(09.08.2014) Gestern Abend fand im Theater an der Volme in Hagen eine ganz besondere Premiere statt. Der Kriminalroman „Agent 0070 Operation Eaglehurst“ von Marlies Ferber wurde als Theaterstück aufgeführt. Und zwar so gut, dass man zwischendurch vergaß, dass auf der Bühne keine Schauspiel-Profis, sondern Laienschauspieler standen. Die Aufführung sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, zumal die Geschichte mit ihrem englischen Humor Krimi-Klassikern durchaus ebenbürtig ist.

Der pensionierte Geheimagent James Gerald mietet sich für einige Zeit in dem Seniorenheim Eaglehurst ein, nachdem ein Freund von ihm dort auf für ihn ungeklärte Weise ums Leben kam. Kaum trifft er ein, stirbt ein weiterer Bewohner, was ihn in seinem Verdacht bestätigt, dass es in Eaglehurst mörderisch zugeht. Ein Verdacht, der sich im Laufe der Geschichte weiter erhärten wird. Allerdings gibt es viele Verdächtige und noch mehr ungeklärte Fragen, deren Antworten am Ende alle irgendwie zusammen passen.

Stefan Schroeder hat es geschafft, die Story des 270 Seiten starken Kriminalromans so für die Bühne zu bearbeiten, dass selbst die Autorin des Buches am Ende nicht wusste, welcher Dialog von ihr stammten. Auch die Zuschauer hatten keinen Moment das Gefühl, hier wird ein Buch nacherzählt. Eine Pointe jagte die andere, durch viele Lacher und häufigen Szenenapplaus bestätigt.

Doch was wäre ein Theaterstück ohne seine Darsteller? Die Akteure, die James, Sheila und den anderen Figuren auf der Bühne ein Gesicht gaben, standen fast alle das erste Mal auf der Bühne, Schauspielprofi ist keiner von ihnen. Dennoch haben sie ihre Rollen so überzeugend gespielt, dass ich zwischendurch vergessen habe, Notizen und Fotos zu machen, weil ich von dem Spiel gefesselt war. Ich mag einzelne Darsteller kaum hervorheben. Aber die Rolle des pensionierten Geheimagenten James Gerald war mit Matthias Geck so treffend besetzt und er spielte so gut, dass er es verdient besonders erwähnt zu werden. Aber auch Kerstin Menzebach als James frühere Mitarbeiterin Sheila Humphrey war wunderbar. Die größte Wandlungsfähigkeit hat Maritta Blank gezeigt, die zunächst als Köchin und später als Frau im „Eight Bells“ begeisterte. Und Andreas Hülstrung stellte Rupert Rutherford genau so dar, wie man sich einen englischen Kommissar ausmalt. Auch Arne Bieck als Taxifahrer war herrlich, auch wenn mein Mini-Video von der Taxifahrt durch Dover nur einen kleinen Eindruck vermittelt.

Wenn ich das Stück noch einmal Revue passieren lassen, dann haben auch die anderen Mitwirkenden das geschafft, was für mich gutes Theater ausmacht, dass ich am Schluss das Gefühl habe, man könnte die Rollen nicht anders besetzen, weil die Darbietungen so stimmig waren. Ob das Kay Kämper als zackiger Julius Peabody oder Ursula Schäfer und Anne Hardt als die schrulligen Hideous-Schwestern, Lothar Holzkamp als sterbender Thomas Maddison, Janina Landgrebe als pubertäre Katie White, Birgit Wiszinski als resolute Pflegerin, Ingeburg Külpmann als Ärztin mit einem Hang zur Homöpathie und natürlich Bernhild Stamnitz-Walther in der Rolle der mit Muttersorgen beladenen Heimleitung.

In 12 Wochen haben es die Darsteller unter der Regie von Dario Weberg geschafft, sich in ihre Rolle einzufinden. Das ist ihnen auf hohem Niveau gelungen, wozu man auch Dario Weberg gratulieren darf, den wir überraschend und zu aller Begeisterung in einer Szene auch auf der Bühne erleben durften. Ach ja, die Bühne. Zu einem gelungenen Ganzen gehören immer auch die kleinen Dinge, die man nicht bewusst wahrnimmt. Wie das Bühnenbild mit den Original-Tapeten aus England, die dem Aufenthaltsraum in Eaglehurst eine besonders englische Note verliehen. Aber auch die Musikauswahl war sehr gelungen und die Beleuchtung treffend und beides von Roman Weber in der Technik im rechten Moment auf den Punkt gebracht.

Kurzum: Eine überaus gelungene Aufführung, der ich viele Zuschauer und viel Medienresonanz wünsche, weil die Hagener Amateur-Schauspieler wirklich überragend waren und bewiesen haben, dass in jedem Menschen ein verborgenes Talent steckt. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen und Karten für die nächsten Aufführungen am 02.09., 10.09., 05.10., 10.10., 15.10., 11.11. und 26.11. unter www.theaterandervolme.de 

Und hier noch eine Auswahl der Fotos mit einem Gruß an die Darsteller: