(21.01.2014) Das längste Interview in Albstadt habe ich vermutlich mit Monika Feth geführt. Ausnahmsweise habe ich davon profitiert, dass ich immer sehr früh bei Veranstaltungen auftauchte, weil ich mit meinen zugeklebten Heckscheiben so schlecht rückwärts einparken konnte. Traf ich frühzeitig ein, gab es genügend Parkplätze – und am 19. November viel Zeit für eine Plauderei mit Monika Feth.

Auf sie war ich nicht wegen ihrer Bücher so neugierig, sondern weil sie in Hagen aufgewachsen ist, wo ich heute lebe, und wie ich in Bonn studiert hat. Da war klar, dass wir viele Anknüpfungspunkte hatten. Im Laufe des Gespräches stellten sich immer mehr Übereinstimmungen im Denken und in der Art zu arbeiten heraus, sodass ich irgendwann das Gefühl hatte, mich selbst zu interviewen. Völlig verrückt. Deshalb muss ich nun aufpassen, dass ich Monika Feth nicht versehentlich meine Gedanken in den Mund oder Kopf lege, zumal ich so viele Fragen hatte und meine Handschrift nicht die beste ist. Hätte ich doch das Diktiergerät benutzt. Vor allem muss ich aufpassen, dass ich nur die offiziellen Informationen verwende. Wir haben soviel gequatscht, dass aus dem Interview irgendwann ein persönliches Gespräch von Ex-Hagenerin zu Jetzt-Hagenerin wurde.

Wie gesagt, Monika Feth ist in Hagen geboren und aufgewachsen. Wenn sie an Hagen denkt, dann vor allem an die Klosterschule, in der sie sich nur bedingt wohl gefühlt hat. Wer ihre Bücher gelesen hat und sie erlebt, wundert sich nicht darüber. Jemand mit so viel Kreativität passt einfach nicht in eine kirchliche Institution, was denn auch dazu führte, dass die Lehrerinnen ihr vorwarfen, dass sie zu viel Fantasie hätte.

Wie gut, dass ihre Verlage und ihre Leserinnen und Leser da ganz anderer Meinung sind. Ich war völlig beeindruckt, als ich hörte, welche Startauflage ihr neues Buch „Der Bilderwächter“ hat. Mit zu wenig Fantasie hätte sie die sicher nicht erreicht. Und ihr erster Roman „Der Erdbeerpflücker“ wird vielleicht verfilmt – der Traum eines jeden Autors!

Dabei wollte Monika Feth niemals Schriftstellerin werden. Sie hatte keinen festen Berufswunsch und hat – so vermutet sie – ihre Studienfächer Deutsch und Englisch nur gewählt, weil sie dann viel lesen durfte. Den Weg zum Schreiben hat sie während des Studiums gefunden, als sich in der Prüfungsphase ein Kommilitone aus Angst vor der Prüfung das Leben nahm. Damals begann sie, zu schreiben, um diese Erfahrung einzuordnen. Und schon war sie vom Schreibvirus gepackt.

Als Schreibvirus kann man wirklich bezeichnen, was sie befällt, wenn sie ein Buch schreibt. Sie kennt grob die Figuren, weiß vage, was in dem Buch geschehen wird und wer der Täter sein muss. Alles weitere lässt sie die Figuren beim Schreiben entwickeln. Da kann es schon mal passieren, dass die machen, was sie wollen und sie ihnen folgen muss oder viel Kraft braucht, um sie wieder zurückzuholen. Denn am Ende soll das Buch ja rund sein und keine losen Fäden mehr haben. „Erst, wenn ich drei Viertel eines Buches geschafft habe, bin ich sicher, dass das Buch fertig wird“, erklärt sie mir. Bis dahin kann es noch passieren, dass sie die Kontrolle über Figuren und Story verliert und sich die Geschichte auflöst.

Endlich jemand, der schreibt wie ich, dachte ich immer nur, als Monika Feth erzählte. Ich ging irgendwie beruhigt in ihre Lesung und nach Hause. Bisher hatten mir Autoren aus meinem Umfeld meist den Eindruck vermittelt, wenn man nicht plottet und wenn man kein detailliertes Handlungsverzeichnis hat, wird das nichts mit dem Schreiben. Dabei finde ich das langweilig. „Das ist dann doch so wie Mathematik“, beruhigte Monika Feth mich. „Es ist doch spannend zu sehen, was den Figuren einfällt.“

Und den Figuren von Monika Feth fällt so allerlei ein. Ich hatte zur Vorbereitung auf die Begegnung mit ihr „Spiegelschatten“ gelesen und war erfreut, als sie dann auch noch den Anfang aus ihrem neuen Thriller der „Bilderwächter“ las. Das Buch liegt nun wie auch der „Scherbensammler“ und der „Mädchenmaler“ auf meinem Bücherstapel – der nächste Winter kommt bestimmt.

Weitere Informationen über Monika Feth und ihre Bücher finden sich unter www.monika-feth.de © Birgit Ebbert