(06.03.2014) Das Foto rechts zeigt, dass ich das Wasserschloss Werdringen nicht erst gestern entdeckt habe. Bisher war ich allerdings noch nicht in dem Museum für Ur- und Frühgeschichte, das sich in einem Nebengebäude des Schlosses befindet. In dem Schlossbereich ist übrigens das Schlosscafé angesiedelt, in dem man mittags sehr gut essen kann.

Kaum betritt man das Gebäude, wird man schon von einem freundlich drein blickenden Riesen-Mammut empfangen, das mit seinen Stoßzähnen den Weg zum Kassenbereich weist. Schon ist man eingetaucht in die Welt vor vielen Millionen Jahren. Zahlreiche Fundstücke aus Hagen und Umgebung zeigen, wie alt die Welt ist und wie ähnlich manche Lebewesen unseren heutigen Tieren waren. Die Fossilien mit den Abdrücken der Insekten und Pflanzen wirken auf den ersten Blick wie bemalte Schieferplatten oder Steine. Dank der in viele der Schaukästen eingebauten beweglichen Lupe kann man erkennen, dass da nichts gemalt ist, es sei denn vom Künstler Natur.

Von Stockwerk zu Stockwerk nähern sich die Besucher unserer Zeit, wobei „unsere“ Zeit sehr weit gefasst ist, als Zeit der Menschen nämlich, die Werkzeuge und Schmuck erfanden, um sich den Alltag zu erleichtern und zu verschönern. Ja, zu verschönern. Mein Favorit in der Ausstellung sind die Schmuckstücke aus der Eisenzeit, die vor 2.800 bis 2.500 Jahren in Höhlen im Hönnetal getragen wurden. Dieser Schmuck wie auch die winzige, 2.600 Jahre alte Bronzeplastik eines Wasservogels sind Beispiele dafür, dass sich bereits unsere Vorfahren an schönen Dingen erfreut haben. Das gefällt mir.

 

Wie mir überhaupt das ganze Ausstellungskonzept gefallen hat. Die Aufteilung der Exponate, die Figuren, die einen Eindruck von der Tierwelt zur Zeit der ausgestellten Exponate geben, die verschiebbaren Lupen, die Medien und die Aktiv-Elemente vom Faustkeil bis zur Bohrmaschine.

Das Museum für Ur- und Frühgeschichte befindet sich seit knapp 10 Jahren im Schloss Werdringen. Die Sammlung ist allerdings sehr viel älter, man geht davon aus, dass die ältesten Teile über 200 Jahre alt sind. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde sie im Sauerländischen Museum für Vor- und Frühgeschichte gezeigt. Bei Bombenangriffen wurde das Museum zerstört, nur einzelne Exponate konnten gerettet werden.

Ein Teil der Exponate konnten im Krieg
aus den Trümmern gerettet werden.

Im Wasserschloss Werdringen fand die Sammlung 2004 ein angemessenes Umfeld. Ist die Umgebung doch gerade mit Blick auf urzeitliche Forschung interessant. Um das Schloss herum wurden immer wieder Fossilien und archäologisch bedeutsame Fundstücke entdeckt. Aus dem früheren Steinbruch in Hagen-Vorhalle stammt sogar das weltweit älteste bekannte Fluginsekt der Erdgeschichte aus der Karbonzeit.

Geht man heute um das Wasserschloss herum, kann man sich nicht vorstellen, dass es kurz vor dem Abriss stand und nur erhalten blieb, weil die Stadt Hagen es 1977 kaufte und zusammen mit einem Bürgerverein renovierte. Da war es bereits ca. 700 Jahre alt, wenn man die erste urkundliche Erwähnung aus dem 13. Jahrhundert zugrundelegt. Damals gehörte das Schloss zum Besitz der Erzbischöfe von Köln, später wechselte es mehrfach den Eigentümer, mal gehörte es den Herren Dobbe, einem Adelsgeschlecht aus Dortmund, später der Familie von der Recke von Volmerstein, die auf dem Schloss auch ihren Wohnsitz hatte und der das Schloss seinen heutigen neugotischen Stil verdankt. Als der Graf 1870 nach Schlesien zog, begann der Verfall des Hauses, der erst durch die Übernahme des Gebäudes durch die Stadt Hagen gestoppt wurde.

Ein Besuch des Museums lohnt sich also in mehrlei Hinsicht, zumal im Haupthaus noch Kunst-Ausstellungen zu sehen sind. Das Museum für Ur- und Frühgeschichte wird oft von Schulklassen besucht, die dort zum Teil auch Projekttage veranstalten und – was ich ebenso klasse finde – viele Familien nutzen das Angebot, im Museum Kindergeburtstage zu veranstalten. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: Historisches Centrum Hagen – Wasserschloss Werdringen

Die Innenfotos wurden alle fotografiert im: Museum Schloss Werdringen