(11.06.2014) Pfingstmontag habe ich aufgeräumt und meinen Wahlzettel für die OB-Wahl ausgefüllt. Wie manchmal im Leben gibt es zwischen beidem eine Verbindung. Beim Aufräumen fand ich eine alte Videokassette mit einer Fernsehsendung, in der Dieter Hildebrand und Harald Schmidt unter anderem diskutierten, ob ein Künstler Wahlwerbung machen sollte oder nicht. Ich habe die Sendung entspannt angesehen, weil mir klar war, dass ich nie in die Situation geraten würde. Doch nachdem ich mich mit den beiden Kandidaten noch einmal intensiver beschäftigt habe, sehe ich das anders.

In den sechseinhalb Jahren, in denen ich in Hagen wohne, ist mir die Stadt irgendwie ans Herz gewachsen, auch wenn ich inzwischen mit manchen Hagenern schimpfe. Ich versuche doch und vor allem, das Positive zu sehen und herauszustellen. Und zu dem Positiven, das ich in den letzten Monaten erlebt habe, gehört, dass sich drei Parteien zusammengetan haben, um im Interesse Hagens einen gemeinsamen parteilosen Kandidaten für die OB-Wahl zu nominieren.

Endlich einmal war Hagen nicht mit Schulden oder anderen wenig erfreulichen Dingen in den Schlagzeilen, sondern mit einer Geste des gesunden Menschenverstandes. Und wo der gesunde Menschenverstand eingesetzt wird, schaue ich immer gerne hin, denn der wird leider viel zu oft in die Schublade gesperrt.

Dermaßen neugierig geworden, habe ich mir den Kandidaten Erik O. Schulz genauer angeschaut und als erstes festgestellt, dass ich bei Facebook seit längerem mit ihm befreundet bin. Für mich als bekennende Anhängerin sozialer Netzwerke ein deutlicher Pluspunkt für einen Kandidaten, den ich bis heute nicht persönlich kenne. Meine Entscheidung wird also nicht durch Sympathien einen Kandidaten beeinflusst, sondern ich lasse mich leiten von Dingen, die mir wichtig sind. Dazu gehört der Kontakt zu den Bürgern, den Horst Wisotzki hervorhebt, dem ich bis heute weder virtuell noch real begegnet bin. Das liegt vielleicht daran, dass ich in Hagen vor allem Kulturveranstaltungen besuche.

Und damit bin ich schon bei einem inhaltlichen Argument, das mich unter anderem für Erik O. Schulz einnimmt. Er spricht sich ausdrücklich für eine Kultur- und Sportlandschaft aus, während in den Positionen von Horst Wisotzki der Begriff Kultur nicht einmal auftaucht. Und das in Hagen, das vor gut 100 Jahren neben Berlin ein kulturelles Zentrum Deutschlands war. Da reibe ich mir die Augen und höre mir die Videobotschaft von Herrn Wisotzki an. Kein Wort von Kultur.

Als Kulturschaffende und Kulturliebhaberin muss ich da eigentlich nicht mehr überlegen. Ich tue es dennoch, schließlich gibt in Hagen weit mehr zu tun, als die Kultur zu fördern. Allen voran muss ein Ziel sein, den Haushalt zu konsolidieren und abzuwägen, wo die Einnahmen – also auch meine Steuern – zukunftsweisend eingesetzt werden. Aber bie diesem Punkt unterscheiden sich die Positionen der beiden Kandidaten für mich als Außenstehende nicht so sehr, wie sie es sich vielleicht vorstellen.

Bleibt für mich vor allem die Kultur, in der sich die beiden unterscheiden und zwar in doppeltem Sinne – in dem Engagement für Kunst, Theater, Musik und andere Kulturbereiche, und in der Kommunikationskultur. Mit Horst Wisotzki habe ich noch nie irgendeinen Kontakt gehabt, während ich das eine oder andere Mal mit Erik O. Schulz via Like oder Kommentar Gedanken ausgetauscht habe. Für mich als Workoholic, der viel via Internet kommuniziert, ist diese Form der Kommunikation ein Must have für Politiker, weil man damit am Puls der Zeit ist und am Rande viel mehr mitbekommt als in Gesprächen mit Parteikollegen, Familie, Freundeskreis, die meist doch ähnlich denken wie man selbst.

Neben diesem allen zählt für mich aber, dass Erik O. Schulz ein Lebensziel hat. Seit Jahren sammle ich Kindheits- und Lebensträume, weil ich glaube, dass diese eine wichtige Grundlage für Lebenszufriedenheit bilden. Das Lebensziel von Erik O. Schulz ist, Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Hagen zu werden. Er hat 2009 versucht, das Ziel mit seiner Herzenspartei umzusetzen und die Partei wollte ihn nicht. Er hat 2013 seine Herzenspartei daran erinnert, das er zur Verfügung steht. Die wollte ihn nicht als Kandidaten. Also hat er nach einem neuen Weg gesucht hat, sein Ziel zu realisieren, und anscheinend sowohl die Spitzen der CDU, FDP und Grünen als auch im ersten Wahlgang 47,8 Prozent der Hagenerinnen und Hagener überzeugt. Seine frühere Partei mag das als „Charakterschwäche“ darstellen, für mich ist das Zielstrebigkeit und genau die braucht Hagen aus meiner Sicht. Wer diese Zielstrebigkeit an den Tag legt, hat auch eine Chance, in Hagen etwas zu bewegen. Deshalb habe ich Erik O. Schulz gewählt und drücke ihm und den Hagenern für den 15. Juni die Daumen. © Birgit Ebbert