(13.04.2019) Ich bin noch völlig geflasht von dem Ostereiermarkt, den ich gerade auf Schloss Friedenstein besucht habe. Unter uns, ich habe meinen Gotha-Aufenthalt so geplant, dass ich den Ostereiermarkt erleben kann, ohne zu wissen was mich erwartet. Also war ich neugierig, aber ohne Kamera, kein Problem, mein Handy habe ich ja auch wegen der Kamera ausgesucht, und ohne Notizbuch unterwegs. Nachdem ich die erste Visitenkarte vollgekritzelt hatte, musste ich doch an die Kasse und Papier schnorren. 🙁 🙂 Man muss sich nur zu helfen wissen und kommt gleich ins Gespräch.

Der Ostereiermarkt

Beweisfoto, dass es auch grüne Hühnereier gibt 🙂

Vielleicht zeichnet es mich auch als Kunstbanausin aus, weil ich mir unter einem Ostereiermarkt eher so etwas wie einen Kunsthandwerkermarkt oder Bauernmarkt vorgestellt habe. Da muss ich wirklich Abbitte leisten. Der Ostereiermarkt ist das, was der Name sagt, ein Markt für Ostereier, aber nicht zum Essen, aus Schokolade oder maschinell eingefärbt. Die Eier sind alle ausgeblasen, sie stammen von Hühnern verschiedener Rassen, von Enten, Gänsen, Fasanen, Straußen, Zwerghühnern … Die Eier werden bemalt, beklebt, gefräst, geritzt, gewachst, beschrieben, geschnitten, unglaublich, was man mit Eiern machen kann. Ursprünglich trug der Markt den Namen „Zauber des Zerbrechlichen“, was dem, was den Eindruck der Besucherinnen und Besucher ziemlich genau trifft. Ich habe auch kaum jemanden erlebt, der nicht mit einem Päckchen oder Tütchen den Markt verließ -mich eingeschlossen, ich habe auch gleich Ostergeschenke für die Familie gekauft 🙂

Über die Aussteller beim Ostereiermarkt

Ich habe die Stände nicht gezählt, ich schätze, dass ca. 20 Ausstellerinnen und Aussteller vertreten waren und fast alle haben ihre eigene Methode, die Ostereier zu schmücken. Mit einigen habe ich gesprochen, die Auswahl erfolgte danach, wo mein Blick hängen blieb und gerade Raum für ein kurzes Gespräch war. Das war schon eine Herausforderung, denn der Markt war gut besucht, sodass ich manche AusstellerInnen nicht mit meinen Fragen aufhalten wollte, schließlich waren sie nicht zum Quatschen, sondern zum Verkaufen da 🙂

Die AusstellerInnen, mit denen ich gesprochen habe, kamen aus Thüringen. Aus Gotha kommt Antje Janneck, die vor vielen Jahren damit angefangen hat, Eier mir Perlen zu bekleben, das aber inzwischen nur noch in Ausnahmefällen macht, stattdessen bemalt sie die Eier mit Acryl und Permanentmarker. Hübsch, oder? Ich stöbere mal, ob ich sie bei Instagram finde. Auch Alice Lindner hatte keine weite Anreise zum Schloss Friedenstein. Sie färbt die Eier zunächst und ritzt dann mit einem Zahnarztbohrer Muster in die gefärbte Schale. (Siehe Titelfoto)

Das habe ich erfahren, es werden allerlei Werkzeuge zweckentfremdet, Marion Hintzsche aus Dittersdorf bearbeitet Enteneierschalen mit dem Diamantschleifer. Anschließend bemalt sie die Eier mit in Wachs gebundenen Farben, Enkaustik heißt diese Technik, die bereits 3.000 Jahre v. Chr. bei den alten Ägyptern bekannt war. Sie wie auch andere KünstlerInnen wiesen mich darauf hin, dass sie in der Regel Eier von Züchtern oder sogar eigenem Geflügel nutzen, weil die Schale der Supermarkt-Eier meist nicht stabil genug ist und sogar feine Haarrisse enthalten.

Nicht ganz so alt wie die Enkaustik, aber doch auch schon eine traditionelle Kunst, nutzt Dagmar Neugebauer. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es die Tradition der Binseneier in Eisenach und Umgebung. Hier wird das Mark der Binsen für die Verzierung vorab mit Stoff beklebten Eier genutzt. Ich weiß, dass die Künstlerin es nicht gerne hört und liest, aber auf den ersten Blick sieht die Verzierung aus wie weiße Borte. Ich bin nur am Stand stehen geblieben wegen des Begriffs „Binseneier“. Binsen kennt man ja, aber was diese mit der weißen Deko auf den Eiern zu tun haben sollte, wollte ich doch wissen.

Am Stand von Monika Axt mit ihren bemalten Eiern habe ich eine kleine Lehrstunde in Sachen Hühner und Eierfarbe bekommen. Wieder eine Bildungslücke geschlossen 🙂 Kommt, wusstet ihr, dass es grüne Hühnereier gibt, 🙂 die Hühner nennt man übrigens Grünleger, das Wort kommt in meine Wortschatzkiste. Es gibt auch Hühner, deren Eier vollmichschokoladenbraun sind. Monika Axt und ihr Mann haben selbst Hühner und wählen bei der Neuanschaffung die Rasse danach aus, welche Eier sich gut verwerten lassen. Das ganze Jahr über werden Eier grundsätzlich nur ausgeblasen und wenn in der heißen Zeit vor Ostern viele Eier hergestellt werden müssen, springen auch schon mal die Nachbarn ein, um die Eierinhalte zu verzehren. Ich glaube, bei einem solchen Hobby würde ich mir einen Thermomix zulegen und noch in die Eierlikörproduktion einsteigen 🙂

Apropos viele Eier – Ines-Annette Krummrich aus Erfurt erzählte, während sie ein Ei mit Namen versah, dass sie in diesem Jahr bereits 2.000 Eier verziert hat. Ihr Markenkern sind die Namen-Eier. Man kann sich ein Ei aussuchen, das bereits grundiert und gemustert ist und den eigenen Namen oder den von zu Beschenkenden darauf schreiben lassen. Ich glaube, an dem Stand war der größte Andrang, wenn ich es recht überlege.

Literatur auf dem Ei

Besonders gefesselt haben mich natürlich die Texte auf den Eiern und da merke ich gerade, dass ich vor lauter schwirrendem Kopf vergessen habe, mir den Zauberlehrling auf dem Ei mitzunehmen. Noch habe ich das Bändchen um, da werde ich gleich noch mal fix den Schlossberg erklimmen, um das zu kaufen. Andrea Steinel aus Gera schreibt mit der Hand lange Texte auf Eier, Gedichte von Goethe, Informationen über Sternzeichen, die 10 Gebote, aber auch Lieder – samt Noten. Ihre Schwiegertochter Chris Steinel hat sie auch schon mit dem Ostereier-Virus infiziert, sie malt Eier mit einem 3-D-Stift, das ist, glaube ich die modernste Technik auf dem Markt. Sozusagen die Zukunft, Ostereier ohne Ei 🙂 Auch an anderen Ständen gab es Eier mit Texten, auf jeden Fall bei Alice Lindner und Marion Hintzsche, das Ei, das ich dort für meine Mutter gekauft hat, ist auch mit einem Gedicht versehen. 🙂

Ich weiß, Hagen ist zu weit, um schnell mal eben nach Gotha zu fahren zum Ostereiermarkt. Aber ihr könnt ja weitersagen, dass sich der Besuch auf jeden Fall lohnt, falls gerade jemand in der Nähe ist und natürlich für alle aus Gotha und Umgebung 🙂 Der Markt ist morgen von 10 bis 17 Uhr geöffnet, heute auch, deshalb sause ich jetzt. Weitere Informationen www.stiftungfriedenstein.de