Stefan Nussbaum MitSingDing(06.10.2016) Nun war ich also tatsächlich bei einem Rudelsingen, auch wenn das in Hagen MitSingDing hieß. Und nicht nur das: Ich bin begeistert und habe mir den nächsten Termin (23. November) schon in den Kalender eingetragen.

Das MitSingDing, Rudelsingen & Co

Damit man meine Irritation über mich selbst versteht, muss ich drei Jahre ausholen. Damals erzählte meine Mutter mir vom „Rudelsingen“ in Borken und ich dachte genau das, was ein 15-Jähriger denkt, wenn die 40-jährige Mutter ihm von einer Veranstaltung erzählt: Na, das ist ja wohl etwas für deine Generation. Dann allerdings hörte ich immer öfter Berichte auch von Freunden in meinem Alter und musste feststellen: Singen scheint wieder in Mode zu kommen. Aber wo kann man heute schon einfach so seine Lieblingslieder singen. Auf einer Party vielleicht, bei der Chorprobe eventuell – Lagerfeuerabende gibt es ja kaum noch und wann ich das letzte Seminar mit abendlichem Schmettern zur Gitarre besucht habe, weiß ich gar nicht mehr. Diese neue Form des Singens, ob sie nun „Rudelsingen“ oder „MitSingDing“, Gruppen-Karaoke oder wie im TheaterHagen Scratch heißt, trifft wohl einen Nerv der Zeit. Unverbindlich trifft man sich zum gemeinsamen Singen, hat Spaß und geht dann wieder – beschwingt – auseinander.

Das MitSingDing in der Stadtbücherei Hagen

c-birgit-ebbert-img_3128Trotzdem wäre ich nicht auf die Idee gekommen, eine solche Veranstaltung zu besuchen, das gebe ich zu. Das Scratch-Projekt vom TheaterHagen habe ich geflissentlich gemieden. Doch dann schwärmte Andrea Honickel von diesem MitSingDing, das erstmals in der Stadtbücherei stattfinden sollte. Eine neue Form, Menschen in die Bücherei zu holen. Das hat mich neugierig gemacht und so habe ich mich doch auf den Weg gemacht – mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, weil ich wirklich gerne und textsicher Schlagerklassiker und Lagerfeuerlieder singe, aber eine große Abneigung gegen die heutigen Schlager habe. Doch ich wurde belohnt, nicht nur von der großartigen Stimmung unter den etwa 80 Besuchern, die wirklich gut mitgesungen, geklatscht, gesummt und gewippt haben. Auch die Auswahl der Lieder war ganz nach meinem Geschmack – nicht zu schnulzig, Songs, die ich gerne anhöre und das eine oder andere aus meinem ersten Gitarrenkurs, das ich schon immer schön fand. Ok, nicht „Blowing in the Wind“, aber immerhin „Streets of London“ und „Country Roads“, wo ich meine Begleitung mit meiner Textsicherheit beeindrucken konnte 🙂

Singen mit Humor und Augenzwinkern

c-birgit-ebbert-img_3114Ja, das ist es, was mir so gefallen hat. Es herrschte keine Verbissenheit und Ernsthaftigkeit, sondern die Songs wurden gekonnt und mit Augenzwinkern vorgetragen. Symptomatisch dafür war der Song aus der Reihe „Sonne und Martini“. Was? Ihr kennt kein Lied, in dem „Sonne und Martini“ vorkommt? Na, singt euch das hier mal vor: „Frère Jacques, Frère Jacques, dormez-vous, dormez-vous? Sonnez les matines, sonnez les matines.“ Aus „Sonnez le matines“ kann man wirklich gut „Sonne und Martini heraushören“, wie es dem Stefan Nussbaum, der Moderator und Sänger des Abends passiert ist. Das Lied haben wir nicht gesungen, sondern eine missverstandene Version von „Blue Spanish Eyes“. Was man daran missverstehen kann, verrate ich nicht, schließlich möchte ich niemandem das Aha-Erlebnis nehmen. Sehr amüsant auch das Lied „Moose ee den, Moose ee den“, dessen Originaltitel ihr erraten dürft, die Kommentarfunktion eignet sich da für Lösungsversuche 🙂

Die Geschichte hinter dem MitSingDing

c-birgit-ebbert-img_3106Natürlich hat mich interessiert, wer hinter dem MitSingDing steckt und wie man auf die Idee kommt, so etwas eigentlich Einfaches wie ein MitSing-Programm zu entwickeln. Stefan Nussbaum hatte schon immer ein Herz für Musik und hat dementsprechend Gitarre an Dortmunder Abteilung der Hochschule für Musik in Detmold studiert. Er stellt Musik gerne in einen neuen Kontext, tritt im Caberet Kö in Dortmund auf, wirkt im Ensemble Emscher Blut mit und ist seit gut einem Jahr mit dem MitSingDing unterwegs. Auf die Idee brachte ihn eine befreundete Künstlerin aus Berlin, die dort – eher als im Ruhrgebiet 🙂 – den neuen Trend der Zeit verspürte. Inzwischen sind beide mit einem solchen Angebot unterwegs, die Kollegin in Berlin und Stefan Nussbaum im Ruhrgebiet und darüber hinaus. In Hagen ist er auf jeden Fall noch dreimal zu erleben und wer weiß, wenn sich die Besucherzahl von Mal zu Mal auf die 200 Teilnehmer erhöht, die Stefan Nussbaum aus dem Cabaret Kö gewohnt ist, kommt er vielleicht noch öfter. Andrea Honickel und Andrea Steffes von der Stadtbücherei jedenfalls sind begeistert von dem ersten Abend. „Und die Besucher auch, habe ich das Gefühl“, erklärt Andrea Honickel und wippt dabei noch ein bisschen nach. Wie auch die Besucher, die mit einem Lied auf den Lippen oder zumindest mit einem Summen durch Hagen gingen. 🙂 Ich habe mit meinem Lieblingslied „Those were the Days“ von Mary Hopkins noch gestern Abend Facebookfreunde infiziert. Hat jemand Lust, das nächste Mal mitzukommen? Ich bin wieder dabei! © Birgit Ebbert

c-birgit-ebbert-img_3093Das MitSingDing in Hagen: 23. November 2016, 15. Februar 2017 und 10. März 2017, jeweils um 19.30 Uhr (Einlass 19.00 Uhr) in der Stadtbücherei auf der Springe. Karten und Informationen: Stadtbücherei Hagen oder hier online.

Mehr über Stefan Nussbaum und Das MitSingDing