(06.12.2014) Als ich gerade bei Facebook, diese wunderbare Rede von Nina George geteilt habe, fiel mir ein, dass in meinem Blog noch ein Artikel über ihr Buch „Die Mondspielerin“ schlummert, das ganz mich auf sonderbare Gedanken gebracht hat, die folgenden nämlich.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich suche die Bücher, die ich lese nicht selbst aus, sondern sie suchen mich aus. Diesen Eindruck hatte ich auch bei dem Buch „Die Mondspielerin“ von Nina George.

Alles fing damit an, dass mich eine Freundin fragte, ob ich Nina George kennen würde. Nein, es begann sogar vorher, als ich irgendwo die Bemerkung „die wunderbare Nina George“ las und ich mich fragte, ob es wohl Menschen gibt, die mich als „wunderbar“ bezeichnen würden. Ich wurde neugierig auf sie, da ich aber nicht bei der Criminale war, habe ich es verpasst, sie persönlich kennenzulernen. Und dann fragte mich die Freundin nach ihr. Natürlich kannte ich ihren Namen, schließlich sind wir bei Facebook befreundet und in den gleichen Netzwerken. Aber gelesen hatte ich von ihr nichts.

Nun muss ich noch etwas gestehen: Ich war Jahrzehnte im Bertelsmann Buchclub, habe zwar diese Mitgliedschaft gekündigt, aber in diesem Jahr musste ich noch jedes Quartal ein Buch kaufen. Da die Hagener Filiale im Frühjahr geschlossen hat, bin ich nach Bochum gefahren und wollte mich gleich für zwei Quartale eindecken. Ich hatte nicht die Zeit, in Ruhe alles durchzusehen, da blieb mein Blick an „Die Mondspielerin“ von Nina George hängen. Ich las den Klappentext, nicht die Lektüre, die ich sonst bevorzuge, aber preisgünstig, also habe ich es mitgenommen. Zusammen mit der Biografie von Armin Mueller-Stahl übrigens, die ich wie „Die Mondspielerin“ in einem Rutsch gelesen habe.

Nina gelang es schnell, mich für ihre Geschichte zu gewinnen, auch oder weil sie mich an vielen Stellen an den Film „Brot und Tulpen“ erinnert hat. Irgendwann war ich dann neugierig, wie es weitergehen würde. Ich gebe zu, diese unzähligen Liebesgeschichten haben mich ein wenig genervt, weil ich es nicht leiden kann, dass das Leben auf Liebesgeschichten reduziert wird. Aber in dieser Geschichte passten sie und so habe ich darüber hinweggesehen. Mich hat vielmehr die Protagonistin interessiert, die es nach 41-jähriger Ehe als Anhängsel eines wenig sprühenden, dominierenden Mannes schafft, ein neues Leben zu beginnen. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich der Auffassung, dass man sich nicht verändert, sondern nur wiederfindet, zustimme oder nicht. Aber für das Ergebnis ist das nicht wichtig.

So wie ich schon den Film „Brot und Tulpen“ manchen meiner Freundinnen schenken würde, weiß ich auch bei diesem Buch, wem ich es gerne schenken würde. Natürlich kann nicht jeder sein Leben umkrempeln wie Marianne. Aber nachdenken über das Leben, kann jeder und schauen, wo es Möglichkeiten gibt, aus dem Alltag auszubrechen. Nun ist mein Alltag gespickt mit kleinen Abenteuern, aus denen ich auch manchmal ins große Abenteuer aufbrechen möchte. Deshalb kann ich oft nicht verstehen, wie andere ihr Leben vor sich hinplätschern lassen und sich über Kleinigkeiten beklagen, aber nicht über Kleinigkeiten freuen. Da frage ich mich, ob sie sich überhaupt noch freuen können. Ob man Sich-Freuen verlernen kann.

Solche Gedanken haben das Buch ausgelöst, das ich – wenn es sich nicht aufgedrängt hätte -, nie gelesen hätte. Deshalb ist dies auch keine Rezension, sondern eher ein Plädoyer für das Lesen, für Bücher und dafür, sich von Büchern ansprechen zu lassen.

Mich hat die Geschichte außerdem motiviert, mich sofort an den Roman zu machen, dessen Plot mir Anfang Mai auf dem Weg in den Schwarzwald eingefallen ist oder doch den fertigen Roman „Das Namensreiche“ wieder hervorzuholen. Eine Freundin fragt ständig, ob und wann er veröffentlicht wird und ich habe ihn in meinen Ordner „aussortierter Manuskripte“ verschoben. Dabei reizt mich das Thema weiterhin. Vielleicht ist die Zeit reif dafür, wenn sich mir nun schon Bücher als Lektüre aufdrängen. © Birgit Ebbert