(24.09.2019) Wenn ich heute Nachmittag zu einer Besprechung in die Heinrich Heine-Bibliothek in Gotha gehe, werde ich automatisch an Hagen denken, an das Theater an der Volme oder um noch genauer zu sein an Dario Weberg als Heinrich Heine. Am Sonntagabend war ich dort zu einer Premiere seines Stückes über Leben und Werk des Dichters, der als einer der bedeutenden des 19. Jahrhunderts gilt.

Heinrich Heine im Theater an der Volme

Als ich jetzt für meine Einleitung in meinem Gedächtnis einen Text von Heinrich Heine suchte, der sicher allen bekannt ist, fiel mir zunächst nur das Zitat: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ ein. Natürlich kenne ich den Titel „Deutschland. Ein Wintermärchen“, in dem immerhin sogar Hagen erwähnt wird, aber ich hätte aus meiner Schulzeit kein Gedicht rezitieren können, während mir „Herr von Ribbeck“ noch immer flott über die Lippen käme. Auch bei der Suche im Internet dauerte es einige Seiten, bis ich auf einen Text stieß, den jeder kennt: Die Loreley. Ich habe mich geärgert, dass mir das Lied nicht sofort in den Sinn kam, finde es aber auch faszinierend, dass jeder den Namen Heinrich Heine kennt, aber vermutlich nur wenige wissen, was er genau geschrieben hat. Zu den wenigen gehört Dario Weberg, Intendant der Schlossspiele Hohenlimburg und Inhaber des Theaters an der Volme. Er hat sich intensiv mit dem Leben und Werk des Dichters beschäftigt hat und aus seinen Gedichten und Tagebuchnotizen ein Programm geschrieben hat, das einen Eindruck von Zeit und Werk Heines vermittelt. Dabei schlüpft Dario Weberg in die Rolle Heinrich Heines, er fühlt seinen Lebenszwiespalt, der sich manchmal in Verzweiflung über die Welt und sich selbst ausdrückt. Er hat die Textstellen so geschickt ausgewählt, dass sie durch die eindringliche, direkte und auch manchmal deftige Sprache den oft bedrückenden Inhalt auffangen und man sich trotzdem exzellent unterhalten fühlt. Schön, dass das Theater an der Volme neben den Komödien nun auch solche Programme aufnimmt, noch schöner, dass ich nicht alleine mit einigen Unbeugsamen im Zuschauerraum saß, sondern dieser recht gut gefüllt war. Was ich gehört habe, freuen sich alle schon auf die Aufbereitung von Leben und Werk von Goethe (3.11.18 Uhr), Schiller (1.12.18 Uhr) und Tucholsky (29.12.18 Uhr). Das Tucholsky-Programm habe ich schon als Preview bei den Schlossspielen gesehen, vielleicht motiviert ja mein Beitrag manche, am 29.12. dabei zu sein.

Über Heinrich Heine

Angeregt von der Inszenierung wollte ich aber doch wissen, wer Heinrich Heine war und warum er noch heute derart bekannt ist, dass zum Beispiel Gotha der Stadtbibliothek den Namen Heinrich Heine-Bibliothek gegeben hat. Geboren ist Heinrich Heine als Harry Heine im Dezember 1797 in Düsseldorf, vermutlich am 13., ganz sicher ist das nicht, aber wichtiger ist auch das Geburtsjahr bzw. die Zeit, in die er hineingeboren wurde. Zu der Zeit lebten Goethe und Schiller noch und vor allem Goethe bestimmte die Form und Grenzen der Lyrik. Heinrich Heine, der sich 1925 bei der Taufe zur Konvertierung vom Judentum zum Katholizismus selbst den Vornamen Christian Johann Heinrich gab, um den Namen „Harry“ abzulegen, wuchs also in der Goetheschen Verstradition auf und revolutionierte die bis dahin in der deutschen Romantik gültige Norm. Er verwendete Alltagsbegriffe, schilderte scheinbar banale Alltagssituationen und ging auch schon mal über Reim und Metrum hinaus.

Als sein erstes Gedicht 1817 veröffentlicht wurde, war Heine 20 Jahre alt und arbeitete in Hamburg im Bankhaus seines Onkels. Weder die Bank noch das Tuchgeschäft, das sein Onkel ihm einrichtete, waren sein Metier. Das verstand irgendwann auch die Familie und ließ es zu, dass er sich in Bonn an der Universität einschrieb. Sein Studium führte ihn von Bonn nach Göttingen und Berlin, wo er Anschluss an die literarischen Zirkel jener Zeit fand. In der Berlin Zeit erschienen auch seine ersten Bücher und er begann sich einen Namen als Schriftsteller zu machen. Mit der Bekanntheit wuchsen allerdings auch die Anfeindungen, seine Theaterstücke wurden ausgebuht und auf einmal war auch seine jüdische Herkunft ein Thema. Seine Schriften waren immer stärker der Zensur unterworfen, sodass er 1831 nach Paris zog, wo er am 17. Februar 1856 starb. Ihm wird heute zugeschrieben, dass er dafür gesorgt hat, dass Feuilleton und Reisebericht zur literarischen Kunstform wurden, das werde ich demnächst überprüfen – in der Heinrich Heine-Bibliothek in Gotha 🙂 © Birgit Ebbert