(05.07.2014) Es war nicht leicht, mit der Lektüre des dritten Bandes von Agent 0070 zu warten bis nach der Buchpremiere. Aber ich wollte mir die Freude an dem schönen Abend im Theater an der Volme nicht nehmen. Auf Baltrum habe ich dann aber gleich damit begonnen, das neue Abenteuer von James Gerald zu lesen.

Er hat es nämlich doch wieder getan! Für den pensionierten Agent James Gerald ist der Ruhestand eben ein Unruhestand. Und wenn sich ihm dann noch ganz offiziell eine Gelegenheit bietet, sein Agenten-Knowhow einzusetzen, kann der nicht Nein sagen. Dabei wollte er eigentlich nur zur Hochzeit seines Patenkindes nach China reisen und sich dort von seiner chinesischen Wahl-Familie verwöhnen lassen. Davon bekam allerdings sein Ex-Chef Wind. Er überredete ihn, ein wenig die Augen aufzuhalten und mögliche interessante Informationen ans SIS weiterzuleiten.

Diese Chance kann Agent 0070 sich nicht entgehen lassen. So reist er nach Hangzhou, um sich in ein nicht ungefährliches Getümmel zu stürzen, offiziell als Senior-Experte für die Yams-Wurzel, inoffiziell als Ermittler, der mit allen Wassern gewaschen ist. Eine amüsante Treibjagd nimmt ihren Lauf, bei der James Gerald und die Leser nie so genau wissen, wer nun die Guten und wer die Bösen sind. Dank seiner langjährigen Erfahrung behält Agent 0070 am Ende doch den Überblick und präsentiert der staunenden Leserschaft gleich mehrere Täter für mehrere Taten. Der Trend geht eben zum Zweitmord, auch im Umfeld von James Gerald.

Hier habe ich gesessen und das Abenteuer von Agent 0070 gelesen.

Marlies Ferber hat es wieder einmal geschafft, die Leser mit ihrer Geschichte rund um den pensionierten Agenten 0070 James Gerald zu fesseln. Ganz nebenbei vermittelt die studierte Sinologin anschaulich Hintergründe zur chinesischen Kultur. Eine Lektüre für all jene, die Spannung, Randinformationen und überraschende Ausgänge lieben.

Bei der Lektüre habe ich mir drei Fragen zum Buch gestellt, die Marlies mir freundlicher Weise beantwortet hat.

Wieso hast du James Gerald ausgerechnet nach Hangzhou geschickt?
Ich kenne einige Städte in China, aber Hangzhou ist wegen der Lage am romantischen Westsee eine Stadt, in der auch die Chinesen besonders gern Urlaub machen. Und wenn ich einen Romanschauplatz wähle, dann muss ich diesen Schauplatz erstens selbst ein wenig kennen, um seine Atmosphäre widerspiegeln zu können, und ich muss ihn zweitens sehr mögen. Das gehört für mich mit zum Spaß am Schreiben dazu. Es ist ja eine Gedankenreise, die sehr lang dauert, etwa ein Jahr. Ziel dieser Reise sollte ein Ort sein, in den ich mich gern hineinträume, ein Ort, bei dem die Chemie stimmt, den ich spannend, aufregend und faszinierend finde.

Warum musste Sheila zu Hause bleiben?
James und Sheila, die sich inzwischen recht nahe stehen, sind ursprünglich beide nach China eingeladen, denn James‘ Patensohn Xiao Long („Kleiner Drache“) heiratet. Doch Sheila will nicht mit nach China, weil sie sich um Jamie kümmern will, einen zweieinhalbjährigen Jungen, der über mehrere angeheiratete Ecken mit ihr verwandt ist. James ist enttäuscht und eifersüchtig auf den Kleinen, und als er seinem alten Freund vom Geheimdienst erzählt, dass er nun allein  zur Hochzeit nach China reist, kommt der auf die Idee, James, der ja mit seinen 70 Jahren eigentlich längt im Ruhestand ist, noch einmal mit einer geheimen, offiziellen Mission zu betrauen. James und die nichtsahnende Sheila kommunizieren also erst einmal über Mail, Telefon und Skype – doch dann, als er es am wenigsten gebrauchen kann, steigt eine strahlende Sheila aus dem Taxi vor seinem Hotel – und James bleibt fast das Herz stehen.

Und was um alles in der Welt ist die geheimnisvolle Lotoswurzelsuppe?
Die ist gar nicht so geheim, in der Region um Hangzhou mit seinem Westsee (mit üppig wachsendem und blühenden Lotos) recht beliebt. Aber welch verhängnisvolle Rolle eine Lotoswurzelsuppe in „Mord in Hangzhou“ spielt, das wird natürlich nicht verraten …

Weitere Informationen über Marlies Ferber gibt es übrigens in meinem Porträt über sie und auf ihrer Internetseite.