Geschichtenbuch von Andrea Behnke

(01.04.2014) Schon der Titel „Oma war eine Seeräuberin“ dieser neuen Geschichtensammlung von Andrea Behnke hat mich neugierig gemacht. Meine eine Oma war Hausfrau, die andere schon tot, als ich klein war, von einer Oma, die Seeräuberin ist, habe ich nicht einmal geträumt. Aber Andrea Behnke hat sie erfunden, weil das Kind, das die Geschichte erzählt, sie erfunden hat – fast zumindest, denn in seiner Vorstellung trägt die Oma Kleidung wie ein Seeräuber.

Eine von vielen witzigen Ideen über Begegnungen zwischen älteren Menschen und Kindern, die Andrea Behnke in ihren „Miteinandergeschichten für Kita, Schule, Seniorenarbeit und Mehrgenerationenprojekte“ erzählt. Da gibt es die Vorlese-Oma, die beim Vorlesen die Kinder verzaubert, und den Ur-Opa, der keine Schultüte hatte, der alte Mann, der aussieht wie ein Vollkornbrot, die Feier-Oma und viele andere ältere Menschen, die jeder auf seine Art Kinderleben bestimmt und fasziniert.

Meine Lieblingsgeschichte ist „Die Maikäfer-Stunde“, auch wenn ich heute beim Anblick eines Maikäfers schaudere. Aber so war das früher, so haben Kinder sich vor vierzig, fünfzig oder mehr Jahren beschäftigt: Maikäfer oder Marienkäfer kamen mit grünen Blättern und kleinen Zweigen in ein Marmeladeglas, dessen Deckel Löcher hatte, und wurden beobachtet. Preiswerte Haustiere, die vor dem Urlaub oder nach Weihnachten nirgends angebunden werden mussten. Denn bis dahin hatte man sie fliegen lassen oder sie waren gestorben. So war der Tod präsent.

Auch in den Geschichten von Andrea Behnke wird der Tod nicht ausgeklammert, gehört er doch zum Alltag, auch wenn viele Erwachsene ihn gerne verdrängen. Profis, die mit Kindern arbeiten, – in der Schule oder der Kita – müssen dann sehen, wie sie Kindern das Thema näherbringen. Dafür und überhaupt für den Einstieg in das Erzählen über Leben und Älterwerden eignen sich diese Geschichten wunderbar. Sie finden in dem Buch neben den Geschichten viele Anregungen für ihre Arbeit. Das gilt nicht nur für Menschen, die mit Kindern in Kita, Schule oder Kindergruppe arbeiten, sondern auch für Seniorenbegleiter in welcher Einrichtung auch immer und Eltern. Ich gebe zu, ich habe über die pädagogischen Hinweise hinweg auch nur die Geschichten gelesen, ach was, verschlungen.

Andrea Behnke hat mir drei Fragen zum Buch beantwortet:

1. Das muss ich wissen, Andrea, wie bist du auf die Seeräuberin-Oma-Geschichte gekommen?
Da ich einige Geschichten für das Buch geschrieben hatte, in denen es auch um Krankheit oder Tod ging, wollte ich auf jeden Fall eine „fitte Abenteuer-Oma“ erfinden. Ich gehe in meinen Geschichten oft von den Figuren aus: Plötzlich hatte ich eine ganz bunte Oma auf einem angemalten Hollandrad vor Augen. Als mir klar war, dass Oma und Enkelin im Garten zelten, entwickelte sich der Rest von selbst, beim Schreiben. Dass es eine Piraten-Oma wird, hatte ich nicht geplant …

2. Wie viele eigene Erfahrungen und Erlebnisse aus deiner Kindheit stecken in dem Buch?
Irgendetwas Eigenes schleicht sich automatisch in ein solches Buch (zum Beispiel war meine Oma auch aus Schlesien und ich hatte einen Urgroßvater), aber es sind kaum echte Erfahrungen oder Erlebnisse von früher drin. Doch die Themen Krankheit und Tod von Großeltern, das sind durchaus Themen für mich, die viel Persönliches haben.

3. Welche Oma oder welcher Opa aus den Geschichten ist dir besonders wichtig?
Ach, eigentlich sind sie mir alle ans Herz gewachsen. Frau Weber mag ich besonders, weil sie im Alter noch mal Kind ist und gleichzeitig über sich hinauswächst. Und die Vorleseoma gefällt mir auch gut (meine Tochter hatte in der Kita auch eine, die mich zu der Geschichte inspiriert hat).

Und hier gibt es weitere Informationen über Andrea Behnke: www.andreabehnke.de