(20.05.2016) Gestern Abend wurde im Theater Hagen das Programm für die neue Spielzeit vorgestellt und reich beklatscht vom Publikum, das sich vor allem aus Abonnenten zusammensetzte. Es war aber auch ein kurzweiliger Abend, durch den Marketingleiter Jürgen Pottebaum führte. Da gab eines einerseits Gespräche mit Intendant Norbert Hilchenbach, der auf seine zehnte und letzte Spielzeit in Hagen blickt, mit Generalmusikdirektor Florian Ludwig, der das Theater ebenfalls im Sommer 2017 verlassen wird, LUTZ-Chef Werner Hahn und Oberspielleiter Thilo Borowczak und Auszüge aus aktuellen und kommenden Inszenierungen, eine Videozuschaltung sowie drei Überraschungsgäste, die man auf der Bühne erst einmal nicht erwartet hätte. Ein bisschen Spannung braucht auch ein solcher Blogbeitrag. 🙂

Beliebte Produktionen werden wieder aufgenommen

Auf was dürfen wir uns also in der neuen Spielzeit freuen? Nebenbei bemerkt, gut dass die digitalen Kalender schon bis ins Jahr 2017 reichen, es gibt einige Termine, die ich sofort vermerkt habe. Eine der Inszenierungen, die aus dieser Spielzeit fortgeführt wird, „Von Babelsberg nach Hollywood“, habe ich nämlich noch nicht gesehen, die Darbietung der Musik aus „Die fabelhafte Welt der Amelie“ hat mich überzeugt, dass ich das Programm sehen muss. Schön finde ich, dass „Avenue Q“ noch sieben Mal gespielt wird, auch „Die Zauberflöte“, „Der Rosenkavalier“, „Piaf“, „Tanzquartett“ und die Kinderoper „Gold““ werden weiterhin zu sehen sein.

Musik für jeden Geschmack auch in der neuen Spielzeit im Theater Hagen

Und dann wird es viel Neues geben – ob ein Abo reichen wird, um das alles zu sehen? „Die Csáardásfürstin“ hält Einzug in Hagen und in der Oper „Lucia di Lammermor“ wird eine tragische Liebesgeschichte erzählt, Mozart wird mit „Die Hochzeit des Figaro“ vertreten sein und Wagner Fans kommen bei „Der fliegende Holländer“ auf ihre Kosten, der erstmals in Hagen zu sehen sein wird und von dem wir schon den „Steuermannchor“ als kleine Kostprobe zu hören bekamen. Doch nicht nur klassische Opern gehören zum Repertoire, extra für das Theater Hagen komponiert Ludger Vollmer, der bereits mit zwei Opern vertreten war, eine Oper zum Bestseller „Tschick“.

Das Ballett hat sich für die kommende Spielzeit ebenfalls wieder einiges vorgenommen, „Die vier Jahreszeiten“ wird mit drei Choreographen inszeniert, von denen jeder einer Jahreszeit seine Handschrift verleihen wird und die vierte Jahreszeit wollen sie gemeinsam auf die Bühne bringen. Darauf darf man ebenso gespannt sein wie auf die tänzerische Umsetzung in „Satisfaction“, wo vor allem Werke der Rolling Stones mit Philharmonischem Orchester und Ballett interpretiert werden. Apropos Rockmusik, Fans dieser Musikrichtung sollten sich das Programm genauer anschauen, denn auch für sie wird einiges geboten. Karneval und Ostern, grob gesagt, die genauen Termine habe ich in der Übersicht nicht gefunden, werden Musiker von Grobschnitt und Extrabreit wieder gemeinsam mit dem Philarmonischen Orchester auf der Bühne stehen und dieses Mal Musik von „Pink Floyd“ darbieten. Deva Tattva, Milla Kapolke, Rolf Möller erläuterten als Überraschungsgäste das Vorhaben.

Es kann wirklich niemand sagen, es wäre nichts für seinen Geschmack dabei – „Die Blues Brothers“ werden auch im ehrwürdigen Hagener Theater „im Namen des Herrn“ unterwegs sein, Dominique Horwitz wird Teuflisches mitbringen und zu Weihnachten können große und kleine Kinder „Kalif Storch“ begleiten.

Das LUTZ bezieht Stellung gegen Rechts und andere Missstände

Im Jugendtheater „Lut“, das ja längst nicht mehr nur ein Jugendtheater ist, beschäftigt man sich auf verschiedene Weise mit den aktuellen Tendenzen zur Ausgrenzung. Lutz Hübners Stück „Hallo Nazi“, das er 2001 als Reaktion auf die rechten Tendenzen im Osten geschrieben hat, wird in einer aktualisierten Fassung gezeigt. Ich persönlich bin besonders gespannt auf Rike Reinigers „Zigeuner-Boxer“, ein biografisches  Stück über einen Sintu-Boxer in den 30er Jahren, dem die Meisterschaft durch Hitler aberkannt wurde. Daneben gibt es Neues von Killermücke Lucy, „Frerk, du Zwerg“ wird gespielt und die Senioren machen sichin „Kaffee Latte mit Schuss“ auf die Suche danach, was eigentlich Deutsch ist. Und natürlich wird das Lutz wieder in Hagen unterwegs sein, da heißt es wie immer: Augen auf.

Und noch mehr Musik mit dem Philarmonischen Orchester und …

Wem noch ein wenig Musik fehlt, den kann ich beruhigen, auch Generalmusikdirektor Florian Ludwig hat seine Agenda für die nächste Spielzeit im Blick, aber die Notizen kann ich gar nicht mehr lesen. 🙁 Es ist ohnehin verwunderlich, dass ich überhaupt noch etwas entziffern kann, wo ich im Dunkeln – sehr zur Irritation meiner Nachbarn vermutlich – Hieroglyphen in mein Notizbuch gekritzelt habe. Aber soviel habe ich mir gemerkt, u. a. wird eine Komposition des Hagener Komponisten und Musikvermittlers Karl Halle zur Aufführung gebracht, die speziell für diesen Abend für Orchester bearbeitet wird. Und irgendetwas von Tschaikowsky wird auch dabei sein, davon bekamen wir nämlich eine Kostprobe – wie in der Urfassung vierhändig gespielt von Florian Ludwig und Steffen Müller-Gabriel.

Ach ja, und dann materialisierte sich auf der Videoleinwand noch Guildo Horn und lobte nicht nur den Sitz von Jürgen Pottebaums Haaren :-), sondern berichtete vor allem von seinen Plänen für Auftritte mit seiner Band Orthopädische Strümpfe in der neuen Spielzeit. Auch seine Anhänger haben also etwas, auf das sie sich freuen können. Die Spielzeit endet mit einer ganz besonderen Musikinszenierung, die eigentlich ein Schauspiel war – Ödon von Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“, das von HK Gruber vertont und 2015 in Österreich uraufgeführt wurde. Das Stück hat jetzt gerade Deutschlandpremiere und Hagen wird nach Berlin die zweite Bühne sein, auf der die Geschichten musiziert werden.

Dann mal: Kalender gezückt – der Spielplan ist online bereits einsehbar, es gibt also keinen Grund später zu jammern, man hätte das nicht gewusst. © Birgit Ebbert

Und hier geht es direkt zum Spielplan-Heft in der Online-Version, die gedruckten Exemplare sind ab der nächsten Woche im Theater und an verschiedenen Stellen in der Stadt erhältlich.

Kleiner Werbeblock in eigener Sache: Das Theater Hagen ist natürlich in meinem Buch „Hagen – Porträt einer Stadt“ vertreten, da plaudert die Hagener Opernsängerin Cornelia Dietrich über ihre Anfänge am Hagener Theater.

Weitere Informationen zum Programm vom Theater Hagen: www.theaterhagen.de