(21.04.2018) Gestern Abend hatte das neue Stück von Indra Janorschke und Dario Weberg im Theater an der Volme seine Uraufführung. In „Mutter auf Abwegen Frühlingsgefühle im Herbst“ haben die beiden Theatermacher wieder geschafft, ihre Leidenschaft für kleine Missverständnisse in großes Theater umzusetzen. Ich glaube, so viele Lacher zwischendurch habe ich noch nie erlebt.

Mutter auf Abwegen

Im Mittelpunkt des Stückes stehen Großmutter Christine, Tochter Bianca und Enkelin Maximiliane, die außer einer leichten äußeren Ähnlichkeit wenig gemeinsam haben. Obwohl, Tochter und Enkelin sind sich sehr ähnlich, sie achten auf ihr Äußeres, pflegen ihre gesellschaftlichen Kontakte und beschäftigen sich vor allem damit, wie sie Großmutters Geld ausgeben können. Zwei Wermutstropfen gibt es in dem paradiesischen Leben, die Herkunft des Geldes, hat Großmutter ihr Vermögen doch mit der Erfindung und Produktion von Hundekotbeuteln gemacht, was in der besseren Gesellschaft einfach nicht gut klingt. Auch Omas Herkunft aus dem Arbeitermilieu ist nicht angemessen, weshalb Tochter Bianca ihr eine neue Geschichte und auch gleich einen neuen Namen andichtet. Christiane heißt bei ihr Camille und sie selbst nennt sich Blanche statt Bianca, weil das doch viel erhabener klingt. Der zweite Wermutstropfen in dem süßen Leben die Oma Christine-Camille, die so gar nichts von dem Schmarotzerleben ihrer Tochter und Enkelin hält und beschlossen hat, dem einen Riegel vorzuschieben. Sie stellt den beiden ein Ultimatum, entweder Eintritt in die Firma oder Austritt aus dem Geldparadies. Für die Bianca-Blanche und Maximiliane undenkbar, bis Oma Christine-Camille plötzlich mit Sebastian aufkreuzt und der Familie eröffnet, sie werde heiraten und Sebastian sämtliche Vollmachten über die Fabrik übertragen und ihr Testament ändern.

Das Geschehen auf der Bühne

Schon diese Story hätte das Zeug zu einem Bühnenstück und ähnliche Inszenierungen gibt es vielleicht auch – Mutter trifft große Liebe und Familie soll enterbt werden. Den besonderen Pfiff dieses Stückes machen die Verwechslungen und Missverständnisse aus, die dadurch entstehen, dass jeder in seinem Gedankenkosmos weilt, nicht nachfragt und die Gedanken nicht vollständig mitteilt. Was im Alltag mitunter für Zündstoff sorgt, sorgt auf der Bühne und aus der Zuschauerferne betrachtet für große Unterhaltung. Dazu gehören neben einem ausgeklügelten Text, der geschickt jede Doppeldeutigkeit eines Wortes oder Satzes ausnutzt, Schauspieler, die diesen Text überzeugend darbieten. Und die sind in dem Stück „Mutter auf Abwegen“ auf der Bühne.

Indra Janorschke und Carola Schmidt unterstreichen das gemeinsame Interesse am Faulenzerleben das Mutter-Tochter-Paar einfach perfekt, dazu tragen natürlich die ähnlichen Frisuren und komplementären Kostüme bei, aber auch die parallelen Bewegungen, mit denen sie deutlich machen, dass sie eins sind im Kampf um mehr Geld und gegen jedwede Anwandlung der Großmutter. Den Gegenpol zu den Etepetete-Damen Bianca und Maximiliane bildet Großmutter und Firmeninhaberin Christine, gespielt von Maria Liedhegener, die sich bei ihrem ersten Einsatz im Theater an der Volme in die Herzen und Lachmuskeln der Zuschauer gespielt hat. Auch hier stimmten Kostüm, Gestik und Textdarbietung mit der Rolle überein, klasse. Die männliche Hauptrolle Sebastian wurde von Jan Philipp Keller mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Schalk, der neugierig macht, wie das Ganze ausgeben wird, umgesetzt. Auch Natalie Hövel als Hausmädchen Mandy hat ihre Sache sehr gut gemacht, mag sie auf den ersten Blick als Nebenfigur erscheinen, ist die Darbietung einer scheinbar naiven, dümmlichen Figur doch schwerer, als man denkt, sie hat das prima gemeistert und letztlich … aber das verrate ich hier nicht 🙂 Kurzum: Eine Komödie um Doppeldeutigkeiten, die die Lachmuskeln strapaziert. Sehr sehenswert.

Weitere Termine: 28.04., 27.05., 09.06., 13.07., 23.09., 28.10., 11.11., 01.12., 02.12.

Informationen auf www.theaterandervolme.de