(14.10.2014) Das Theater an der Volme entwickelt schon seit einiger Zeit mit einem Laienensemble Inszenierungen. Dario Weberg konnte also auf einige Erfahrung zurückblicken, als er sich Anfang des Jahres auf das Experiment „Operation Eaglehurst“ einließ. Aber er scheint ja starke Nerven zu haben, sonst hätte er neben allen anderen Aufgaben nicht noch die Leitung der Schlossspiele im Schloss Hohenlimburg übernommen.

„Operation Eaglehurst“ war ein mehrfaches Experiment, es war die Uraufführung eines Theaterstückes zu einem Krimi der Hagener Autorin Marlies Ferber. Das hieß, Stückautor und Buchautorin saßen unter Umständen bei den Proben im Zuschauerraum und lauschten argusöhrig darauf, ob ihr Text auch ja nicht verfälscht wurde. Das passiert einem Regisseur bei Goethe, Schiller oder Shakespeare eher selten. Mit einer Hand, einem Ohr, einem Auge hielt Dario Weberg also das Autorenduo in Schach.

Mindestens eine Hand, ein Ohr und ein Auge brauchte er für die Darsteller auf der Bühne, die größtenteils seit ihrer Schulzeit nicht mehr auf einer Bühne gestanden hatten. Das Stück wurde nämlich komplett von Amateurschauspielern dargeboten. Über einen Artikel in der Zeitung, den Newsletter des Theaters oder persönliche Kontakte hatten die Darsteller von dem Projekt erfahren und sich mehr oder weniger spontan angemeldet. Die erste Hürde, die sie nehmen mussten, war ein Casting im Beisein der geballten Intendanz des Theaters und der Autoren, die sich als Dieter Bohlen des Theaters verhalten mussten und nicht mit „Recall“-Zetteln, aber doch mit Ermutigungen oder Absagen winkten. So mancher, der sich beworben hatte, hat den Traum von der Bühne allerdings auch schon aufgegeben, als er feststellte, wie viel Text er lernen musste und dass das Schauspielerdasein ziemlich profan mit Vorlesen beginnt und nicht gleich die große Geste verlangt.

Aber einige haben durchgehalten, alle sind heute froh, dass sie mitgemacht haben und wären bei einem Projekt gerne wieder dabei, wenn es die Zeit zulässt. „Das war einfach geil“, findet Marion Obraschnick, eine der Besetzungen der Ärztin des Seniorenheims. Sie spielt Gitarre für die Knochen, erklärt sie mir, spielt Theater für das Gehirn und wartet nur darauf, wieder eingesetzt zu werden.

Kerstin Menzebach, die Sheila im Stück, beschreibt besonders das Gefühl, über sich hinausgewachsen zu sein, weil sie den langen Text wider Erwarten doch gelernt hat und es ihr gelungen ist, ihre Rolle zu verinnerlichen. „Dank Darios Unterstützung und Geduld“, die alle besonders hervorheben – Schauspieler wie Autoren, ihm ist der Spagat wirklich geglückt, das Beste aus allen herauszuholen. Wo sich auch alle einig waren, war die wunderbare Gemeinschaft, die sich bei der Arbeit miteinander an dem Stück entwickelt hat und die weit über das Spaß am Rollenspiel hinausgeht.

Beides merkt man dem Stück, das im Oktober und November noch je zweimal gespielt wird, auch an. Meine dringende Empfehlung lautet: Karten kaufen, solange noch welche erhältlich sind.

Termine in diesem Jahr: 15.10., 11.11., 26.11.

Karten und Informationen: Theater an der Volme

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