicht alle aufesse“ oder „Nach einem Splattervideo brauche ich keine Hirnsuppe“ oder „Hilfe, die Zeitung will ein Interview, was sage ich nur?“ So war es wirklich. Schon vier Wochen nach meinem Arbeitsbeginn verschwand der Geschäftsführer vier Wochen in die USA und ich konnte sehen, wie ich mit dem aufploppenden Thema „Computerspiele“ fertig wurde. Eigentlich als Referentin für Medienpädagogik eingestellt, wurde ich schnell auch als Referentin für Medienkontakte eingesetzt und hatte meinen ersten großen Artikel in der Stuttgarter Zeitung noch in der Probezeit. Apropos Probezeit, sie war auf drei Monate angesetzt, nur leider hat niemand daran gedacht, mir mitzuteilen, ob ich sie bestanden hatte. So fuhr ich über Ostern, das am 3. April war, zu meinen Eltern, ohne zu wissen, ob ich wiederkommen sollte oder nicht. Ich bin dann wiedergekommen und am Ende genau zehn Jahre in Stuttgart bei der Aktion Jugendschutz geblieben. Fünfeinhalb Jahre war ich Fachreferentin für Jugendschutz mit den Schwerpunkten Medien, Gewalt, Okkultismus und viereinhalb Jahre Geschäftsführerin. In dieser Funktion wurde ich vom Ministerrat des Landes Baden-Württemberg als Beisitzerin bei der Bundesprüfstelle berufen und darüber habe ich Barbara Krienitz-Reinhard kennengelernt, die heute die Ausstellung LiteraturArt in Stuttgart initiiert hat.

Kreativ sein in Stuttgart

Bei der Vorbereitung der Ausstellung habe ich in meinen alten Unterlagen gestöbert und war überrascht, was ich in den zehn Jahren erlebt habe. Das ist ein Beitrag für sich. Verblüfft war ich darüber, dass ich schon damals viel mit Papier gearbeitet habe. In der ersten Zeit habe ich für meine Kolleginnen und Kollegen individuelle Glückwunschkarten gestaltet. Die Krönung war ein Würfelpuzzle aus mit Fotos beklebten gefalteten Papierwürfeln. Das habe ich nicht mehr gefunden, aber die Vorlage für eine Collage zu einer Kaffee-Einladung und einige Weihnachtskarten. Man sieht, auch wenn es jahrelang so schien, als hätte ich nichts für Handarbeit und Basteln übrig, gerade Papier zieht sich durch mein Leben. Wobei ich – nebenbei bemerkt – während der Oberstufe und des Studiums einen Großteil meiner Garderobe selbst genäht oder gestrickt habe. Da könnte also auch noch was kommen 🙂 Doch vorerst bin ich mit meinen Ideen für weitere Faltobjekte so verplant und hoffe ja, dass ich weitere Gelegenheiten bekomme, diese auszustellen. Falls ihr also einen Raum oder einen Flur habt oder jemand kennt, der Lust hast, meine Objekte auszustellen, nur her mit den Kontakten und wer weiß, vielleicht gibt es auch zu dem Ort einen Bezug, der sich bisher nur noch nicht offenbart hat. Jetzt freue ich mich erst einmal auf alte und neue Begegnungen in Stuttgart. Gerade fällt mir ein, dass die Geschichte zum Titelbild dieses Blogbeitrags auch in Stuttgart entstanden ist. Und mein erstes Faltobjekt neuerer Zeit, die Geburtstagstasse für meine Freundin Patrizia ging auch nach Stuttgart. Irgendwie ist Stuttgart für mich eben nicht nur eine Stadt, sondern eine Schicksalsstadt. © Birgit Ebbert

Einladungsflyer zur Ausstellung „LiteraturArt – Literatur einmal(ig) anders“ in der Stadtbücherei Stuttgart-Vaihingen vom 4. bis 31. Mai