(27.04.2013) … und was ist mit der Benachteiligung von Schülern wegen ihres Wohnortes?

Es gibt Ideen, die sollte man für sich behalten. Auf gar keinen Fall sollte man sie an einen Verleger hinplaudern, wenn man über ein Buch spricht, das mit dem Schulsystem zu tun hat. Ich war so leichtsinnig und nun sitze ich seit Tagen und versuche, das deutsche Schulsystem zu verstehen. Gerade eben habe ich sogar das Grundgesetz aus dem Bücherregal gekramt, um zu prüfen, ob dort etwas zur Gleichbehandlung von Schülern steht. Ich habe nichts gefunden, es darf zwar niemand wegen „seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauen benachteiligt oder bevorzugt werden“ (GG Artikel 3, Abs.3). Allerdings steht nirgendwo, dass jemand NICHT wegen seines Wohnortes benachteiligt werden kann.

Aber genau dieser Eindruck entsteht, wenn ich mir anschaue, was die Bundesländer für den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule regeln – mein Thema für den „Elternratgeber Schulübergang“ (Schulwerkstatt Verlag), an dem ich gerade schreibe. Es ist nichts Neues, dass es in manchen Bundesländern verpflichtende Schulempfehlungen gibt und in anderen nicht, aber wenn man das so geballt sieht, wird einem erst klar, wie sehr sich der Wohnort eines Schülers auf sein Leben auswirkt. Ja, auf sein Leben. Der Übergang ist nun mal eine Scheideweg in der Schullaufbahn, vor allem in den Ländern, in denen es ein mehrgliedriges Schulsystem gibt.

(Ein Gruß an die Kultusministerkonferenz: Leider sind Ihre Unterlagen bzgl. der Übergangsregelungen nicht auf dem neuesten Stand.)

Die Benachteiligung geht übrigens soweit, dass in manchen Bundesländern die Schülervertretung bereits in der Grundschule beginnt und in anderen Bundesländern erst ab der 5. Klasse.

Wehe den armen Schülern, die im Laufe ihrer Schulzeit das Bundesland wechseln müssen. Ich habe große Hochachtung vor ihnen und ihren Eltern, wenn sie sich da durchwuseln. Zumal einige Internetseiten der Schulministerien über eine – vorsichtig gesprochen – wenig nutzerfreundliche Navigation verfügen.

Ich werde jedenfalls sehr vorsichtig sein, wenn ich künftig einen Vorschlag mache, der mit dem Schulsystem zusammenhängt. Falls jemand zufällig Gerichtsentscheide kennt, die sich mit dieser Form der Ungleichbehandlung beschäftigen, nur her damit. Das wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich mit dem Thema beschäftige. Aber jetzt muss ich zurück an die Recherche, sonst wird nichts aus meiner Kreativ-Auszeit. © Birgit Ebbert