(27.09.2015) Gestern Abend war der Auftakt einer Veranstaltung, bei der die Kooperative K einlädt, „Open Space“ in Hagen zu erleben. An zwei Ausstellungsorten waren Bilder und Installationen von neun Künstlern zu sehen und in dem Bus, der zwischen den Locations pendelte, gab es Musik- und Literatur-Performances. Und ich durfte auch wieder mit dabei sein und im Bus lesen, eine besondere Erfahrung, die ich allerdings gerne wiederhole. Nun weiß ich ja, dass es besser ist, kurze Texte zu lesen, weil die Bus-Heizung zwischendurch mal rumpelt oder das Fahrzeug beim Anfahren an Ampel oder Kreuzung etwas lauter wird. Doch das nebenbei bemerkt.

Im Mittelpunkt standen natürlich die Kunstwerke, die ganz unterschiedlich waren. Es gab einige „alte Bekannte“ zu entdecken, die mir schon bei der Ausstellung „Urban Heroes“ gefallen haben. (Unglaublich, dass das schon ein Jahr her ist!) Neben meinem Sofa steht noch immer der Zweig mit dem Faltvogel von Happy Guy, deshalb war ich besonders begeistert von dem ganzen Baum voller gefalteter Vögel. Aber auch die Spiegelprojekte haben mir gut gefallen, blöd nur, dass ich vor lauter Quatschen nicht alle abgelichtet habe. Typisch wieder, statt Bilder anzuschauen oder die Künstler auszuhorchen, habe ich wieder hier geratscht und da geplaudert. Wie gut, dass die Ausstellungen noch bis nächsten Sonntag zu sehen sind.

Außer Kunst von Happy Guy und Rolf Rolfe, dessen witzige Werke ich teilweise auch schon von den „Urban Heroes“ kannte, sind Bilder der Warschauer Künstlerin Marta Kawecka zu sehen, aber natürlich auch Bilder, Fotos, Installationen der Künstler der Kooperative K: Andreas Friedhelm Arnold, Judith Bisping, Daniela Hartmann, Beba Ilic, Sandra Letzing und Dietmar Schneider. Das ist eben das Schöne an einer solchen Gemeinschaftsausstellung, dass jeder Künstler seinen besonderen Reiz hat. Ich könnte nicht sagen, was mir am besten gefallen hat, aber man sieht ja einiges auf den Fotos unten.

Manche Werke haben sich mir deshalb besonders eingeprägt, weil sie mit besonderen Erlebnissen verbunden sind. Zum Beispiel fand ich im ersten Moment die Installation „Goldenes Zeitalter“ von Sandra Letzing witzig und bei genauerer Betrachtung wurde mir klar, dass „witzig“ nicht das richtige Attribut ist. Aber es war so und zwar deshalb, weil ich den gedeckten Tisch nur von weitem gesehen hatte und dachte, es handele sich um den Besprechungstisch der Veranstalter 🙂 Erst als ich die goldenen Heuschrecken und Pommes sah, wurde mir klar, dass es sich wohl doch nicht um Alltag, sondern um Kunst handelte.

Das zweite Kunstwerk, mit dem ich eine Geschichte verbinde, ist Andys „Touch-Art“ (gibt es den Begriff eigentlich?). Ich meine das Bild, in das er Schrauben, Muttern und was sonst so im Atelier anfiel und – wie wir erfuhren – Leckerlis von Dietmars Hund verarbeitet hat.

Und dann war da noch von dem Berliner Künstler Rainer Maira Matysik der gelb-blaue Knetklumpen alias der „offene Sack“ bzw. korrekt „Les fleures sont mal“, der im Hagenring für solche Empörung gesorgt hatte. Den hatte ich mir ja viel größer vorgestellt und da konnte ich die Aufregung fast ein bissschen verstehen. In einem großen Ausstellungsraum muss der kleine „Sack“ sehr verloren wirken. Aber im Foyer vom Haus der Ruhrkohle kam er sehr interessant rüber und es saßen auch immer Leute auf den drei Stühlen und ließen sich inspieren. Mancher hat einen Fisch erkannt, für mich sah das eher nach einem Elefant aus, aber insgesamt dachte ich mir, wenn man den „Sack“ schön rund knetet, könnte man ihn auch als Weltkugel verwenden. Jetzt mal ehrlich, wenn ein Kunstwerk es schafft, dass sich viele Leute solche Gedanken machen, dann kann es so schlecht nicht sein.

Am nächsten Donnerstag (1. 10. 19.00 Uhr im Haus der Ruhrkohle) gibt es übrigens Gelegenheit, den Künstler persönlich zu fragen, wie er auf die Idee zu dem „Sack“ kam und was er damit vermitteln möchte. Dann wie auch am 29.9., 30.9. 2.10. (jeweils 18.00 bis 20.00 Uhr) und 4.10. ist die Ausstellung noch zu sehen. Am 4.10. findet zum Abschluss in der Kooperative K von 15.30 bis 17.30 Uhr ein Werkstattgespräch statt – Zeit genug also, um noch mal reinzuschauen.

Ach, jetzt ist der Beitrag doch schon länger geworden, als ich dachte, dann gibt es demnächst noch einen zweiten über die Krimi-Subsets und anderen Texte, die ich gelesen habe und wie und warum sie entstanden sind. © Birgit Ebbert

Meine Foto-Sicht vom Abend im FotoBlog

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