Hagen(06.01.2017) Zwischen den Jahren habe ich eigentlich nur gelesen. Bücher, die ich von meinem nächtlichen Besuch in der Buchhandlung im Rathaus mitgebracht habe oder geschenkt bekam wie das geniale Bilderbuch „Armstrong“ über die erste Maus im Weltraum. Und neben den drei „Omen“-Büchern auch in den beiden neuen Bücher über Hagen geschmökert. Da ich nicht hier aufgewachsen bin, muss ich mir schließlich das, was in Hagener Familien in Erzählungen und Gesprächen, bei Spaziergängen und Verwandtschaftstreffen weitergegeben wird, durch Lektüre erwerben. Und zum Glück gibt es dafür im Ardenku-Verlag immer neuen Lesestoff 🙂

HagenBuch 2017

Da ist zum einen das HagenBuch, von dem inzwischen 24 Ausgaben in meinem Regal stehen. Einen Vorgeschmack auf das Buch hatte ich ja bereits bei der Präsentation am 19. November bekommen, aber das Buch enthält viel mehr Artikel, als dort angeteasert wurden. Ich bin immer wieder begeistert, was die Autorinnen und Autoren zutage fördern für das Buch. Überrascht war ich zum Beispiel, dass es von 1969 bis 1985 in Hagen eine Werft gab. Ja, in Vorhalle wurden Yachten gebaut. Anfangs verkaufte die Familie Genzel Yachten als Agentur, aber dann begann sie selbst Boote zu bauen. Mich würde über die interessanten Informationen in dem Artikel hinaus interessieren, ob die Boote auch auf den Hagener Seen zum Einsatz kamen.

Was mich aber wirklich begeistert hat, ist der Artikel über die „Italia“ 1990, 1992 und 1994. Nun bin ich ein absoluter Fan von toller Außenbeleuchtung. Und in Hagen gab es in den letzten Jahrzehnten, als ich in Stuttgart und Bochum lebte, sicher viele tolle Events. Aber bei diesem bedaure ich es, dass ich nicht früher nach Hagen gezogen bin. Wenn schon die Fotos der illuminierten Elberfelder Straße bei mir eine solche Begeisterung hervorrufen, wie muss das in Wirklichkeit ausgesehen haben. Noch niemals hat irgendjemand von diesem Event erzählt. Wenn ich mehr Bilder habt, her damit, daran kann ich mich gar nicht satt sehen und muss sagen, das war Großstadtniveau. Doch das sind nur zwei Beispiele für die Überraschungen, die das HagenBuch bereithält und ich bin sicher, dass auch für Ur-Hagener noch das eine oder andere Neue dabei ist oder zumindest die Artikel und Bilder Erinnerungen wach rufen.

Wo unsere Großeltern einkauften

Na gut, meine Großeltern haben in den Geschäften, die im Mittelpunkt des Buches stehen, – nach meiner Kenntislage zumindest 🙂 – nicht eingekauft. Aber der Frage, wo sie eigentlich eingekauft haben, könnte ich mal nachgehen. Leider gibt es in Borken niemanden, der sich solche Gedanken macht, wie sie sich Liselotte Funcke 2009 gemacht hat, die Petra Holtmann nun für eine Neuauflage des Buches aufgenommen hat. Aber trotzdem habe ich das Buch mit großer Begeisterung gelesen – weil ich Alltagsgeschichte spannend finde und in jedem Beitrag über die Einzelhändler in Hagen ganz nebenbei einiges über Gewohnheiten früher und heute zu lesen ist. Und dann habe ich natürlich gleich vor meinem inneren Auge die Straßen und Plätze, Häuserfronten und Fassaden, wie ich sie kenne, gescannt und mit denen alten Fotos verglichen. Und schließlich gab es auch in Hagen die eine oder andere Filiale eines größeren Handelsunternehmens, die zwar nicht in Borken, aber doch in den münsterländischen Einkaufsstädten vertreten war. Ich habe sehr gelacht, dass mir der Werbespruch „Otto Mess mit zwei S mit zwei O macht uns froh“ sofort in den Sinn kam, als ich die Überschrift des Beitrags sah. Und Kaisers verbinde ich immer mit Urlaub, weil wir bei unseren Ferien-Aufenthalten in Karlsruhe Mitte der 70er-Jahre oft in einer Kaisers Filiale einkauften. Manche der Einzelhändler, die in dem Buch vorgestellt werden bzw. sich vorstellen, prägen noch heute das Stadtbild mit – das Pelzgeschäft Wolff 1789 natürlich, an dessen Schaufenster gehe ich jeden Tag vorbei, die Goldschmiede Adam, Richard Köhler Haus der Musik, wo ich immer mal wieder Saiten für meine Gitarre kaufe, bürojacob, das Reformhaus Bodenhausen, das Rech Sanitätshaus oder die Buchhandlung Kersting, bei der ich am Celebrating Bookshop Day ins Fotoalbum schauen durfte. Sicher habe ich Einzelhändler vergessen, lest einfach selbst. Denn ich will vom größten Aha-Erlebnis berichten. Natürlich habe ich mir die Beiträge über die Hagener Buchhandlungen besonders sorgfältig durchgelesen und dabei entdeckt, dass in dem Haus, in dem ich heute wohne, in den 50er Jahren, für kurze Zeit eine Buchhandlung beheimatet war. Passt doch, oder? 🙂 Ein wirklich spannendes Buch, das einen auf besondere Weise durch die Geschichte Hagens führt und auch anregt, mit Buch und Kamera auf den Spuren der Geschäfte zu wandeln. Hat jemand Lust mitzukommen? © Birgit Ebbert

Kleines Postskriptum: Hier ist das Beweisfoto, dass ich sehr viele HagenBücher mein eigen nenne. Allerdings fehlen mir immer noch die Bücher aus 2000 und 2002. Falls jemand die doppelt hat oder loswerden möchte, würde ich mich freuen, wenn ich sie kaufen könnte. Ich hasse Serien, in denen Teile fehlen 🙂 (ähem, deshalb habe ich auch alle Pixibücher von 1 bis 2000!)

Zur Erinnerung: Mein Beitrag über die Präsentation des HagenBuches 2016.