Buchhandlung(15.11.2016) Na gut, wir waren nicht die ganze Nacht in der Buchhandlung am Rathaus eingeschlossen, sondern nur von 19.00 bis 22.00 Uhr. Aber dunkel war es draußen schon. Sehr dunkel, man konnte nicht erkennen, wer am Schaufenster vorbeiging, während wir – je nach Platzierung in dem Geschäft – als lebende Schaufensterfiguren fungierten. Aber es gibt Schlimmeres, als in einer Buchhandlung auf dem Präsentierteller zu sitzen. Und die meiste Zeit haben wir ohnehin im hinteren Teil des Ladens verbracht. Dort, wo Prosecco, Chips und andere Leckereien für eine gemütliche Atmosphäre sorgten. An dem schönen alten Tisch, der sich auch gut eignet, um Bücher um sich zu stapeln und diese anzulesen.

Drei Stunden allein in der Buchhandlung

c-birgit-ebbert-dsc_0284Ja, es stimmt, ich war nicht ganz alleine in der Buchhandlung, ich war in Begleitung von drei buchaffinen Frauen, einer Autorin und zwei ausgebildeten Buchhändlerinnen. Aber die Buchhändlerin hat um kurz nach 19.00 Uhr nach einer kurzen Einweisung in Kaffeemaschine und Notausgang den Laden verlassen und die Tür von außen abgeschlossen. Wir blieben zurück mit Hunderten Büchern, mit Kalendern, Spielen, Geschenkartikeln, allem eben, was sich in einer Buchhandlung befindet. Die Buchhandlung am Rathaus bietet diese Möglichkeit, sich für drei Stunden im Laden einschließen zu lassen und nach Herzenslust zu stöbern, seit einiger Zeit an. Und er wird rege genutzt, den Rekord hält derzeit eine Frau, die an zehn Abenden in der Buchhandlung eingeschlossen war!

Drei Stunden sind viele Stunden zu wenig

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🙂 Mit dem Bild habe ich meine Facebook-Freunde animiert, sich an das Gedicht aus ihrer Kindheit zu erinnern. Da kamen spannende Texte und Erinnerungen zusammen.

Als wir um 19.00 Uhr alleine blieben, schienen mir drei Stunden ziemlich viel. Deshalb habe ich mich ja mit einer Papierauswahl versorgt und Oliver Kraus hatte extra zwei ganz neue Origami-Bücher zur Ansicht bestellt, damit ich Faltfutter habe. Und dann ging die Zeit doch so schnell um. Anfangs habe ich es noch geschafft, die eine oder andere Entdeckung bei Facebook zu posten. Aber irgendwann schien die Zeit knapp zu werden. Die Chance, einfach mal unbeobachtet in Bestseller hineinzulesen oder Bastelbücher durchzublättern, war zu verlockend. Und dann immer noch der Kampf mich sich, dieses oder jenes Buch zu kaufen. Damit das nicht ausuferte, hatte ich meine Geldbörse zu Hause gelassen und nur ein begrenztes Budget mitgenommen. 🙂 Deshalb habe ich dann auch zwei Bilderbücher gepostet, die man mir gerne zu Weihnachten schenken kann 🙂 Wenn ich es recht überlege, war das mein persönliches Highlight: Einfach mal in Ruhe ein ganzes Bilderbuch zu lesen oder wie im Fall von „Überall Blumen“ anzuschauen.

Drei Stunden nur für Bücher

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Es wurde wirklich von außen abgesperrt! Beweisfoto!

Als ich am Sonntag im Theater an der Volme war, um meine Literaturart-Ausstellung zu betreuen, waren die Meinungen zu meiner Einschluss-Idee gespalten. Die einen waren begeistert und planten gleich, solch einen Abend zum Geburtstag zu verschenken. Die anderen fanden, man könne doch immer in einer Buchhandlung stöbern, was denn an einem solchen Abend Besonderes sei. Es sind die drei Stunden, die man mit Büchern verbringt. Es wartet kein Mittagessen und kein nächster Termin, man muss nicht dringend ein Geschenk kaufen und es drängelt sich kein Kunde mit dickem Rucksack vorbei, es fragt kein Buchhändler „Kann ich Ihnen helfen?“ und es wacht kein anderer Buchhändler argusäugig, ob man etwa einfach die Folie öffnet. Letzteres durften wir nämlich auch, nach der kleinen Einweisung, unbedingt die Folie mit dem Buch zusammen aufzubewahren. (Für Nicht-Buchhändler und auch für andere Buchhandelsbesuche: Der Hinweis hat nichts mit Ordnungssinn zu tun, sondern auf der Folie ist der Aufkleber mit Preis und Barcode zum Einscannen für die Kasse.) Wir fanden den Abend auf jeden Fall klasse und haben schon laut darüber nachgedacht, ihn im nächsten Jahr zu wiederholen. Wobei ich noch nicht weiß, ob ich ein ganzes Jahr warten möchte, obwohl ich nicht alles geschafft habe, was ich mir vorgenommen hatte, war es doch ein entspannender Abend – mitten in Büchern. Wenn ich es recht bedenke, habe ich davon schon als Kind geträumt. © Birgit Ebbert

Für alle, die ich angesteckt habe, gibt es hier weitere Informationen 🙂

Und noch ein paar Fotoeindrücke:

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Der Anfang meiner Weihnachtswunschliste 🙂
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Das Buch wurde 1933 bei der Bücherverbrennung verbrannt und die Autorin starb resigniert und verarmt in Köln.
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Das Buch steht schon in meinem Bücherregal mit Widmung von Monika Feth, die aus Hagen stammt, und die ich vor drei Jahren in Albstadt getroffen habe, als ich dort als Albschreiberin war.
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Und das Buch ist mir schon auf der Buchmesse aufgefallen, weil das „Rosa Haus“ in Hagen ja lange Zeit die Gemüter erhitzt hat. Jetzt habe ich mal hineingeschaut – soviel kann ich sagen: Die Weihnachtswerkstatt befand und befindet sich nicht in Hagen. 🙂