Ein echter Nikolaus aus Schokolade(05.12.2015) Ich weiß, der Nikolaustag ist erst morgen, am 6. Dezember. Trotzdem denke ich, wenn ich den 5. Dezember auf dem Kalender sehe, sofort an Nikolaus. Der 6. Dezember ist für mich ein Tag wie jeder andere, weil bei uns zu Hause am 5. Dezember der Nikolaus kam und keine Geschenke, aber doch einen Teller voller Süßigkeiten brachte.

Nikolaus-Erinnerungen

Laterne für den NikolausumzugJa, als ich Kind war, gab es keine Geschenke zu Nikolaus. Wenn ich abends den Stiefel vor die Tür stellte, fand ich am nächsten Tag meist einen Schokoladennikolaus. Aber das war auch nicht das Wichtigste an diesem Fest – bei uns in Borken gab es nämlich, vermutlich aufgrund der Nähe zu den Niederlanden – am Vorabend des Nikolaustages einen Nikolauszug. Sobald ein Kind laufen konnte, zockelte es mit einer Laterne hinter dem heiligen Mann im Gewand eines Bischofs her und sang Nikolauslieder. „Nikolaus komm in unser Haus“ zum Beispiel, das ich jetzt sofort ohne Text oder Noten nachzuschlagen singen könnte. In unseren Laternen flackerten übrigens keine batteriebetriebenen Lämpchen, sondern echte Kerzen. Es konnte passieren, dass eine Laterne in Flammen aufging oder – wie bei mir – angesengt wurde, aber dabei haben wir gelernt, dass man die Laterne gerade halten muss und nicht damit herumzappeln sollte. Ganz nebenbei! Diesen Brauch des Nikolausumzugs gibt es in Borken und anderen Städten noch heute, vor zwei Jahren habe ich meinen Reporterraben Corvo in der Geschichte „Corvo reitet mit dem Nikolaus“ (PDF-Link) einen solchen Umzug in Borken erleben lassen.

Nikolausbräuche in anderen Ländern

Mein Vater als Nikolaus und ich als Knecht Ruprecht
Mein Vater als Nikolaus und ich als Knecht Ruprecht, zu einer Zeit, als es noch keine Digitalfotografie gab 🙂

Wenn man so nah an der holländischen Grenze aufwächst, bekommt man zwangsläufig mit, dass in den Niederlanden das Sinterklaas-Fest eine viel größere Bedeutung hat als bei uns. Es hat mich immer fasziniert, wie voll die Geschäfte bei den Grenznachbarn schon vor dem 6. Dezember waren, während wir dort andererseits an Heiligabend bis 16.00 Uhr einkaufen konnten, wenn die Geschäfte in Borken schon längst geschlossen hatten. Das hat mich inspiriert, Corvo in „Corvo trifft Sinterklaas und de Zwarte Piet“ (PDF-Link) in die Niederlande fliegen zu lassen und die Ankunft von Sinterklaas mitzuerleben. Was bei uns „Knecht Ruprecht“ ist, ist in den Niederlanden der „Zwarte Piet“, beide sehen sich sehr ähnlich, sodass mich das nicht weiter verwundert hat. Verblüfft war ich eher, als ich bei der Recherche entdeckte, dass in Österreich der Nikolaus von kleinen Ungeheuern begleitet wird, die „Kramperl“ oder „Krampus“ heißen. Also habe ich meinen Reporterraben in „Corvo trifft den Nikolaus“ (PDF-Link) dorthin geschickt, um herauszufinden, was es damit auf sich hat.

Nikolaus trug Mitra statt Zipfelmütze

Bei diesen Bräuchen ist der Nikolaus stets wie ein Bischof gekleidet und nicht als cola-rotweißer-Weihnachtsmann, der heute auf keinem Weihnachtsmarkt und in keinem Geschäft fehlt. Dabei war der heilige Nikolaus von Myra, auf den der Brauch zurückgeht, sicher nicht rotweiß mit Zipfelmütze gekleidet, sondern wie ein Bischof mit Mitra und Bischofsstab. Schließlich war er ein Bischof, der sich für Menschen engagierte und einer Legende zufolge das Gold der Kirche verkaufte, um armen Familien zu helfen, eine andere Legende besagt, er hätte das Geld seiner Eltern an Notleidende verteilt oder die Kornvorräte der Kirche an Hungernde verteilt. In jedem Fall hat er Überfluss geteilt, um Menschen zu helfen – gerade in der heutigen Zeit wieder ein Thema, mit dem man sich beschäftigen sollte.

Sinterklaas hat es unter einem Pseudonym übrigens bis in die USA geschafft, allerdings konnte er anfangs nur seinen Namen und den Brauch, etwas zu schenken, retten und nicht seinen Geburtstag – als Santa Clause bringt er traditionell an Weihnachten die Geschenke. In Myra, das heute Demre heißt und in der Türkei liegt, gibt es übrigens am Nikolaustag keine Geschenke, „Noel Baba“, wie der Weihnachtsmann dort heißt, bringt sogar erst an Silvester Geschenke.

Wann und wie auch immer ihr Nikolaus begeht, wünsche ich euch viel Freude und vielleicht schenkt ihr dem Anliegen des Bischofs von Myra einen Gedanken. © Birgit Ebbert

In dem E-Book „Weihnachtsrabe Corvo auf Reportageflug“ gibt es übrigens 24 Geschichten, wie der Rabe auf seiner Reise um die Erde Weihnachtsbräuche miterlebt. Das E-Book ist in allen E-Book-Shops erhältlich.