(01.11.2014) In den letzten Jahren habe ich mitbekommen, dass Kolleginnen und Kollegen sich am NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month, einer Art Schreibmarathon, beteiligt haben. Nicht alle haben ihr Ziel erreicht, aber die meisten waren begeistert und einige haben bereits mehrmals mitgemacht.

NaNoWriMo ist die Abkürzung für National Novel Writing Month, einer Aktion, die vor 15 Jahren von dem Amerikaner Chris Baty initiiert wurden und an der sich in manchen Ländern auch Schulen und Universitäten beteiligen.

Die Aufgabe ist nicht leicht: Ziel ist, zwischen dem 1. und dem 30. November einen Roman mit mindestens 50.000 Wörter zu schreiben. Als kleine Einordnungshilfe: Mein Roman „Brandbücher“ umfasst knapp 70.000 Wörter. Wer 1.667 Wörter am Tag schreibt, kann das Ziel erreichen. 2013 haben sich auf dieses Abenteuer weltweit über 300.000 Menschen eingelassen, nicht nur Profi-Autoren. Viele schreiben, um sich an sich selbst zu messen, um unter dem Zeitdruck endlich mit dem lange geplanten Roman zu starten oder um sich bewusst Zeit für ein eigenes Schreibprojekt zu nehmen, das angesichts von Auftragsarbeiten oft zu kurz kommt.

Das Wagnis, das jeder eingeht, ist klein. Im schlimmsten Fall hat er bis Ende November nur ein paar Seiten und ein paar hundert Wörter geschafft. Ja, und? Zumindest hat man es mal versucht. Das sage ich mir in diesem Jahr auch. Gerade habe ich mich mit dem Projekt JulianeS angemeldet. Das Projekt spukt in meinem Kopf, seit ich im Mai zu einer Lesung in den Schwarzwald fuhr. Die Figuren habe ich schon grob im Sommer skizziert, die Geschichte ebenfalls vorgezeichnet, ich muss nur noch schreiben. Der Titel steht auch schon fest, er würde aber verraten, worum es geht, deshalb verrate ich den nicht, sondern nenne das ganze Projekt „JulianeS“.

Die Regeln für NaNo sind überschaubar:

  1. Man muss einen Roman schreiben – für welche Zielgruppe ist gleichgültig, aber ein Sachbuch gilt nicht.
  2. Der Roman muss von einer Person allein geschrieben werden.
  3. Der Teilnehmer muss am 1. November damit beginnen. Da schummele ich ein klein wenig, weil ich ein oder zwei Sätze auf der Autobahn diktiert habe, aber das fällt für mich eher unter Stoffsammlung.
  4. Man muss zwischen dem 1. und dem 30. November 50.000 Wörter schreiben. Die Aufteilung auf die Tage bleibt jedem überlassen, Hauptsache am Ende stehen 50.000 Wörter auf dem Papier bzw. in dem Dokument.

Letztlich kann keiner überprüfen, ob man sich an die Regeln hält. Im Prinzip schreibt jeder für sich und gegen den eigenen Schweinehund, der mit spannenden Fernsehkrimis und interessanten Events lockt und einen vom Schreiben abhalten will.

Damit sich die Teilnehmer gegenseitig motivieren können, kann jeder den aktuellen Wortstand eintragen und es gibt Foren, in denen ein Austausch möglich ist. Ich fürchte allerdings, dafür werde ich keine Zeit haben, sondern froh sein, wenn ich das Pensum neben meinem Alltag schaffe. Ich weiß ja schon, dass ein Teil meiner Bücher für 2015 im November oder Dezember in Form von Druckfahnen wieder auf meinem Schreibtisch landen werden.

Es ist also mit Unwägbarkeiten zu rechnen. Dennoch werde ich es versuchen und schlimmstenfalls in dem Wissen scheitern, dass ich es zumindest probiert habe. Mich fasziniert die Vorstellung, dass auf der ganzen Welt gleichzeitig Menschen versuchen, im November einen Roman zu schreiben. Als Autorin, die vom Schreiben lebt, erschreckt mich das auch ein bisschen – so viel Konkurrenz! Aber ich bin doch begeistert, dass in anderen Ländern Schreiben einen sehr viel höheren Stellenwert auch als Hobby hat. Bei uns zählt irgendwie nur Sport, vielleicht noch Schützenfest und Kegeln, aber wer hat schon einen Bekannten sagen hören: „Ich habe heute Schreiben.“, „Heute Abend trifft sich der Schreibclub bei uns.“ oder „Am Sonntag habe ich keine Zeit, ich muss meinen Sohn zum Schreiben fahren.“ © Birgit Ebbert