Orte der Geborgenheit(08.03.2017) Am vergangenen Wochenende wurde im Emil Schumacher-Museum eine neue Ausstellung eröffnet: Orte der Geborgenheit. Hier sind fast 90 Bilder aus dem Werk des Hagener Künstlers zu sehen, die zeigen, wo sich Menschen und wo Emil Schumacher sich geborgen fühlte bzw. welche Orte ein Gefühl der Geborgenheit hervorrufen. Einer der Orte ist für den Künstler das Atelier oder der Arbeitstisch, deshalb habe ich das Ölgemälde „Ateliertisch“ von 1946 als Beitragsbild gewählt.

Geborgenheit trotz unsicherer Zeit

Emil Schumacher ist 1912 geboren, war also zwei Jahre alt, als der erste Weltkrieg ausbrach. Auch wenn es in den Texten zur Ausstellung nicht explizit erwähnt wird, hat er somit schon als Kind erste Erfahrungen gemacht, dass die Welt aus den Fugen gerät. Wir neigen häufig dazu, Kindern diese Wahrnehmung abzusprechen, aber sie bekommen mehr mit, als wir denken und das war vor 100 Jahren nicht anders als heute. Solche Erfahrungen prägen auch unbewusst und wurden bei ihm noch verstärkt durch den Nationalsozialismus, der schon Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg Unruhe in das Alltagsleben brachte. Er selbst erlebte die Repressalien an der Kunstgewerbeschule in Dortmund und als seine Aufnahme in die Reichskulturkammer abgelehnt wurde. Die Ablehnung bedeutete für ihn als Künstler, dass er nicht öffentlich arbeiten und ausstellen durfte. Er wurde in seinem künstlerischen Schaffen zurückgeworfen auf das Haus, in dem er lebte. Kein Wunder, dass es in seinem Frühwerk eine besondere Rolle einnimmt und Bilder von der Familie und heimelige Eindrücke aus dem Wohnzimmer entstanden.

Eine Ausstellung in unsicherer Zeit

Ja, ich weiß, uns geht es gut. Aber mit Blick auf die Weltlage, den Terrorismus und die nationalistischen Gedanken, die sich in der Politik wieder ausbreiten, ist die Zeit nicht mehr so sicher, wie wir sie früher erlebt haben. Aus Angst um ihr Leben und weil sie ihr Land und ihr Zuhause nicht mehr als Ort der Geborgenheit empfinden, begeben sich Tausende von Menschen auf die Flucht in ein unbekanntes Land. Sie wissen noch nicht, ob sie dort aufgenommen werden und neue Orte der Geborgenheit finden, aber sie hoffen darauf. Dieser Gedanke war es, der die Kuratoren der neuen Ausstellung mit Emil Schumacher-Werken das Thema auswählen ließ. Sie wollten über die Orte der Geborgenheit in den Bildern an das Thema Flucht und Vertreibung erinnern. Emil Schumacher hat keine Vertreibung erlebt, aber natürlich hat er mitbekommen, dass Menschen unter der Nazi-Diktatur aus Deutschland fliehen mussten und dass Menschen nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Auch das Mit-Erleben beeinflusst unser Denken und das Werk eines Künstlers.

Die Orte der Geborgenheit in der Ausstellung

Die Hauptmotive der Ausstellung sind Häuser, teils mit den Straßennamen versehen, sodass die Hagener Besucher die Häuser sogar wiedererkennen können. Neben den Fassaden in mehr oder weniger abstrakter Form, finden sich Innenansichten, die teilweise einen Einblick in die Privatsphäre des Künstlers erlauben. Da gibt es Tuschfederzeichnungen des Interieurs sowie sowie Öl-, Kreide-, Kohle- und Pastellzeichnungen von Familienmitgliedern und immer wieder Häuser. Gerade an den Bildern der Häuser lässt sich sehr schön die künstlerische Entwicklung Schumachers und seine Suche nach einem eigenen Stil ablesen. Wirkt das Haus anfangs noch heimelig und so, als könne man mit dem Bild losziehen und das Vorbild finden, wird es später zu einer Andeutung, die den besonderen Stil seines Spätwerks ausmacht. Das finde ich besonders spannend, aber auch die Einblicke in Wohn- und Lebenssituationen der 30er- und 40er Jahre, ob das die Nähmaschine im Wohnzimmer ist, der kleine Ulrich am Tisch oder der alte Mann mit der Zeitung. Die Bilder zeigen, dass die Zeit weitergegangen ist und wir heute vielleicht modern und digitaler aufgestellt sind, das wahre Leben aber heute wie damals aussieht. Eine wirklich spannende Ausstellung und wer es nicht schafft, sie bis zum 28. Mai anzusehen, kann ja in dem gelungenen Katalog blättern. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zur Ausstellung: www.esmh.de

Was sind eure Orte der Geborgenheit?

Wer Lust hat darf mir gerne ein Bild oder einen Link zu einem Beitrag über seinen Ort der Geborgenheit schicken. Ich ergänze sie dann hier.