(26.06.2011) Zuerst wollte ich dieses Buch „Nadel – Faden – Hackebeil“ von Tatjana Kruse gar nicht kaufen: Nadel und Faden, das erinnerte mich irgendwie an den Handarbeitsunterricht in der Schule, den Nähkurs und überhaupt an Fisselsarbeit, also Arbeit, für die Fingerspitzengefühl nötig ist. Doch irgendwie hat mich der Titel auch neugierig gemacht, vermutlich war es das Hackebeil, das mich schließlich überzeugt hat.

Und dann konnte ich das Buch nicht weglegen und habe mich zugleich köstlich amüsiert. Kommissar Seifferheld ist nämlich eigentlich kein Kommissar, also: keiner mehr. Er ist im Ruhestand und ermittelt nicht jobmäßig, sondern eher aus Neugier oder Langeweile. In diesem Fall ist er ja sozusagen über die Tote gestolpert, als er sich nach den Verkäufen seiner Handarbeiten erkundigen wollte. Ja! Seiner Handarbeiten, Kommissar Seifferheld persönlich ist mit Nadel und Faden unterwegs, aber nicht mit Hackebeil, das soll gleich gesagt werden. Das Fingerspitzengefühl, das er beim Sticken, seinem Hobby mit Marktfaktor, benötigt, zeigt er nicht immer beim Umgang mit potenziellen Verdächtigen oder den Frauen, mit denen er zusammenlebt und auch nicht zusammenlebt. Außer der Toten, die Kommissar Seifferheld findet, der Besitzerin eines Andenkenladens nämlich, wird ein Landtagsabgeordneter umgebracht. Ob es einen Zusammenhang gibt? Suchen die Polizei und Kommissar Seifferheld nach einem Täter oder nach zweien?

Tatjana Kruse gelingt es geschickt, die Mordfälle, die Ermittlungen der Polizei, die Schnüffelei des pensionierten Kommissars, seine familiären Probleme und seine Beziehungsschwierigkeiten in ein Bild zu verwandeln, dessen Motiv wie bei einem Stickbild erst nach und nach erkennbar wird.

Ein gelungener Krimi, den man jedoch nur am Wochenende und im Urlaub lesen sollte, weil er einen fesselt und man am liebsten immer weiterlesen möchte.

Der erste Fall „Kreuzstich – Bienenstich – Herzstich“ liegt bereits bei mir auf dem Nachttisch. Ich wage nicht, ihn zu beginnen, aus Angst, dass ich meine Arbeit darüber vergesse 😉

Auch Tatjana Kruse habe ich drei Fragen zum Buch gestellt:

Wie bist auf die Idee gekommen, einem Kommissar Sticken als Hobby unterzujubeln?

Die Idee mit dem Sticken kam mir nicht ganz freiwillig. Mein Verlag wünschte sich damals einen älteren männlichen Helden mit einem ungewöhnlichen Hobby. Und heutzutage ist ja so gut wie alles erlaubt, aber stickende Männer sind immer noch eine absolute Seltenheit. (Mittlerweile haben sich aber schon mehrere Männer mir gegenüber geoutet: es gibt doch mehr Sticker als frau denkt!)

Auf welche Weise recherchierst du die Tötungsarten für deine Krimis?

Bei mir gibt’s ja allermeistens eine saubere Leiche, die – wie bei Agatha Christie – einfach tot herumliegt. Auf die Details kommt es da nicht an, denn mir geht es ja nicht um Realitätstreue, sondern um augenzwinkernden Humor und möglichst schräge Situationen. Man soll sich bei der Lektüre meiner Krimis vor allem amüsieren.

Woher kennst du dich so gut in Schwäbisch Hall aus?

Und in Schwäbisch Hall kenne ich mich deswegen so gut aus, weil ich da wohne. So profan ist das Leben.